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18 Jahre lang Vorsitzende der CDU Wehrheim, Kreistagsmitglied, Beigeordnete in Wehrheim und neue Vorsitzende der Senioren-Union: Susanne Odenweller.

Karrierestart mit einem ärgerlichen Verbotsschild

Pfaffenwiesbach (cju). Den 60. Geburtstag hat sie trotz Corona Mitte November richtig gefeiert und wenn auch nicht jeder der Einladung Folge geleistet hatte, war es eine rundum gelungene Sache: Susanne Odenweller, für die CDU im Gemeindevorstand, hat zwar jetzt den Vorsitz des Ortsverbands der Union abgegeben, aber damit ruht keineswegs ihr ehrenamtliches Engagement.

»Das Ehrenamt ist so wichtig«, betont die zweifache Mutter von erwachsenen Kindern. Für sie ging es vergleichsweise früh los. Mit 14 wurde sie im Juz Pfaffenwiesbach Schriftführerin und lernte Helmut Michel, den späteren Beigeordneten und Bürgermeister des Apfeldorfs kennen. Auch in der Feuerwehr war sie aktiv, »denn die Einsatzstärke war nicht gegeben und die Frauen wurden gefragt, ob sie mitmachen würden«. Bis vor ein paar Jahren war sie dabei, hat sich aber inzwischen aus dem aktiven Dienst zurückgezogen.

Eigentlich wollte Odenweller Schlosserin werden, doch für ein Mädchen war es zu dieser Zeit eher schwierig - es gab bei möglichen Ausbildern keine Umkleiden oder Toiletten für weibliche Auszubildende. Auch Kinderkrankenschwester und Erzieherin fanden beim Vater keinen positiven Widerhall. Also wurde sie Zahnarzthelferin und absolvierte ihre Ausbildung in Friedrichsdorf. Dort war sie nicht wirklich glücklich und deshalb ging sie danach in die Buchhaltung von Neckermann. Später wechselte sie zur AOK Bad Homburg und arbeitete dort in mehreren Abteilungen. 1983 wurde geheiratet - Ehemann Winfried ist ebenfalls ehrenamtlich sehr aktiv. Dann kamen die Kinder und Odenweller kümmerte sich auch um die Großmutter, die mit im Hause wohnte. »Die Oma hatte das Haus gekauft und wir sind zu ihr gezogen, nachdem meine Eltern sich haben scheiden lassen«, so Odenweller weiter. Ihr Vater war damals einer der ersten Männer, dem das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen wurde.

Mit Ortsvorsteher angelegt

Als die Kommission Alt-Pfaffenwiesbach gegründet wurde, fragte diese bei Winfried Odenweller an, ob er dort mitarbeiten wolle. Der verwies an seine Frau und so wurde ihr politisches Engagement aus der Taufe gehoben. Ein Schild am Bürgerhaus, welches das Ballspielen auf der Wiese verbot, erregte ihren Missmut und sie gestaltete ein Bettlaken, auf dem zu lesen war: »Wer Kindern das Spielen verbietet, schadet unserer Gesellschaft«. Dem damaligen Ortsvorsteher, Gerhard Heetpas, kam das gar nicht gelegen, doch Odenweller bezog sich auf das Grundgesetz und verteidigte ihren Standpunkt. So wurde die CDU auf sie aufmerksam und sie wurde 1992 Mitglied der Union.

Vergleichsweise schnell ging es auf der »Karriereleiter« nach oben - 1997 musste sie einen Wahlkampf organisieren ohne die Leitfiguren der Wehrheimer Union. Dann wurde sie zur 1. Beigeordneten gewählt. Bis 2007 übte sie dieses Amt ehrenamtlich aus. Seit der jüngsten Kommunalwahl hat Dirk Sitzmann von den Grünen dieses Amt inne und Odenweller wurde vor wenigen Wochen erneut in den Gemeindevorstand berufen.

18 Jahre war sie Vorsitzende der CDU in Wehrheim. »Von den 133 Mitgliedern kenne ich 130«, lacht sie. »Ich habe den Vorsitz der Partei bewusst in jüngere Hände gegeben, denn es ist wichtig, dass die jungen Leute auch Verantwortung übernehmen«, erklärt sie den Führungswechsel. Jan Krebs habe vorher schon im Vorstand gearbeitet und dabei sehr wichtige Dinge realisiert. Sie bleibe allerdings als Mitgliederbetreuerin erhalten »und dann lerne ich die drei, die noch fehlen, auch kennen«. Die Zeit als Vorsitzende war sehr arbeitsintensiv. Wahlkämpfe und Veranstaltungen für die Mitglieder bestimmten den Alltag. »Wir haben Frühschoppen im Kuhstall oder in der KFZ-Werkstatt gemacht«, erinnert sie sich, »und natürlich auch auf der Straße Infostände organisiert und Flyer verteilt und Plakate geklebt«. Dabei konnte sie außerdem noch bekannte CDU-Größen wie den damaligen Landesvater Roland Koch oder den Chef des Landtags, Norbert Kartmann, für einen Besuch im Taunus gewinnen.

Vorsitz der Senioren-Union

Odenweller ist ein kommunikativer Mensch und frei heraus. »Ich sage immer, was ich denke«, gibt sie zu. Nicht immer ist das opportun, aber sie gibt auch zu, wenn etwas nicht so gut gelaufen ist. Wer jetzt denkt, sie tritt politisch etwas kürzer, wird sich erstaunt die Augen reiben: Während andere mit 60 Jahren Richtung Rente schielen, ist sie immer noch im Kreistag und dort im Bauausschuss aktiv. Darüber hinaus hat sie gerade den Vorsitz der Senioren-Union in Wehrheim übernommen. Dort lautet die Zielvorgabe: »Mehr ins Bewusstsein der Leute holen, mehr für die Mitglieder tun«, so Odenweller. Das fing mit einem Stammtisch an und wird mit weiteren Veranstaltungen, sofern es die Corona-Pandemie erlaubt, weitergehen.

Dass die Bundestagswahl so schlecht für die Union ausgefallen ist, lässt sie vergleichsweise kalt. »Die fünf Jahre gehen auch rum, dann werden die Karten neu gemischt«, ist Odenweller zuversichtlich, dass die Union wieder zurück ans Ruder kommen wird. »Angela Merkel war mein großes Vorbild und sie hat viel für Deutschland und uns alle getan«, bedauert sie das Ende ihrer -Ära. Nicht immer sei es leicht, als Frau Gehör zu finden und Frauen für die Politik zu begeistern, ebenfalls nicht. So wollte sie die Pfaffenwiesbacherinnen Andrea Pfäfflin und Gabi Ohl für die Kommunalpolitik begeistern - gelungen sei es ihr schon, allerdings mit einem kleinen Schönheitsfehler. Beide Frauen entschieden sich bekanntlich für die Sozialdemokraten.

»Das Leben ist wie ein Zollstock, der hundert Zentimeter lang ist«, überlegt Odenweller mit Blick auf das Alter. Jede Phase habe ihre Daseinsberechtigung und jetzt, mit 60, sei für sie noch lange nicht das Ende erreicht. »Adenauer war noch im hohen Alter aktiv«, schmunzelt sie, »warum sollte ich das nicht sein?«

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