"Betrugsrate verdoppelt": Naspa warnt vor falschen Bankangestellten

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HOCHTAUNUS - (inf). Seit mehreren Monaten beobachten Banken im Usinger Land ein neues Phänomen: Betrüger gehen - ganz legal - auf Kosten von Bankkunden einkaufen. Weil diese Kunden selbst den Betrügern bereitwillig Tür und Tor geöffnet haben.

Wie das? Weil die Kunden, in gutem Glauben, sie sprechen mit einem seriösen Bankmitarbeiter, demjenigen per Telefon oder Internet nicht nur ihre Kontendaten verraten, sondern sowohl Online-Pin als auch TAN gleich dazu geliefert haben. Und mit diesen Daten haben Betrüger völlig freie Hand.

"Das ist ein völlig neues aber gleichzeitig auch beunruhigendes Phänomen, was sich durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht und zum Teil sogar Bankmitarbeiter getroffen hat", erläutert Klemens Weil, der Leiter des Usinger Finanzcenters der Nassauischen Sparkasse. Genau aus diesem Grund sind die Sparkassen alarmiert, so alarmiert, dass sie sich nun dazu veranlasst sehen, zu handeln. Und das kommt nicht von ungefähr: "Die Betrugsrate hat sich verglichen mit dem gleichen Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt", sagt Ralph Schmidt, der in der Nassauischen Sparkasse für den medialen Vertrieb, das Onlinebanking und den Internetauftritt der Bank zuständig ist. Bedauerlich für den Kunden. Denn ist dieser erst mal auf die dreiste Masche der Betrüger reingefallen, ist sein Geld weg. "Da dies grob fahrlässiges Verhalten ist, steht einem Kunden in dem Fall kein Schadensersatz zu", betonen Weil und Schmidt einstimmig.

In der Vergangenheit gelang es Betrügern dabei, hohe Summen zu erbeuten. "Der höchste mir bekannte Fall betrug um die 70 000 Euro. Aber ich denke, da gibt es deutschlandweit sicherlich noch schlimmere Fälle", so Schmidt. Unangenehm ist es auch für die Sparkassenmitarbeiter, wenn sie ihren Kunden die schlechte Nachricht eines Betrugs überbringen müssen. "Da erlebt man ganz schlimme Schicksale, wenn Menschen so betrogen wurden. Und man kann nicht helfen", bedauert Weil. Zwar habe die Sparkasse die Möglichkeit einzugreifen, wenn ihnen ungewöhnliche Zahlungen auffallen. Doch da es heutzutage möglich ist, Geld binnen Sekunden von einem Konto auf ein anderes zu überweisen, ist das Geld oftmals schon vom Konto abgeräumt, bevor überhaupt irgendjemand reagieren kann.

Nichts anklicken

Bei der Anbandlung dieser Art des Betruges gehen die Täter immer ähnlich vor. Durch geschickte Gesprächsführung am Telefon oder täuschend echt aussehende Internetauftritte wird der Bankkunde im Glauben gelassen, er habe es hier mit einem echten Vertreter seiner Sparkasse zu tun. "Heutzutage können Betrüger sogar die Telefonnummern der heimischen Sparkassenmitarbeiter vorgaukeln, obwohl sie von einem ganz anderen Anschluss aus anrufen. Voice-over-IP macht es möglich", so Schmidt. Sind private Daten durch Unvorsichtigkeit erst mal im Internet gelandet, können diese von Betrügern dazu genutzt werden, eine Vertrautheit bei einem persönlichen Telefonat vorzuspielen, die überhaupt nicht gegeben ist. "Dann können Betrüger am Telefon auf einmal private Informationen fallen lassen, sodass der Kunde denkt, er hätte es tatsächlich mit einem Bankangestellten zu tun und wird unvorsichtig."

Dabei liegt der Fehler nicht etwa beim Onlinebanking, sondern vielmehr beim unbedarften Umgang mit persönlichen Daten. "Das Onlinebanking an sich ist völlig sicher, wenn man sich an die einfache Regel hält, keinerlei persönliche Daten Dritten zu geben oder irgendwelche Links in E-Mails oder SMS anzuklicken. Macht der Kunde es doch, gibt er selbst den Betrügern durch Unvorsichtigkeit die Möglichkeit zum Betrug", betont Schmidt.

Grund für das vermehrte Auftreten dieser Masche vermuten die Bankangestellten in der höheren Erreichbarkeit der Kunden per Telefon oder Nutzung des Internets in Zeiten der Pandemie. "Viele Einkäufe werden momentan per Telefon oder Internet gemacht und das nicht immer auf seriösen Homepages. Und da die Menschen oft im Homeoffice sitzen, sind auch auf einmal viele Leute per Telefon erreichbar, die sonst bei der Arbeit wären", erklärt der Online-Fachmann. Im Internet ist die Unterscheidung zwischen einer seriösen Homepage und einer gefälschten oft kniffelig.

Will man vorbeugen, hilft nur eines: Genau hinsehen und klug handeln. "Zunächst wird kein Sparkassenmitarbeiter jemals nach Pin oder TAN fragen", sagt Schmidt. Sollte das der Gesprächspartner dennoch tun, dann hat man mehrere Optionen: "Die Einfachste ist, einfach direkt aufzulegen. Hier geht es nicht um eine schlechte Kinderstube, sondern darum, einen eiskalten Betrugsversuch zu verhindern. Da muss man nicht höflich bleiben", so Schmidt. Alternativ dazu kann man auch anmerken, dass man sich bei seiner Bank rückversichern will und ankündigt, selbst bei der Sparkasse anzurufen, was man dann auch tun sollte.

Kauft man im Internet ein, so sollte man auch da ganz genau hinsehen und auf keinen Fall Links aus E-Mails anklicken. Hier allerdings stecken die Tücken oftmals im Detail. "Es hilft oft ein Blick auf die Endung in der Adresszeile. Wenn da nicht der Name der Unternehmenshomepage eingetragen ist, sondern irgendeine Fantasieendung, dann ist zumeist Vorsicht geboten", so Schmidt. Und auch dann, wenn Pin und TAN direkt auf dieser Seite abgefragt werden.

Um die Menschen im Usinger Land mehr über die Gefahren, die im Internet und am Telefon lauern aufzuklären, bietet die Sparkasse am 16. Juni um 18.30 einen kostenlosen Online-Vortrag zum Thema Sicherheit im Internet an. Man kann sich auf der Seite https://www.naspa.de/de/home/privatkunden/online-banking/sicherheit-im-internet.html dazu anmelden. Auf dieser Seite findet man auch weitere Tipps zum richtigen Verhalten im Internet.

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