Hausärzte im Usinger Land: "Kein Durchkommen"

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USINGEN/NEU-ANSPACH - (inf). Nach Aufhebung der Impfpriorisierung werden die Hausärzte auch im Usinger Land von Impfanfragen geradezu überrannt. Das ist zwar bereits seit zwei Monaten so, als bekannt wurde, dass die Hausärzte und Fachärzte auch gegen Corona impfen können. Doch seit Anfang der Woche hat die Zahl derjenigen, die sich nun beim Hausarzt impfen lassen wollen, massiv zugenommen.

Beispielsweise findet man auf der Homepage eines Usinger Hausarztes den Hinweis, dass das Praxistelefon wegen der zahlreichen Impfanfragen für Notfälle derzeit kaum mehr erreichbar sei. Dies sei für die betreffende Praxis momentan untragbar. Aus diesem Grund wolle man bis auf weiteres Anfragen für einen Impftermin per Telefon oder E-Mail nicht mehr entgegennehmen. Die Praxis behilft sich aus dem Grund mit einem Impfformular, das Patienten sich auf der Seite der Hausarztpraxis herunterladen und in den Briefkasten einwerfen können.

Diskussionen am Tresen

So wie in der betreffenden Usinger Praxis geht es momentan bei fast jedem Hausarzt im Usinger Land zu. Auch bei den Ärzten der Neu-Anspacher Taunusmedizin bimmelt mittlerweile ununterbrochen das Telefon. "Das scheint gerade bei fast jedem Hausarzt der Fall zu sein", sagt Maria Bach von der Taunus-Medizin, die in der Praxis für die Vergabe der Impftermine verantwortlich ist. Auch bei ihnen haben die Anrufe stark zugenommen, seitdem die Impfpriorisierung gefallen ist. "Ganz viele Leute haben Fragen dazu und wünschen sich Aufklärung" sagt die Praxisangestellte. Schon alleine aus diesem Grund hätten Notfälle oder akut Erkrankte es momentan schwerer als sonst, jemanden vom Praxisteam ans Telefon zu bekommen, weswegen auch sie bittet, das Anmeldeformular auf der Homepageseite zu nutzen. Übrigens gilt bei den Hausärzten der Taunusmedizin, aber auch bei den meisten anderen Hausärzten nach wie vor, dass die Impfpriorisierung weiter aufrechterhalten wird. "Wir achten darauf, dass besonders fragile, alte oder erkrankte Personen zuerst geimpft werden. Momentan sind wir in der Praxis bei Priorisierungsstufe drei angekommen", sagt sie. Das diese Praxis bei so manch Ungeduldigem ab und an zu Diskussionen führt, habe sie aber schon erlebt. "Es gibt viele verständige Patienten. Allerdings gibt es auch Patienten, die mehr oder minder sofort einen Termin fordern. Andere kritisieren, dass man momentan bei uns in der Praxis kaum mehr per Telefon durchkommen würde. Und dann gibt es auch noch die Patienten, die ganz ruhig abwarte und darauf vertrauen, dass wir uns schon melden werden, wenn sie an der Reihe sind." Aber dieses Problem scheint offenbar auch noch in anderen Hausarztpraxen aufzutreten, denn auch auf der Homepage des Usinger Kollegen wird gebeten, von Diskussion am Empfang abzusehen, da dies die Zeit für die Versorgung der übrigen Patienten raube.

Bei einer anderen Usinger Praxis, der Hausärztin Charlotte Barth, steht das Telefon zwar seit zwei Monaten nicht still, dennoch scheint dort die Anzahl der Anfragen seit Montag jedoch (gefühlt) gleichbleibend hoch geblieben zu sein. So berichtet es zumindest eine Praxisangestellte. Sie führt dies darauf zurück, dass auch Fachärzte impfen können und sich die Anfragen dadurch breiter verteilen.

Auch hier sind Gespräche mit Patienten, die ihre Impfung einfordern wollen, durchaus schon vorgekommen. "Was ich schade finde, ist, dass wir seit der ganzen Coronapandemie und der Impfkampagne kaum mehr Zeit haben, mit den Patienten in Ruhe zu sprechen. Es kommen so viele Patienten in wegen Corona in die Praxis, da haben wir eine ganz hohe Schlagzahl, die jeder von uns leistet. Da bleibt keine Zeit für das Gespräch nebenbei, das wir früher vielleicht mit dem einen oder andern Patienten führen konnten", so die Sprechstundenhilfe.

Probleme nach der Impfung gab es beispielsweise in der Neu-Anspacher Hausarztpraxis bislang nicht. "Was wir natürlich hatten, waren Patienten, die zwei oder drei Tage nach der Impfung über Schmerzen im Arm, Fieber und Kopfschmerzen geklagt haben. Aber das war es auch schon", sagt Bach.

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