Kreistag bekennt sich zur Elektrifizierung der Taunusbahn

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HOCHTAUNUS - (hs). Um die geplante Elektrifizierung der Taunusbahn hatte es jüngst einige Diskussionen gegeben - unter anderem, weil das Projekt rund 100 Millionen Euro teurer wird als ursprünglich gedacht. Nun brachte die Kreis-Koalition aus CDU und SPD auf der Kreistagssitzung am Montag einen Antrag ein, der unter anderem den Beschluss zur Elektrifizierung bekräftigen und den Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) auffordern sollte, alle finanziellen Fördermöglichkeiten von Bund und Land auszuschöpfen.

"Das ist das wichtigste Infrastrukturprojekt dieser Zeit", sagte Norbert Fischer (CDU). Der Kreistag solle zeigen, dass er trotz der Kostenerhöhung "voll umfänglich" hinter der Elektrifizierung stehe. "Dies ist ein Quantensprung für unsere Region", betonte der CDU-Politiker.

Auch die Usingerin Birgit Hahn (SPD) warb für das Projekt. "Wir müssen heute eine wichtige Botschaft an die Skeptiker senden", sagte sie. Die Elektrifizierung vollende einen Plan, an dem bereits seit 30 Jahren gearbeitet würde. "Früher sprach man vom Hintertaunus, nun vom Usinger Land." Durch die S-Bahn-Anschlüsse werde die Region attraktiver für Familien und Unternehmen. Auch die hohen Kosten für "sieben Minuten Zeitersparnis" seien gerechtfertigt. Wer die Bahn nehme, der wolle nicht umsteigen. Die Elektrifizierung sei, so Hahn, ein "Meilenstein" in der Entwicklung des Usinger Landes und ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und der Verkehrswende.

Roland Seel (CDU), Bürgermeister Grävenwiesbachs, warb ebenso wie die FWG dafür, im Rahmen der Arbeiten die letzten noch unbeschrankten Bahnübergänge auf der Strecke Richtung Grävenwiesbach (auf diesem Abschnitt soll die Strecke in einem zweiten Schritt elektrifiziert werden) zu beschranken. Auch wenn dies insgesamt einen weiteren siebenstelligen Betrag kosten könnte. Im Sinne der Sicherheit sei der Aufwand aber gerechtfertigt, sagte er, und erinnerte an den Traktorunfall, der sich jüngst bei Grävenwiesbach an der Strecke ereignet hatte.

"Solche Änderungsanträge erklären, warum das Projekt immer teurer wird", sagte Stefan Naas (FDP). Seine Partei stehe allerdings dennoch voll hinter der Elektrifizierung.

Als "reines Wahlkampf-Geplänkel" hatten die Grünen den Koalitionsantrag bereits im Vorfeld der Sitzung bezeichnet. Die Grünen hatten angekündigt, sich in Zeiten der Pandemie und des Lockdowns nicht an den Diskussionen zu beteiligen und dafür geworben, die Sitzung - wenn sie denn schon stattfinden müsse - möglichst kurz zu halten (der Usinger Anzeiger berichtete). Schriftlich argumentierten Christina Herr, Norman Dießner und Laura Burkart, dass "etwas zu bekräftigen, was längst Beschlusslage ist, inhaltlich kaum von Belang und nur vor dem Hintergrund der Kommunalwahl" zu erklären sei. "Den bestehenden Beschluss umzusetzen sollte ebenso selbstverständlich sein wie das Nutzen von Fördermitteln." Die Pendler aus dem Usinger Land kämen durch den "Bekräftigungsantrag" keinen Tag schneller zu einem elektrifizierten Anschluss.

Gegen die Stimmen der AFD und der fraktionslosen Kim Nowak, Peter Münch und Michael Beyerbach stimmte der Kreistag schließlich dennoch geschlossen für den Koalitionsantrag.

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