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Heimlichtuer des Jahres 2021

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Von: red Redaktion

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Ein männliches Glühwürmchen. © Imago Sportfotodienst GmbH

Region (red). Pottwale sehen Geräusche, Jesus-Echsen laufen über das Wasser und es gibt Spinnen, die ein Lasso um ihre Beute schwingen - aber auch unsere heimische Natur steckt voller Arten mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Oft sind es unauffällige, unscheinbare Lebewesen, deren Besonderheiten man erst beim genauen Hinsehen wahrnimmt. Die BUND-Landesverbände Hessen und Baden-Württemberg küren deshalb zum ersten Mal gemeinsam den Heimlichtuer des Jahres.

2021 fiel die Wahl auf das Glühwürmchen. Selbst die besten Energiesparlampen können mit ihm nicht mithalten.

Der Name »Glühwürmchen« führt uns in die Irre. Denn tatsächlich sind Glühwürmchen keine Würmer, sondern Käfer, die leuchten. Daher werden sie auch Leuchtkäfer genannt. Die Tiere erzeugen das neongrüne Licht auf der Unterseite ihres Hinterleibs. Ein Enzym spaltet den Leuchtstoff und das unverkennbare neongrüne Licht entsteht. Die Käfer sind dabei äußerst effizient: 90 Prozent der chemischen Energie wird in Licht umgewandelt, nur 10 Prozent gehen verloren. Eine Glühbirne hingegen wandelt 95 Prozent des elektrischen Stroms in Wärme und nur fünf Prozent in Licht um. Selbst die besten Energiesparlampen können also mit den Leuchtkäfern nicht mithalten.

Die Weibchen der Glühwürmchen sind flügellos und ihre gleichförmigen Körpersegmente erinnern an die Ringe eines Regenwurms. Nur die Männchen sind eindeutig als Käfer zu erkennen und können fliegen. Im Frühsommer knipsen die Weibchen ihr Licht an, um Männchen anzulocken. Wenn es Nacht wird, erklimmen die flugunfähigen Weibchen einen Grashalm, beginnen zu leuchten und signalisieren so ihre Paarungsbereitschaft. Auf ihrer abendlichen Brautschau legen die Männchen bis zu einem Kilometer zurück. Die Glühwürmchen sind als erwachsene Tiere fast ausschließlich mit der Fortpflanzung beschäftigt. Denn wenige Tage nach der Paarung sterben sie.

Weltweit gibt es rund 2000 Arten; in Baden-Württemberg und Hessen sind drei Arten beheimatet: der Große Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca), der Kleine Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula) und der Kurzflügel-Leuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus). Als Lebensraum mögen sie besonders strukturreiche Waldränder von Laub- und Mischwäldern, Bach- und Flussufer, aber auch feuchte Wiesen.

Noch sind die Glühwürmchen in Baden-Württemberg und Hessen nicht gefährdet. Doch ihre Lebensräume sind durch den Verbrauch von Flächen für Urbanisierung, Industrialisierung und Landwirtschaft bedroht. Gerade der Pestizideinsatz in der intensiven Landwirtschaft lässt die Bestände wie bei anderen Insektenarten schwinden. Und speziell beim Glühwürmchen stören wir Menschen durch Lichtverschmutzung das Paarungsverhalten. Männchen und Weibchen finden nicht mehr zueinander, wenn die Nächte durch künstliche Beleuchtung zu hell sind.

Die beiden Landesverbände des BUND setzen sich daher für den Schutz von naturnahen Laub- und Mischwäldern und für den Erhalt von Streuobstwiesen sowie die Reduzierung von Pestiziden ein. Weil die flügellosen Weibchen keine großen Distanzen überwinden können, sind verbundene Lebensräume für Glühwürmchen überlebenswichtig. Für diese macht der BUND sich auf allen Ebenen, von der Bundes-, über die Landes- bis hin zur lokalen Ebene, intensiv stark.

Beobachtungs- und Garten-Tipp

Die Larven der Leuchtkäfer sind bei Gärtnern sehr beliebt. Denn sie verspeisen hauptsächlich kleine Schnecken. Wer im Garten Glühwürmchen beherbergen möchte, sollte naturnahe Gärten mit heimischen, dicht wachsenden Laubgebüschen anlegen - je länger und breiter die Gebüschreihe, desto besser. Geeignet sind Buche in Strauchform, Liguster, Traubenkirsche, Heimischer Schneeball oder Hasel. Es sollte sich um heimische Wildformen handeln. Gern gesehen, nicht nur bei Glühwürmchen, ist auch Totholz. Allerdings sollte man in Waldnähe wohnen, sonst wird man wenig Glück haben.

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Weitere Artenporträts heimischer Tier- und Pflanzenarten sowie nähere Informationen zum BUND Hessen gibt es online unter www.bund-hessen.de

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