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Ortsvorsteher Frank Reißer nimmt in seinem kleinen Studio zu Hause professionell YouTube-Videos auf.

YouTube als Ortsfunk

Grävenwiesbach . Ortsvorsteher Frank Reißer ist YouTube-Fan. Auf seinem eigenen Kanal erläutert der Politik-Neuling informativ nicht nur sein eigenes politisches Handeln, sondern erklärt die Hintergründe der Beratungen im Ortsbeirat der Kerngemeinde Grävenwiesbach. »Warum die Ortsbeiratssitzung offiziell nicht offiziell war«, lautete beispielsweise der Titel eines achtminütigen YouTube-Videos, in dem Frank Reißer am 21.

November erläuterte, warum der Ortsbeirat tags zuvor eine Sitzung an der Lehmkauthalle abhielt, obwohl wegen verspäteter Ladungsfrist und Rüge eines Ortsbeiratsmitglieds das Gremium offiziell nicht beschlussfähig war. Im Gespräch mit dem UA erzählt der IT-Experte, wie es zu seinem You- Tube-Kanal und zum ersten Video über Grävenwiesbach kam und was er künftig plant.

Wie ist die Idee entstanden, YouTube-Videos über Grävenwiesbach zu drehen?

Ich bin schon lange ein You- Tube-Fan. Als Schrauber repariere ich Autos in meiner Garage. Ich habe mir das nötige Wissen selbst durch das Anschauen von YouTube-Videos angeeignet. Generell bin ich ein visueller Mensch und lerne am besten, wenn ich etwas sehe. Vor zwei Jahren, im November 2019, wurde ich zum Schulelternbeirat in der Wiesbachschule gewählt. Da entstand die Idee, die Vielfalt der Schule einmal mediengerecht darzustellen und über Hintergründe bestimmter Maßnahmen oder Neuerungen zu informieren. Daraufhin errichtete ich Ende 2019 den YouTube-Kanal. Denn als Porträt-Fotograf verfügte ich bereits über eine professionelle Ausrüstung zum Drehen von YouTube-Videos. Als Fachmann für Bilder ist die Selbstaufnahme für mich kein Problem und bin ich mit meinem Equipment jederzeit in der Lage, Filme fehlerfrei aufzunehmen.

Wie war die Resonanz auf die ersten Videos und was gibt es alles zu sehen?

Es begann in der Wiesbachschule Anfang 2020 mit Videos zu den Verhaltensregeln im Corona-Lockdown. Schulleiter Jan Drumla hatte um Hilfe gebeten, die mitunter schwer verständlichen Regeln und Verhaltensvorschriften per Video für alle Eltern visuell zu erklären. Später wurden die ständigen Änderungen auf diesem Wege schnellstmöglich aktualisiert. Jedes Video wurde per Link an alle Klassenelternbeiräte verteilt und gelangte so an die Eltern. Angesichts von 248 Aufrufen des Videos vom Juli 2020 »Wie geht es weiter mit Corona?« wurde deutlich, dass alle Eltern das kostenlose Angebot nutzten. Meine neunjährige Tochter Serafina stellte sich damals gerne zur Verfügung, um ein Corona-Test-Video zu drehen, indem der Test-Parcours vorgestellt wurde. Das ist in der Schulgemeinde gut angekommen. Meine Tochter war ganz stolz, dabei mitzumachen, und wir konnten in der Schule eine Vertrauensbasis für die Teststrategie schaffen. Das war in 30 Minuten im Kasten.

Warum nehmen Sie jetzt auch als Ortsvorsteher Frank Reißer via Internet Kontakt zu den Bürgern auf?

Ich finde es ganz putzig, wenn Grävenwiesbacher sagen, wir haben jetzt einen eigenen Fernsehsender. Im Ernst. Ich möchte als Frank Reißer informieren, der gerade eben auch Ortsvorsteher ist. Genauso wie bei den Videos als Schulelternbeirat, informiere ich unabhängig und richten sich die Videos an die Allgemeinheit. Bis jetzt gibt es circa 20 bis 25 Videos über die Schule, die FWG Grävenwiesbach und eben auch über den Ortsbeirat. Für mich ist das eine Frage des Vertrauens. Wichtig ist mir, dass es bei YouTube eine Kommentarfunktion gibt, mit der es zu einem Dialog oder sogar zur Debatte über bestimmte Themen kommen kann. Die Zeiten sind anders geworden und daher findet auch die Diskussion mit dem Bürger über heimische Kommunalpolitik anders statt. Es geht um Information und Diskussion und keinesfalls um Angriffe.

Was ist als nächstes geplant?

Wie gesagt, ich drehe die Videos in ganz unregelmäßigen Abständen. Für mich als Politik-Neuling ist das eine andere Form der Darstellung. Für das nächste Video wird es immer eines Anlasses bedürfen. Es geht ausschließlich um Information. Zuletzt war ich am 23. November als Vater eines Kindes bei der Baumpflanzaktion KiTa-Wald des Kindergarten Grävenwiesbach dabei. Zuerst stellte ich der Kindergartengemeinde das Projekt vor und daraufhin erklärte sich Bürgermeister Roland Seel spontan bereit, die aktive Beteiligung der Gemeinde und das Miteinander zu erläutern. Selbstverständlich gehört zum Video das Einverständnis aller Beteiligten, gefilmt zu werden. Weil dies bei den Kindern auf die Schnelle nicht von allen zu bekommen war, habe ich mich im Video auf die Darstellung in Fotos mit Erwachsenen und mit meine Tochter Xenia beschränkt.

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