Hochtaunus-CDU: "Ein absolutes Fiasko"

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HOCHTAUNUS - (inf). Man merkt ihm an, dass er um Fassung ringt: "Das ist ein absolutes Fiasko für die Union", sagt der Fraktionsvorsitzende der Hochtaunus-CDU, Gregor Sommer, als die ersten Hochrechnungen über die große Leinwand in der Rotunde des Landratsamts flimmern. Zu sehen sind zu dem Zeitpunkt etwa 21 Prozent der Wählerstimmen für die Union, die SPD liegt leicht vorne.

Auch bei den Direktmandaten zeigt sich noch ein ähnliches Bild. Auch hier liegt die SPD-Kandidatin Alicia Bokler noch weit vorn - denn Weilrod, wo die SPD ein bemerkenswert gutes Ergebnis erzielt hat, wurde als eine der ersten Kommunen des Hochtaunuskreises ausgezählt. "Das ist doch keine Volkspartei mehr, wenn man um die 20 Prozent erzielt", sagt er mit Blick auf den Bildschirm. "Nicht mal bei 21, 25 oder 27 Prozent. Es gab Zeiten, da haben die Parteien beispielsweise unter Franz Josef Strauß 40 Prozent der Wählerstimmen bekommen. Das war dann eine Volkspartei und diesen Anspruch sollte man als eine solche auch haben", so Sommer weiter. Fakt ist: Im Laufe des Abends werden er und seine Parteigenossen sich, angesichts der Wahlergebnisse, noch auf eine ganze Menge mehr Frust einstellen müssen. Immerhin: Markus Koob überholt Bokler schließlich doch und ergattert erneut das Direktmandat im Hochtaunuskreis, wenngleich jedoch nur mit einem für den Hochtaunuskreis äußerst unüblichen, knappen Vorsprung von vier Prozent.

Dass es nicht einfach werden würde, hatte sich bereits im Wahlkampf gezeigt. An den Ständen hätten viele Wähler offen zugegeben, in diesem Jahr nicht wirklich zu wissen, wen man wählen wolle. Auch in der CDU-Hochburg Hochtaunus. Den Grund für das schlechte Abschneiden der CDU sieht Sommer vor allem an der Parteispitze. "Die Mitglieder an der Basis haben gekämpft. Aber wie sollen sie Kämpfen, wenn die Parteispitze nicht zu 100 Prozent hinter der Personalie des Kanzlerkandidaten steht und ihn beim Wahlkampf unterstützt? Diese Unterstützung ist in einem Großteil des Wahlkampfes versäumt worden und das haben die Wähler mit diesem Wahlergebnis quittiert", sagt Sommer weiter. Als weiteren Schwachpunkt in diesem Bundestagswahlkampf nennt Sommer die reichlich späte Benennung des Wunschkandidaten der Christsozialen. "Außerdem verstehe ich nicht, warum sich die Spitze nicht vorher intern verständig hat, wer als Kanzlerkandidat nominiert werden soll. Die Grabenkämpfe um die Kandidatur haben eine ganze Menge unnötiger Unruhe und Verunsicherung bei den Wählern verursacht."

Auch Landrat Ulrich Krebs (CDU), sieht den Wahlkampf seiner eigenen Partei kritisch: "Die Wähler haben keine einige Partei erlebt. Zudem hatte die CDU keine klar erkennbare Strategie und hat sich stattdessen an Annalena Baerbock abgearbeitet, anstatt sich stattdessen mit Olaf Scholz zu beschäftigen." Krebs kritisiert, dass Sachthemen in diesem Wahlkampf nicht richtig erkennbar gewesen seien und die Union seiner Meinung nach mit einem schärferen Profil und einem klareren Team besser bedient gewesen wäre. Zudem sieht Krebs auch ein Mitverschulden von Angela Merkel. "Man hätte den Übergang von einem zum anderen viel besser organisieren sollen. Natürlich lag die Coronakrise dazwischen. Aber diese Unorganisiertheit rächt sich nun", so der Landrat weiter.

Bei der SPD zeigte man sich zufrieden über den Wahlausgang. "Wer hätte das noch vor Wochen geglaubt, dass die SPD so ein Ergebnis erzielen würde, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Stephan Wetzel, als er noch am Wahlabend zusammen mit Alicia Bokler und Sozialdezernentin Katrin Hechler die Zahlen der Hochrechnungen verfolgte. Hechler hofft nun, dass die Politik endlich zu dem zurückkehren kann, wofür die SPD steht, nämlich dem Wörtchen "sozial". Das gute Ergebnis für die SPD schreibt Wetzel vor allem der Ruhe und Ausgeglichenheit des sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten zu. "Ich glaube, gerade als sich der Wahlkampf zugespitzt hat, hat genau diese Ruhe und Sachlichkeit schließlich den Ausschlag gegeben." Die Vorwürfe, die in den letzten zwei Wochen gegenüber Olaf Scholz erhoben worden sind, nennt Wetzel "konstruiert", um der SPD auf den letzten Metern noch zu schaden.

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