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Grünes Licht für Gründung einer Stromgesellschaft

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Grävenwiesbach (aro). Der Haupt- und Finanzausschuss Grävenwiesbach hat in seiner Sitzung den Weg frei gemacht für einen Vertrag zur Gründung einer gemeinsamen Stromgesellschaft mit der Stadt Usingen und der Süwag AG zum 1. Januar 2022. Nachdem es in der Oktober-Sitzung keine Mehrheit gegeben hatte, sorgte die erneute Beratung unter Beteiligung führender Vertreter des Netzbetreibers Syna GmbH für die Klärung offener Fragen und einen positiven Meinungsumschwung.

Bei Ablehnung der UB und Enthaltung der Grünen erhielt der Beschlussvorschlag eine breite Mehrheit von FWG, CDU und SPD. Es lohne sich, bei einer bedeutenden Zukunftsfrage einen zweiten Anlauf zu nehmen, um Zweifel zu beseitigen und Überzeugungsarbeit zu leisten. »Ich stand dem Vorhaben kritisch gegenüber wegen der offenen Frage künftiger Investitionen aufgrund der Energiewende und habe jetzt eine positive Antwort erhalten«, bekannte HFA-Vorsitzender Tobias Stahl (CDU) seinen Wechsel in das Lager der Befürworter. Er betonte, dass der Einfluss auf den Wirtschaftsplan, den die Gemeinde als Mitgesellschafter erhalte, das wirtschaftliche Risiko rechtfertige.

Bedenken ausgeräumt

HFA-Mitglied Alexander Radu (FWG) hatte Bedenken wegen einer möglichen steigenden Verschuldung der Gemeinde durch weitere finanzielle Belastungen über den Eigenkapitalanteil in Höhe von 440 000 Euro hinaus, den die Gemeinde jetzt in die neu zu gründende Netzgesellschaft einbringen wird. Prokurist Wolfgang Ganz, Leiter der Abteilung Kommunales Partnermanagement bei der Syna, hatte zuvor die von der Bundesnetzagentur vorgesehene Systematik erläutert, wonach der Verzicht auf Tilgung von Darlehen eine optimale Ausgestaltung der Eigenkapitalverzinsung ermöglichen soll.

Vorteile durch Mitbestimmung

Bürgermeister Roland Seel betonte die Vorteile der Mitbestimmung durch die Gesellschaftsbeteiligung. So könne Grävenwiesbach etwa an den Jahresüberschüssen partizipieren oder bei der Ausgestaltung des Wirtschaftsplans mitwirken. »Wenn wir jetzt nicht mitmachen, bleibt alles beim Alten und wir haben keinen Einfluss. Aber mit der Zustimmung könnte die Gemeinde als Gesellschafter selbst 2030 Stromkonzessionär werden und die Ausgestaltung des Netzes mitbestimmen«, beantwortete der Rathauschef auch die Frage von Mikula Schiffer (Grüne) nach künftiger Installation von Speichertechnologie für die Stromerzeugung aus heimischer Windkraft. Die Chance der Rekommunalisierung zentraler Infrastruktur rechtfertige das Risiko, 440 000 Euro Eigenkapitalanteil zu verlieren, stimmte auch SPD-Vertreter David Wade zu.

War die gemeinsame Stromnetzgesellschaft vor vier Wochen noch auf der Kippe, so spricht nun vieles dafür, dass sie am 14. Dezember das Grävenwiesbacher Parlament erfolgreich passieren wird.

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