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Im Interview: Wie zwei junge Grävenwiesbacherinnen frischen Wind in die Politik bringen wollen

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Wollen frischen Wind in die Grävenwiesbacher Politik bringen: Julia Nawin und Annika Hellmann, neu im Vorstand der CDU. © Andreas Romahn

Zwei junge Frauen sind in Grävenwiesbach fest verwurzelt und vielfach engagiert. Nun wollen sie auch frischen Wind in die Kommunalpolitik bringen. Ein Interview.

Grävenwiesbach. Am 14. März 2021 standen sie als Politik-Newcomer auf der Kommunalwahl-Liste und erzielten beide beachtenswerte Ergebnisse, auch wenn es auf Anhieb nicht zu einem Mandat reichte. Zwei junge Frauen, die schon lange in der Gemeinde fest verwurzelt und vielfältig engagiert sind, wollen Verantwortung übernehmen und sich aktiv an der Gestaltung der Kommunalpolitik in ihrem Heimatort beteiligen: Die Heinzenbergerin Annika Hellmann und die Grävenwiesbacherin Julia Nawin wurden am 16. November 2021 neu in den Grävenwiesbacher CDU-Vorstand gewählt.

Die 33-jährige Abteilungsleiterin Annika Hellmann ist seit ihrer Kindheit Heinzenbergerin, bekannt als Moderatorin der Fremdensitzungen beim Flotten Elfer des Fanfarenzuges Hundstadt sowie im Vorstand der SG Mönstadt und Trainerin in deren Jumping-Fitness-Abteilung. Julia Nawin ist gebürtige Grävenwiesbacherin und mit 26 Jahren bereits rege in der PR-Branche und beim Hospizverein Hessen tätig. Als Mitglied in der Grävenwiesbacher Damen-Feuerwehr-Tanzgruppe »Sweet Fire Devils« ist auch sie ein bekanntes Gesicht im Usinger Land.

Beide Frauen sind seit 2021 CDU-Mitglieder. Der UA sprach mit den Politik-Neulingen über ihre Beweggründe, an der Spitze des Ortsverbandes politisch aktiv zu werden, und über die Rolle der Frauen in der Kommunalpolitik.

Wie sind Sie eigentlich zur Gemeindepolitik gekommen?

HELLMANN: In erster Linie wollte ich nicht Politik machen, sondern etwas für den Ort tun, in dem ich wohne. Unabhängig von den Wahlen kann jeder mitmachen. Es muss mehr für die junge Generation getan werden. Heinzenberg ist ein ganz kleiner Ort. Es geht mir nicht nur um das Engagement für Jugendliche, sondern gerade auch für die Generation der 30- bis 50-Jährigen. Corona hat gezeigt, dass die Gemeinschaft in den Vereinen gefördert werden muss. Dort stehen die Mitglieder hinter der Sache und halten zusammen. Dieser Zusammenhalt und die Gemeinschaft retten uns in der Corona-Zeit.

NAWIN: In Grävenwiesbach ist auch nicht mehr viel los. Wo geht man hier als junger Mensch denn hin? Ich habe das Bedürfnis am Ort zu bleiben. Das ist meine Heimat. Also muss ich etwas tun. Es muss einfach mehr geben für junge Leute. Wir brauchen mehr Gemeinschaft. Die Vereine schaffen das. Also müssen wir es attraktiver machen, Mitglied in Vereinen zu werden und zu bleiben. Die Vereine wiederum müssen sich flexibler für neue Mitglieder aufstellen.

Warum haben Sie gerade jetzt für den CDU Vorstand kandidiert?

HELLMANN: Mehr Unterstützung für die Vereine muss Thema in der Politik sein. Das muss man auch leben. Wer wie ich für den Verein lebt, muss auch etwas für das Dorf tun. Dazu gehört es, Verantwortung in der Gemeindepolitik wahrzunehmen. Ich bin seit 2021 CDU-Mitglied und habe bei der Kommunalwahl zum ersten Mal kandidiert, weil ich 2020 in Heinzenberg Eigentum erworben und hier Wurzeln geschlagen habe. Es ist entschieden, dass ich hier bleibe. Ich bin vom Typ her jemand, der immer aktiv gestalten möchte. Bei den Wahlen für den Ortsbeirat Heinzenberg hatte ich ein gutes Ergebnis erzielt und deswegen fand ich es konsequent, jetzt im CDU-Vorstand mitzuarbeiten. Man kann nicht nur meckern, sondern muss mithelfen und etwas tun. Wir beiden neuen kennen den Großteil des CDU-Vorstandes schon lange, sind mit den Jüngeren aufgewachsen und pflegen viele gesellschaftliche Kontakte. Über den Fanfarenzug kenne ich Gott und die Welt in der Gemeinde, egal aus welchem Ortsteil jemand ist. Sich durchzusetzen ist kein Problem für mich. Aber ich möchte vorher das Pro und Contra ausdiskutieren und dann mit allen gemeinsam etwas erreichen.

NAWIN: Ich wurde von Carola Grünewald angesprochen, bei der Kommunalwahl zu kandidieren und hätte nicht gedacht, dass ich beim Kumulieren und Panaschieren zehn Plätze nach oben gewählt werden würde. CDU-Vorsitzender Dietrich Bube hatte mich gefragt, ob ich im Vorstand den Social-Media-Bereich übernehmen würde und das mache ich jetzt. Das ist für mich eine konkrete Aufgabe, die sich in Zukunft weiterentwickeln wird und da will ich meinen Beitrag leisten. Durch die Feuerwehr mit den Sweet Fire Devils pflege ich viele gesellschaftliche Kontakte und möchte mich damit einbringen. Man muss immer die Stärken jedes Einzelnen sehen, damit man zusammen etwas erreicht.

Wie schätzen Sie die Vertretung durch Frauen in der Gemeindepolitik ein, was ist Ihnen wichtig und welche Vorstellungen möchten Sie verwirklichen?

HELLMANN: Man muss mit den Männern reden können. Ich werde meine Erfahrungen einbringen, die ich beruflich in einer leitenden Position und in meiner Vereinsarbeit gesammelt habe. Wichtig ist mir ein besserer Zusammenhalt der Vereine untereinander. Beispielsweise sollte man sich die Angebote der Sportvereine anschauen und sehen. wie gemeinschaftlich mehr Erfolg erreicht wird. In der Vereinsarbeit darf es kein Ortsteildenken geben. Gerade in der Pandemie müssen alle zusammenarbeiten. Das gemeinsame Denken muss aus den Vereinen selbst kommen. Die Politik muss Anreize dafür schaffen, dass die Vereine über das bisherige Maß hinaus zusammenarbeiten.

NAWIN: Mein Engagement für Frauen gilt vor allem der Verbesserung der Betreuungsangebote für Familien. Es muss mehr Angebote und mehr Flexibilität geben, damit Familie und Beruf besser verbunden werden können. Ich weiß, dass dies eine Never-Ending-Story ist, aber gerade deswegen müssen wir da dranbleiben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Gemeinde Grävenwiesbach?

HELLMANN: Das große Thema ist unser Wasser und der Wald. Das ist mein Lebensraum, das ist unser Lebensraum. Die heimische Natur müssen wir beschützen. Ich bin für eine Ganztagsschule in Grävenwiesbach.

NAWIN: Ich wünsche mir eine Ganztagsschule in Grävenwiesbach. Wir brauchen die weitere Verbesserung der Infrastruktur. Da ist noch vieles ausbaufähig. Ich stimme für den Ausbau der Windenergie.

Das Interview führte unser Mitarbeiter Andreas Romahn.

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