GEW Hochtaunus sieht Lehrkräfte überlastet

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HOCHTAUNUS - (kh). "Sie müssen für 25 Prozent der Schüler Präsenzunterricht leisten und für 75 Prozent Homeschooling. Das ist eine Doppelbelastung." Mit diesen Worten hat Jan Drumla, Leiter der Wiesbachschule in Grävenwiesbach, vor Kurzem im Interview mit dem UA den Arbeitsalltag von Lehrkräften in der Corona-Pandemie beschrieben. Wie lange kann das noch funktionieren?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt eindringlich: "Bisher schaffen es die Lehrkräfte, allen voran die extrem belasteten der Grundschulen, nur mühsam, den Spagat zwischen Distanzunterricht und Notbetreuung zu meistern", so Rolf Helms-Derfert von der GEW Hochtaunus. Mit Aufnahme des Unterrichts für die Klassen 1 bis 6 im Wechselmodell werde sich diese Situation aber nicht entspannen, sondern eher verschärfen. "Ziel ist es laut Ministerschreiben vom 8. Februar 2021, möglichst viele Schüler/innen im Präsenzunterricht beschulen zu können. Gleichwohl müssen aber durch Teilung von Klassen und Aussparung einzelner Fächer die Lerngruppen möglichst klein gehalten werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Mit dem Wechselmodell werden gleichzeitig für einen Teil der Schüler Präsenzunterricht, für einen weiteren Teil Distanzunterricht und für einen dritten Teil eine Notbetreuung stattfinden. Dies frisst zeitliche Ressourcen und erhöht die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte erneut", warnt die GEW.

Schon jetzt seien an vielen Schulen im Schulamtsbezirk Hochtaunuskreis die Lehrkräfte deutlich überlastet. Gerade an den Grundschulen erhöhe sich der Druck von Woche zu Woche. Die Arbeitszeit werde oft erheblich überschritten; das führe zu erhöhter Belastung und zunehmend zur Erschöpfung der Kolleginnen. Ähnliche Auswirkungen, wenn auch aus anderen Gründen und nicht in dieser Häufigkeit zeige sich für die Lehrkräfte der weiterführenden Schulen. Und: Trotz der Möglichkeit der Testung für Lehrkräfte sei die Angst vor Ansteckung bei vielen Lehrkräften groß. Gerade im Grundschul- und Förderschulbereich sei der Abstand nicht zu gewährleisten.

Zu den vielen Problemen gehört nach Ansicht der GEW auch die mangelnde technische Ausstattung: zu wenig Computer und zu schlechte Internetverbindungen sowohl in den Schulen als auch in den Häusern der Eltern. Besondere Aufmerksamkeit gelte den Schülern, die aufgrund ihrer häuslichen Situation - kein Computer, wenig Unterstützung durch die Eltern - deutlich benachteiligt seien.

Die GEW räumt ein, dass das Land Geld für zusätzliche Lehrkräfte zur Verfügung gestellt habe. "Wie aber angesichts fehlender Fachkräfte, verursacht durch eine langfristig fehlgesteuerte und unterfinanzierte Personalpolitik im Bildungswesen, zusätzliche qualifizierte Mitarbeiter/innen gewonnen werden sollen, ist völlig unklar", so GEW-Sprecher Rolf Helms-Derfert. Faktisch sei die von der Politik veranlasste Aussetzung der Präsenzpflicht für die Klassen 1 bis 6 vor allem in den Grundschulen kaum überzeugend umgesetzt worden, weil offensichtlich viele Eltern auf die Betreuung ihrer Kinder durch die Schule angewiesen seien. Die Unterstützung der Schulen vonseiten des Staatlichen Schulamtes, vor allem aber aus dem Hessischen Kultusministerium lasse sehr zu wünschen übrig.

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