Kosten der Elektrifizierung der Taunusbahn verdoppeln sich

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HOCHTAUNUS - (hs). Die Elektrifizierung der Taunusbahn wird offenbar viel teurer, als es bisher geplant war. Dies wurde auf der jüngsten Sitzung der Verbandsversammlung des Zweckverbands Verkehrsverband Hochtaunus deutlich. Demnach kostet das Projekt statt der einst geschätzten 60 Millionen Euro nun 120 Millionen Euro. Der Eigenanteil des Hochtaunuskreises beläuft sich auf 29 Millionen Euro.

Zahlen, die die "Bürgerinitiative pro Taunusbahn" auf den Plan rufen, die sich vehement gegen die geplante Elektrifizierung engagieren.

"Wer stoppt diesen Wahnsinn?", fragen die Mitglieder. Das Projekt "Elektrifizierung der Taunusbahn" erinnere an "Stuttgart 21". Dabei sind es nicht nur die steigenden Kosten, die die Mitglieder der Bürgerinitiative kritisieren, sondern auch die Stahlbetonwände entlang der Strecke. "Die Grünstreifen sollen den bis zu 3,50 Meter hohe Stahlbetonwänden und Masten entlang der betroffenen Wohngebiete (wie der Saalburgsiedlung) weichen", ärgert sich Sprecher Jürgen Steckel. Er spricht von "massiven Kollateralschäden für Anwohner, Pendler, Fauna, Flora und Landschaftsbild". Und dies "trotz schlimmster Klimakrise, wo wir alle dachten, jeder Baum zählt jetzt", so Steckel weiter.

In den Augen der Bürgerinitiative rücke das Usinger Land durch die Elektrifizierung der Taunusbahn auch nicht näher an Frankfurt. Es gebe keine Fahrzeitverkürzung und keine Erhöhung des Taktes. "Die geplante S-Bahn-Verlängerung schafft im Gegenteil einen neuen Umsteigepunkt in Usingen", kritisiert Steckel. In Fahrplanstudien des RMV/VHT sei von Umsteigezeiten von bis zu 20 Minuten die Rede.

Die Bürgerinitiative sieht deutlich mehr "Verlierer" der Elektrifizierung. "Diese wohnen entlang der geplanten Oberleitungsstrecken zwischen Friedrichsdorf und Usingen und natürlich hinter Usingen, in Grävenwiesbach und Waldsolms." Das Land hinter Usingen bleibe bei der Planung einer S-Bahn-Verlängerung bis Usingen abgehängt. Der Hintertaunus bezahle mit längeren Umsteigezeiten und längeren Fahrzeiten.

Arbeiten verzögern sich

Geplant ist, die Bahnstrecke zwischen Friedrichsdorf und Usingen auf einer Strecke von 18 Kilometern zu elektrifizieren, damit die S5 bis Usingen fahren kann. Ursprünglich sollte dies bis Ende 2022 abgeschlossen sein, doch werden sich die Arbeiten - wie jüngst bekannt geworden ist - verzögern.

Unter anderem ist ein zweigleisiger Ausbau zwischen den Bahnhöfen Saalburg/Lochmühle und Wehrheim über eine Länge von rund 2,0 Kilometern einschließlich eines zweigleisigen Ersatzneubaus der Eisenbahnüberführung über den Bizzenbach und der Neubau von Schallschutzwänden vorgesehen, Auch soll der Usinger Bahnhof umgestaltet werden - ein weiterer Mittelbahnsteig sowie eine barrierefreie Fußgängerüberführung mit Zugang zu beiden Bahnsteigen und einer Verbindung ins südwestlich gelegene Gewerbegebiet sind geplant. Auch am Haltepunkt in Hundstadt soll es mit dem Bau eines Begegnungsgleises und einen neuen Seitenbahnsteig Veränderungen geben.

Im Gegensatz zur Bürgerinitiative lobt Landrat Ulrich Krebs (CDU) das Projekt. "Nach der Übernahme und der grundlegenden Modernisierung der Taunusbahn durch den VHT vor über 30 Jahren ist die Elektrifizierung und die Verlängerung der S-Bahn bis Usingen erneut ein Quantensprung für die verkehrliche Entwicklung des Usinger Landes", sagte er jüngst. Die direkte Anbindung des Usinger Landes an die Frankfurter Innenstadt stärke die wirtschaftliche Attraktivität der Städte und Gemeinden auch jenseits des Taunuskamms. Durch die durchgehende Verbindung der S-Bahn gehörten zukünftig auch verpasste Anschlüsse der Vergangenheit an.

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