Warum die Elektrifizierung der Taunusbahn so viel teurer wird

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HOCHTAUNUS - (hs). Die Elektrifizierung der Taunusbahn verzögert sich - und wird deutlich teurer, als gedacht (der Usinger Anzeiger berichtete). Waren ursprünglich insgesamt rund 24 Millionen Euro geplant, rechnet der Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) nun mit Gesamtkosten von rund 119 Millionen Euro. Wie konnte es zu dieser "Explosion" kommen?

Die Pressestelle des Hochtaunuskreises antwortete auf Nachfrage, dass dafür mehrere Gründe ausschlaggebend gewesen seien. Mit dem fortlaufenden Planungsprozess hätten sich die "ingenieurtechnischen Anforderungen und damit auch die Kosten des Vorhabens konkretisiert". Inzwischen sei die Genehmigungsplanung abgeschlossen - der jetzt erreichte Planungsstand sei also sehr viel fundierter als früher. In die aktuelle Planung seien auch die Gutachten zur Bodenbeschaffenheit sowie die schall- und erschütterungstechnischen Untersuchungen eingeflossen. Auch die von den Fachbehörden in den Vorabstimmungen aufgezeigten Vorgaben und Auflagen, insbesondere im Bereich Umwelt und Gewässerschutz, wirkten sich auf die Kosten aus.

"Eine ganz wesentliche Ursache für den Kostenanstieg liegt in der Entwicklung der Preise im Bahnbaugewerbe", so der Kreis weiter. Im Bereich des Schienenwegeausbaus habe der Bund in den vergangenen zwei Jahren auf dem eigenen Schienennetz eine Vielzahl von Investitionsprojekten angestoßen. Die Bahnbaubranche sei mit der Umsetzung dieser Vorhaben mehr als ausgelastet - und bittet nun die Auftraggeber offenbar entsprechend zur Kasse. "Diese Entwicklung, die für den VHT nicht vorhersehbar war, führt insgesamt zu enorm gestiegenen Angebotspreisen bei Ausschreibungen von Bau- und Baunebenleistungen", erläutert die Kreispressestelle.

Weiterhin trieben einige 2019 zusätzlich in das Gesamtprojekt integrierten Bausteine (wie etwa der Ausbau des Haltepunktes Hundstadt zum Kreuzungsbahnhof) die Kosten in die Höhe. "Nicht zuletzt ist die Komplexität der Bauverfahren stellenweise erheblich höher als zunächst angenommen", räumt der Kreis ein. Auch das Ziel, die Eingriffe in die Umwelt möglichst gering zu halten, koste Geld. Denn so seien "stellenweise sehr komplexe Bauverfahren" notwendig geworden. So habe etwa am Bahnhof Usingen eine rückverankerte Stützwand errichtet werden müssen, um den Bahnsteigneubau und die damit einhergehende Neuordnung des Gleisfeldes realisieren zu können.

Das Fazit des Kreises: "Eine Kostensteigerung bei Infrastrukturvorhaben ist nichts ungewöhnliches, sondern ergibt sich regelmäßig durch unterschiedliche, nicht vorhersehbare Faktoren." Immerhin: Bei den nun kalkulierten Kosten von 119,7 Millionen Euro soll es bleiben, da darin alle "derzeit bekannten Risiken berücksichtigt" seien. Der VHT gehe daher davon aus, dass die Gesamtkosten diesen Betrag nicht überschreiten werden.

Nach der finanziellen Förderung des Landes muss der VHT von den rund 120 Millionen Euro 29 Millionen selbst aufbringen - bei der ursprünglichen Planung waren es zehn Millionen gewesen. Der VHT wolle die 29 Millionen über Kredite finanzieren, dem Hochtaunuskreis und seinen 13 Städten und Gemeinden entstünden keine Kosten.

Ziel des Projektes ist es, dass die S5 in einem ersten Schritt bis Usingen, später bis Brandoberndorf fahren soll. Befürworter wie Landrat Ulrich Krebs (CDU) heben die wirtschaftliche Bedeutung der Elektrifizierung der Taunusbahn für das Usinger Land hervor, Kritiker monieren unter anderem die Kosten-Nutzen-Relation und zweifeln die Pünktlichkeit der S-Bahn an.

Wann die erste S5 von Frankfurt nach Usingen fahren wird, steht noch in den Sternen. Vermutlich nicht vor Ende 2023.

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