Mehr Liebe für die Streuobstwiesen im Hochtaunuskreis

  • schließen

HOCHTAUNUS - (inf). Wenn man an den Hochtaunuskreis denkt, dann vor allem an bewaldete Berghänge, tiefe Täler, oder an verträumte Orte, die sich wie Perlen entlang der Straßen aufreihen. Aber noch etwas anderes charakterisiert die Landschaft zwischen Oberursel und Grävenwiesbach. Nämlich die weitläufigen Streuobstwiesen, deren Existenz beispielsweise das Apfelblütenfest im liebevoll als "Apfeldorf" bezeichnete Wehrheim zu verdanken hat - neben seinem guten Apfelwein.

Hilfe gewünscht

Obwohl die Streuobstwiese als ein wahres Paradies für über 5000 Tier- und Pflanzenarten gilt und somit zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa zählt, ist es leider auch kein Geheimnis, dass es um diese Landschaftsform per se nicht besonders gut bestellt ist. Auch nicht im Usinger Land. Denn viele dieser stockwerkartig aufgebauten Biotope sind mittlerweile entweder mit Wohnhäusern bebaut oder aber durch deutlich artenärmere Obstplantagen ersetzt worden. "Dabei gehört die Streuobstwiese seit Jahrhunderten zu unserem lokalen und heimischen Kulturgut dazu", betont Lars Knobloch von den Liberalen in der jüngsten Kreistagsitzung. Um dem Verschwinden dieser besonders ökologischen Lebensräume entgegenzuwirken, hat der Kreistag an diesem Montag erste Maßnahmen beschlossen, lokale Streuobstwiesen im Usinger Land künftig zu schützen und zu hegen. Dazu sollen zunächst Informationen über den Baumbestand, das Baumalter, die Eigentumsverhältnisse und vorhandenen Obstsorten als Information zusammengetragen werden und schließlich dem Bau-, Planungs- und Umweltausschuss vorgestellt werden. Der Kreis setzt hier auf die Mithilfe der entsprechenden Kommunen, die in vielen Fällen Eigentümer der entsprechenden Wiesen sind. "Einige Kommunen, wie wir im Apfeldorf Wehrheim haben nämlich bereits ein entsprechendes Baumkataster", erklärt Gregor Sommer, der Vorsitzende der CDU-Fraktion. Die Gemeinden sollen zudem angeregt werden, im Falle eines Falles den Streuobstberater des Regionalverbandes mit in die lokale Thematik einzubinden. "Wenn dann noch Bürger Patenschaften für einzelne Bäume übernehmen und aufgrund nachgewiesener Obstbaum-Schnittkurse die Streuobstwiese relativ kostenneutral pflegen, dann ist die optimale Förderung zum Erhalt der Streuobstwiesen erreicht", sagte Sommer.

Die Idee, die Streuobstwiesen in der Region besonders in den Fokus zu nehmen, geht auf einen Antrag der Kreistagsliberalen zurück, die darin anregten, dass der Kreisausschuss zunächst ein Konzept zum Schutz und Erhalt der Streuobstwiesen entwickeln solle, das dem entsprechenden Ausschuss zu präsentieren wäre.

Die CDU-SPD und FW geführte Regierungskoalition hielt die Erstellung eines gesonderten Schutzkonzepts für den Hochtaunuskreis nicht in diesem Maße für notwendig. Dies betonte Sommer in dem von der Koalition gestellten Änderungsantrag. Denn Streuobstwiesen unterlägen ohnehin dem gesetzlichen Biotopschutz, der eine Beseitigung von Bäumen oder eine Umwandlung von Obstwiesen verhindern soll. Allerdings gebe es keine gesetzliche Verpflichtung zur Pflege von Streuobstwiesen, so der CDU-Fraktionsvorsitzende. Deswegen gelte es zunächst, Informationen zu diesem Thema zusammenzutragen und dem entsprechenden Ausschuss zur Verfügung zu stellen und vor allem die jeweiligen Kommunen mit ins Boot zu holen und für die Pflege ihrer eigenen Wiesen zu begeistern.

"Dieser von der Koalition vorgeschlagene Weg ist ein Weg, den wir mitgehen würden. Allerdings ist es nur der erste Schritt, dem weitere folgen müssen", sagte Knobloch. Denn wenn man, wie der Hochtaunuskreis es vorhat, eine Spitzenposition im Bereich Klima, Umwelt und Artenschutz einzunehmen, so müsse man nun endlich Taten folgen lassen. Der Änderungsantrag der Koalition wurde einstimmig angenommen.

Das könnte Sie auch interessieren