Neue Kirchenvorstände im Dekanat Hochtaunus gewählt

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HOCHTAUNUS - (kh). In den über 1 000 Gemeinden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sind am vergangenen Sonntag die Kirchenvorstände neu gewählt worden. So auch in den 31 Kirchengemeinden des Dekanats Hochtaunus, das außer Königstein, Kronberg und Glashütten den gesamten Hochtaunuskreis umfasst. Hier waren ungefähr 52 000 wahlberechtigte Christen und Christinnen ab dem 14.

Lebensjahr zur Wahl von rund 460 Kandidaten und Kandidatinnen aufgerufen. Nach den bisherigen Endergebnissen haben sich im Dekanat Hochtaunus 22,7 Prozent der Wahlberechtigten an der Wahl beteiligt. Bei der letzten Kirchenvorstandswahl 2015 gingen 16,2 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen.

Spitzenreiter bei der Wahlbeteiligung ist die Kirchengemeinde Weilnau mit 45,7 Prozent. Es folgen Kirchengemeinde Rod am Berg (41,6 Prozent) und die Kirchengemeinde Grävenwiesbach (35,5 Prozent). 2015 war die Wahlbeteiligung in der zweitkleinsten Kirchengemeinde im Dekanat am höchsten: In Emmershausen beteiligten sich damals 44,6 Prozent der Protestanten. In den künftigen Kirchenvorständen, die am 1. September in ihren Gemeinden ihr neues Amt antreten, werden auch im Hochtaunus mehr Frauen als Männer vertreten sein. 57,3 Prozent der neuen Kirchenvorsteher/innen sind weiblich; 2015 waren es noch 59,2 Prozent. In Zukunft wird es ein ausgewogenes Verhältnis von "neuen Gesichtern" und Kontinuität in den Vorständen geben. Zufrieden äußerte sich die Kirche über den wachsenden Anteil junger Kirchenvorstandsmitglieder. "Das Modell der Jugenddelegierten hat sich in den letzten Jahren bewährt", bilanziert Jens-Markus Meier, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Dekanat Hochtaunus, im Gespräch mit dem UA. Den höchsten Anteil junger Aktiver habe die Gedächtniskirchengemeinde Bad Homburg.

Dekan Michael Tönges-Braungart, der vor der Wahl um den Sachverstand und die Einsatzfreude der Ehrenamtlichen geworben hatte, damit Kirche lebendig und offen für die Menschen bleibe, zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis. Er freute sich, "dass in unseren Kirchengemeinden die Wahl gut verlaufen ist und überall eine gute Basis für die künftige Kirchenvorstandsarbeit geschaffen wurde." Ob die gestiegene Wahlbeteiligung sich auch in der künftige Mitgliederentwicklung spiegeln wird, kann erst bei Vorlage der aktuellen Statistik gesagt werden. In den vergangenen Jahrzehnten hatten auch im Dekanat Hochtaunus viele Protestanten ihrer Kirche den Rücken gekehrt. Gehörten im Jahr 1980 hierzulande noch 85 298 Menschen der evangelischen Kirche an, so sank der Anteil kontinuierlich um jährlich etwa 1,5 Prozent, betrug im Jahr 2000 noch 69 989 und 2019 noch 51 630. Auffällig: Die Anzahl der Kindertaufen nahm nicht korrespondierend mit den Austritten ab, stieg zwischenzeitlich sogar an, von 613 im Jahr 1980 auf 746 im Jahr 1998. 2016 gab es 456 Taufen.

Kirche vs. Egozentrik

Warum Menschen aus der Kirche austreten, wird alle fünf Jahre von einem sozialstatistischen Institut abgefragt: Als Gründe werden Relevanzverlust von Glauben und Kirche genannt, Traditionsabbruch insbesondere bei Jugendlichen, erklärt Jens Meier. Kirche als Solidarsystem, das sich für Schwache und Benachteiligte einsetze, pralle auf eine zunehmende Egozentrik, die sich etwa auch in den Querdenker-Demos manifestiert habe. Auf der anderen Seite, so Meier, biete die Kirche in der Corona-Krise auch Hoffnung und Zuflucht: "Manch einer merkt, dass der Mensch eben doch nicht alles im Griff hat."

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