Wie ist die Jugend durch die Pandemie gekommen?

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HOCHTAUNUS - (inf). Etwa eineinhalb Jahre lebt die Welt mittlerweile mit dem Coronavirus. Und damit einhergehend unter Pandemiebedingungen. Dass dies vor allem für Kinder ein riesiges Problem bedeutet, wird immer klarer. Wie hoch der Anteil der Kinder und Jugendlichen im Kreis ist, die pandemiebedingt mit psychischen Problemen oder gar einem physischen Missbrauch zu kämpfen haben und ob sich eine pandemiebedingte Zunahme der Fälle abzeichne, darüber möchte der Kreistag auf einer der nächsten Sitzungen des Ausschusses für Schule, Kultur, Sport und Freizeit vom Kreisausschuss informiert werden.

Ebenso möchte er Informationen darüber erhalten, wie momentan die Lage in den kreiseigenen Frauenhäusern ist. Dies hat das Gremium am Montag mit einstimmiger Mehrheit beschlossen. Ein Änderungsantrag der Regierungskoalition dazu wurde angenommen. Philipp Herbold, von der Kreis-FDP bat die Kreisverwaltung, der Möglichkeit nach, jetzt schon loszulegen. "Denn die Kinder sind leider die Verlierer der jetzigen Situation. Indem wir frühzeitig handeln, können wir die jungen Menschen vielleicht noch in Teilen zu Gewinnern machen."

Der ursprüngliche Antrag dazu stammte jedoch von den Grünen, auf den Laura Burkhart-Gorißen genauer einging. Viele Kinder und Jugendliche zeigten Anzeichen von Verhaltensauffälligkeiten oder psychischen Erkrankungen, wie beispielsweise Depressionen. "Seit eineinhalb Jahren müssen Kinder und Jugendliche sich einschränken. Sie sitzen zuhause im Homeschooling, können weder in den Sportverein, noch ins Kino oder den Zoo und ihr soziales Umfeld ist eingeschränkt", sagt Burkhart-Gorißen im Rahmen der letzten Kreistagssitzung. Mittlerweile habe man festgestellt, so die Grünen-Politikerin, dass in diesem Zeitraum etwa 12 Prozent der Kinder zuhause misshandelt worden seien. Eine Misshandlung oder ein Missbrauch konnte jedoch von außen durch Lehrer oder Freunde kaum erkannt werden, weil der soziale Umgang fehlt.

Ebenso hätten die fünf Monate im Homeoffice dazu beigetragen, das Bildungsungleichheit massiv verstärkt worden sei, weil die Schüler zuhause keine Unterstützung bei ihren Lernbemühungen erhalten hätten. Deswegen sei es sinnvoll, nun eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Dies grifft auch Anette Hogh von den Christsozialen auf. Sie als vierfache Mutter habe im letzten Jahr beobachten können, was eine solche Pandemiesituation für die Kinder bedeute. "Die Landesregierung spricht davon, dass jedes vierte Kind einen pandemiebedingten Nachholbedarf habe", so Hogh weiter. Mittels des von der Landesregierung ins Leben gerufenen Programm Löwenstark, bei dem 50 Millionen Euro als Sondervermögen zur Bewältigung der durch Corona entstandenen Defizite bereitgestellt würden, solle Schülern geholfen werden. "Allerdings ist es natürlich illusorisch, dass dies binnen ein paar Wochen aufgeholt werden kann."

Eine sinnvolle Ergänzung seien darum, so die CDU-Politikerin, Lerncamps, die nun in den Sommerferien stattfinden sollten. Doch die Folgen von Corona seien noch viel gravierender. Gerade im Bereich psychische Erkrankung bei den Kindern müssten noch zusätzliche Erkenntnisse gewonnen werden. Ebenso bei den Themen häusliche Gewalt oder sexuelle Übergriffe, die zumeist hinter verschlossenen Türen stattfinden würden. Zudem sei es sinnvoll, dass die kreiseigenen Frauenhäuser über ihre Lage und die entsprechenden Belegungszahlen in der Pandemie berichten und ob es aufgrund der Pandemie zu Belegungsengpässen gekommen sei.

Ileana Vogel von der AfD untermauerte das Problem mit Zahlen: "Es gibt Deutsche Studien, beispielsweise von der Uni Hamburg Eppendorf, die zeigen, dass jedes dritte Kind mittlerweile psychische Auffälligkeiten zeigt. Ebenso existieren andere Studien, die eine 6,5 prozentige Steigerung der Gewalt gegen Frauen zeigt. Beispielsweise sind die Vergewaltigungen um 3,6 Prozent angestiegen", zitiert Vogel weiter. Studien zu diesen Themen seien also bereits vorhanden. Trotzdem sei es interessant, zusätzliche Daten aus dem eigenen Kreis zu erhalten, weswegen ihre Fraktion zustimme.

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