Jungbäume im Hochtaunus: Wild auf Abstand halten

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HOCHTAUNUS - (inf). Ein Blick nach draußen genügt, um festzustellen: Der Herbst ist bereits in vollem Gange. Nachts ist es ganz schön frisch und den ersten Herbststurm haben wir auch bereits hinter uns. Dieser hat die Bäume der hiesigen Wälder ganz schön durchgerüttelt.

Dennoch war es in diesem Jahr optimal feucht und kühl, sodass die Pflanzen reichlich Gelegenheit hatten, anzuwachsen. Dies gilt vor allem für den nachwachsenden und sich selbst verjüngenden Naturwald. "Ein Indikator dafür sind die Brennnesseln, die in diesem Jahr bis zu zwei Meter erreichen konnten. Wir mussten sogar die Freiflächen regelmäßig freischneiden, also quasi "mähen", damit die Jungbäume nicht von den Brombeerhecken überwuchert werden." Etwa 90 Prozent der Jungbäume, so schätzt Groß, haben aus diesem Grund den Sommer im Usinger Forst gut überlebt. Ebenso ist es auch im Wehrheimer Wald. Hier schätzt Förster Björn Neugebauer, dass etwa dreiviertel aller Jungbäume das Jahr gut überstanden haben.

Für die zahlreichen, neu angepflanzten kleinen Bäume besteht übrigens keine Gefahr, dass diese durch die kommenden Herbststürme abgeknickt werden, sondern sie haben andere Feinde - nämlich das Wild, das gerne an den jungen Trieben herumknabbert oder das Geweih fegt. "Aus diesem Grund müssen wir Förster nach jedem Sturm die Gatter und Zäune kontrollieren, damit kein Baum da möglicherweise drauf gefallen ist und das Wild somit Gelegenheit hat, sich an den Bäumen gütlich zu tun", erklärt Neugebauer. Ob Bäume eingezäunt werden müssen oder nicht, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Beispielsweise ob in dem Revier die Wildkonzentration hoch ist und welche Bäume dort gerade nachwachsen. "Wir bringen neben dem altbekannten Baumschutz aus Plastik vermehrt auch umweltfreundliche Alternativen aus", erklärt Neugebauer. Eine Möglichkeit beispielsweise, um Wild abzuschrecken, besteht darin, die Bäume mit Schaffett oder Tierblut einzusprühen und so zu vergrämen. "Das hält zwar nur eine gewisse Zeit lang, aber da sich Rehe und Hirsche ja vegetarisch ernähren, rühren sie diese Bäume nicht an." Eine neue Alternative, die mittlerweile auch in Wehrheim eingesetzt wird und keine Umweltbelastung darstellt, ist ein Einzelschutz aus Holz. "Wir probieren die gerade bei uns im Revier aus", erklärt Neugebauer. Denn ein solcher Schutz kann auch am Baum verbleiben - und dort langsam verrotten. Ziel der Förster ist es, vor allem die zarten Terminalknospen der Bäume vor dem Wild zu schützen. "Wenn eine Seitenknospe abgefressen wird, ist das nicht so schlimm. Bei einer Terminalknospe wirft das einen solchen Baum mal mindestens um ein Jahr im Wachstum zurück." Nach etwa vier Jahren sind die Bäume aus dem Gröbsten heraus, schätzt sein Kollege Groß. Drei müssen sie also noch durchhalten.

Ziel von Hessen Forst im Usinger Land ist es übrigens, so wenig Plastik wie möglich in die hiesigen Wälder auszubringen. "Ganz ohne Plastik werden wir es vermutlich nicht schaffen", sagt der Chef des Forstamts Weilrod, Jörg Deutschländer-Wolff. Dennoch versuche man weitestgehend, auf natürliche Materialien bei der Waldbewirtschaftung zurückzugreifen, damit man nicht in einigen Jahren die verwendeten Plastiknetze wieder einsammeln müsse. Und dann sind die Jungbäume ja vermutlich bereits so weit erwachsen, dass sie auch noch so hungriges Wild gut überleben können.

Für die Förster in der Gegend gilt jedoch trotzdem der alte Satz: Nach dem Sturm ist vor dem Sturm. Denn auch wenn der erste Herbststurm überstanden ist, sind durch die Klimakrise mehr und mehr Bäume geschädigt und können sich bei starkem Wind freischaukeln, da ein Teil ihres Wurzelsystems durch die Trockenheit abgestorben ist - trotz Traumjahr für die Bäume. Denn an Eichen und Buchen findet man mit einem Jahr Verspätung vermehrt Totholz, das bei einem Herbststurm abbrechen kann. Genau aus diesem Grund raten Förster im Usinger Land zur Wachsamkeit, wenn man in den Wäldern im Usinger Land unterwegs ist. "Momentan würde ich beim Waldspaziergang auch ab und zu mal den Blick nach oben richten, ob da nicht irgendein Ast im Baum hängt, der mir auf den Kopf fallen kann. Und ich sollte mich auch nicht auf eine Bank setzen, über die sich ein schräger Baum neigt", sagt Usingens Revierförster Karl-Matthias Groß.

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