Hochtaunuskreis: bürokratische Hürden verhindern Schnelltests

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USINGEN - (inf). Eigentlich sollten an diesem Donnerstag im Hochtaunus die kostenlosen Schnelltests starten, die alle Bürger ganz einfach und niederschwellig bei jedem Arzt, Zahnarzt, Apotheker und sogar bei jeder Rettungs- und Hilfsorganisation sowie medizinischen Laboren kostenlos vornehmen können.

Eigentlich. Denn bevor Apotheker, medizinische Labore oder Rettungs- und Hilfsorganisationen mit der Testung beginnen können, müssen diese, so steht es in der Allgemeinverfügung des Hochtaunuskreises, mindestens an einer einmaligen Schulung durch einen approbierten Arzt oder dem öffentlichen Gesundheitsdienst teilgenommen haben. Auch dann, wenn sie bereits an einer Schulung für eine erfolgreiche Testung teilgenommen oder sogar schon Praxis gesammelt haben. Und so bleibt den Apotheken bislang nur, die Tests entweder entgeltlich durchzuführen oder auf kostenlose Testungen der Bürger zu verzichten - zumindest so lange, bis sie geschult wurden.

Dies stößt bei den Apotheken in Usingen auf Unverständnis. "Ich führe schon seit zwei Wochen Testungen durch, habe etwa 120 Leute getestet und zwei positiv getestete Mitarbeiter überstanden, ohne dass sich auch noch ein weiterer Mitarbeiter in der Apotheke angesteckt hätte. Da behaupte ich mal, dass ich nun wirklich reichlich Praxis bekommen habe. Und da soll ich jetzt noch eine Schulung machen?" fragt Apotheker Wolfgang Weiler und erklärt weiter: "Ich weiß nicht, was ich da jetzt noch lernen soll".

Und auch sein Kollege Martin Brehm von der Amtsapotheke in Usingen sieht diese Anordnung kritisch, denn auch ihm sind momentan die Hände gebunden. Er erklärt: "Herr Weiler und ich haben schon im Vorfeld an einer zweistündigen medizinischen Online-Schulung von sächsischen Apothekerverband teilgenommen, die im Anschluss sogar zertifiziert wurden. Diese Zertifikate werden in jedem anderen Bundesland anerkannt, nur in Hessen nicht. Das verstehe ich nicht." Auch die Amtsapotheke in Usingen möchte ab Freitag kostenlose Schnelltests anbieten, doch bislang sei das nicht möglich. "Angesichts dessen, dass jeder Mensch in eine Drogerie marschieren, sich dort einen Test kaufen und ein Stäbchen selbst in die Nase schieben kann, wirkt die Allgemeinverfügung an dem Punkt ehrlich gesagt wenig durchdacht", so Weiler weiter.
Der Kreis indes verweist darauf, dass der Wortlaut der Allgemeinverfügung dem vom Land vorgelegten Muster entspricht. Eine Ausnahme von der Pflicht zur Schulung für Apotheken bestehe nicht. Er weist darauf hin, dass eine ärztliche Führung der Einrichtung oder des Unternehmens gegeben sein muss. Wenn diese nicht bestehe, sei das Personal zu schulen, um Gesundheitsgefahren für die zu testenden Personen zu verhindern. Nicht nur der Hochtaunuskreis habe diese Regelung getroffen. Die Musterverfügung sei auch in den Allgemeinverfügungen anderer Kreise wiederzufinden.

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