Eine "neue Mitte" auf dem Ohly-Gelände

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GRÄVENWIESBACH - (kh). Mit der Verabschiedung ihres Programmes für die Kommunalwahl sind auch die Grävenwiesbacher Grünen in den Wahlkampf gestartet. Allerdings beschränken sie sich darauf, Wahlzeitschriften und Flyer in die Briefkästen zu verteilen, denn einen Haustürwahlkampf, so Michael Thiele gegenüber dem UA, wird es bei anhaltenden Kontaktbeschränkungen nicht geben.

Im Bereich Wasser fordert die Partei neben einem sparsamen Umgang mit der kostbaren Ressource Trinkwasser auch eine Verbesserung der Regenwasserversickerung, den Bau von Zisternen sowie gestaffelte und verbrauchsabhängige Wassergebühren im Einklang mit dem kommunalen Abgabengesetz. Was den Wald betrifft, wollen die Grünen Erträge aus Holzverkäufen wieder vermehrt für Aufforstung und Instandhaltung reinvestieren; der Wald dürfe nicht weiter als reine Einnahmequelle betrachtet werden: "Die Funktionen des Waldes als Klima- und Wasserschützer sowie als CO-2-Speicher müssen oberste Priorität sein." Forderungen sind unter anderem: Besucherlenkung im Wald mit Ausweisung von mehr Wildruhezonen und Äsungsflächen, um ein sinnvolles und nachhaltiges Jagdmanagement zu ermöglichen und Naturverjüngungen zu unterstützen, fachlich angeleitete Pflanzaktionen, Ausweisung eines naturbelassenen Waldgebietes ohne jegliche Bewirtschaftung zum Schutz von Pflanzen und Tieren gemäß der "Naturschutzoffensive".

Langfristig energieautark

Wegen der Wasserprobleme und des immer schlechter werdenden Zustands des Gemeindewaldes fordern die Grünen eine nachhaltigere Klimapolitik ein: "Wir wollen langfristig eine energieautarke Gemeinde werden. Dass bedeutet, dass wir genügend Strom herstellen können, um alle Haushalte in Grävenwiesbach damit zu versorgen. Im ersten Schritt wäre dazu ein Ausbau der erneuerbaren Energieträger nötig, einhergehend mit der Schaffung von Speichermöglichkeiten." Dafür soll ein/e Klimaschutzbeauftragte/r eingestellt werden, eventuell im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit.

Neben einer besseren Transparenz und Einbeziehung der Bürgerschaft in die Kommunalpolitik setzen sich die Grünen für den Erhalt der Erholungsräume ein und lehnen eine Erweiterung des Biomassehofes der Rhein-Main-Deponie ebenso ab wie einen neuen Ortsteil auf dem RDM-Gelände und Lkw-Verkehr auf dem Taunuswanderweg am Lindelbach. Eine Reihe konkreter Vorhaben steht für die Partei in der Bau- und Siedlungspolitik auf der Agenda: ein Treffpunkt für Jugendliche mit attraktiven Angeboten (Halfpipe, Unterstand, kostenfreies W-Lan), Ideenwettbewerb für die Nutzung des Ohly-Geländes, um hier eine "neue Mitte" im Zentrum zu errichten und um neue Begegnungsorte zu schaffen, Planung einer Mehrgenerationenwohnanlage mit unterschiedlich großen Wohneinheiten bei der Erschließung neuer Baugebiete sowie die Prüfung der Möglichkeit zum Aufbau von Tiny Houses, um alternatives und ökologisches Wohnen zu ermöglichen.

Die Diskussionen über den Unfallschwerpunkt am Laubacher Kreuz und die Umgehungsstraße dauern nach Ansicht der Partei schon zu lange an, der Schwerlastverkehr habe auf der Frankfurter Straße und in den Ortszeilen deutlich zugenommen - aber die Verkehrspolitik in Grävenwiesbach habe sich trotzdem nicht geändert. Deswegen schreiben die Grünen die Verlagerung des Schwerlastverkehrs aus den Durchgangsstraßen in den Ortsteilen in ihrem Wahlprogramm fest, ferner Tempo 30 auf der Frankfurter Straße und wenn möglich im gesamten Gemeindegebiet, die Entschärfung des Unfallschwerpunktes "Laubacher Kreuz", die beschleunigte Elektrifizierung und den zweigleisigen Ausbau der Taunusbahn, gemeinsame Initiativen zur Reaktivierung stillgelegter Eisenbahnstrecken (Wetzlar, Weilburg) und schließlich ein geschlossenes Fahrradwegenetz zwischen den Ortsteilen und darüber hinaus.

Letzter aber deswegen nicht weniger Punkt ist im Grünen-Programm die kommunale Wirtschaftsförderung. Ihrer Meinung nach unverzichtbar: Abbau des Standortnachteils durch entschlossenes Handeln beim Breitbandausbau, Nutzung aller Fördermöglichkeiten; Einstellung einer Person mit Expertise für kommunale Fördermittel, ggf. auch in interkommunaler Zusammenarbeit; Förderung der Ansiedlung von kleinen und mittleren Gewerbetreibenden und die Förderung des Dienstleistungssektors. Bei Erschließung neuer Baugebiete müssten moderne Formen der Arbeit mitberücksichtigt werden, etwa durch die Errichtung von Co-Working-Spaces, als Büroräume, die sich Freiberufler oder Gründer teilen können.

Auf der Internetseite https://gruenenwiesbach.de/ können Interessierte das komplette Programm einsehen.

(Archivfoto: Romahn)

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