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Ein Richter nimmt im Verhandlunsgsaal Platz (Symbolbild)

Handfester Streit

Hat er zugeschlagen oder hat er nicht? Prozess um Auseinandersetzung auf Usinger Schlossplatz

Ein ehemaliger Usinger soll einem anderen Mann auf dem Schlossplatz ohne Grund die Faust ins Gesicht gedonnert haben. Nun musste er vor Gericht.

Hat er oder hat er nicht? Der Angeklagte sagt Nein, das mögliche Opfer Ja. Ja hier, Nein da - da bleibt dem Gericht oft nur, schulterzuckend vom einen zum anderen zu gucken und die Sache einzustellen. Im vorliegenden Fall hat aber durchaus einiges dafür gesprochen, dass der 63-jährige Ex-Usinger einem auf Familienbesuch im Buchfinkenland weilenden 42-jährigen Föhrer mitten auf dem Usinger Schlossplatz ohne triftigen Grund mit Schwung die Faust auf die Unterlippe gesetzt hat, nur weil der ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass im Park Leinenpflicht herrscht und er sich gefälligst daran zu halten habe.

Laut Anklage soll der vom Opfer als recht heftig beschriebene Schlag völlig unvermittelt erfolgt sein und auch eine Weile lang für Schmerzen im Unterkiefer gesorgt haben. Der Angeklagte bestreitet den Schlag jedoch wortreich, räumte aber eine Auseinandersetzung mit dem Zeugen durchaus ein. Die sei aber rein verbal verlaufen.

Es stimme auch, dass er seinen Cane Corsa, der zugegebenermaßen ein Hund und kein Hundchen gewesen sei, ohne Leine habe laufenlassen. Das Tier ist inzwischen verstorben und war auch damals schon, der Vorfall hatte sich bereits am 16. März 2018 zugetragen, recht betagt und entsprechend friedfertig.

Maßlose Übertreibung

Dafür, dass das Opfer, das keinen Hund, sondern ein Hundchen an der Leine gehabt habe, »wie ein Idiot« geschrien und sich »wie Rumpelstilzchen« aufgeführt habe, habe es überhaupt keinen Anlass gegeben. Und er habe »schon gar nicht zeternd und ekstatisch herumhüpfend« nach dem großen Hund treten dürfen - schon aus Vorsicht nicht, habe der andere ihn doch wissen lassen, dass er Angst vor Hunden, jedenfalls größeren Modellen, habe.

Von seinem Hund sei keine Gefahr ausgegangen, weder für das andere Herrchen, noch für dessen Hundchen, und ja, er wisse um die Leinenpflicht, könne sich aber nicht an jeden Blödsinn halten, erklärte der Angeklagte.

Zudem habe der Anzeigeerstatter beim Ausmaß des Cane Corsa maßlos übertrieben, »danach war der Hund locker drei Meter groß«. Der Mann blieb dabei, er habe den anderen »nicht angerührt«, sondern des lieben Friedens willen seinen Hund angeleint und sei seines Weges gegangen.

Später erst eingefallen

Dass eine Frau (56), eine Freundin seiner Mutter, bei der er damals zu Besuch gewesen sei, die Tritte gegen den Hund des Angeklagten aus einiger Entfernung beobachtet haben will, den Hieb auf den Unterkiefer des anderen Mannes aber nicht, war dem Angeklagten bei der polizeilichen Vernehmung wohl entfallen und erst wieder eingefallen, nachdem der Strafbefehl da war. Auf Befragen durch den Richter, warum er eine ihn entlastende Zeugin für sich behalte, sagte der Angeklagte, er sei von der Polizei nicht nach eventuellen Zeugen gefragt worden und habe die Sache fast wieder vergessen, bis zum Strafbefehl.

Dass nach ihm mit polizeilichen Pressemeldungen gefahndet wurde, könne schon sein, er lese aber keine lokale Zeitung, sonst hätte er sich, reinen Gewissens, vielleicht sogar gemeldet.

Der möglicherweise Geschädigte blieb jedoch bei seiner Aussage. Definitiv sei er völlig unvermittelt geschlagen worden, »ich gehe doch nicht zur Polizei und zum Röntgen ins Krankenhaus wenn da nichts war, zumal es vom Arzt ja auch ein Attest gibt, mit dem mir eine Kieferprellung dokumentiert wird«.

Gericht bleibt nur eine Option

Darin sah natürlich das Gericht ein Indiz, für ein Urteil reichte es aber bei der Beweislage und der durchaus glaubwürdigen Aussage der Zeugin aber doch nicht, für einen Freispruch aber auch nicht. Blieb also nur die Einstellung.

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