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Katholische Kirche im Usinger Land verkauft Kirche und Pfarrhäuser

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Soll ebenso wie das Pfarrhaus veräußert werden: die Kirche St. Johannes in Kransberg. © Inka Friedrich

Nach einer Kosten-Nutzen-Analyse hat sich die katholische Kirchengemeinde St. Franziskus und Klara dazu entschlossen, mehrere ihrer Immobilien zu verkaufen - auch die Kirche in Kransberg.

Usinger Land (bur). Es war, ist und bleibt ein sehr komplexes Thema, wenngleich sich inzwischen die heftigen Wogen aus dem vergangenen Jahr deutlich geglättet haben: Das Sparpaket der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus und Klara betrifft alle elf Kirchorte. Nachdem bei der ersten Planung 2020 nur noch drei »Kirchtürme« im Gespräch waren, tagten nun seit Februar die kirchlichen Gremien mit Vertretern aus allen Gemeinden, um ein tragfähiges Konzept zu erstellen. Das scheint gelungen, wie Verwaltungsleiter Michael Herden und Pfarrer Tobias Blechschmidt im Gespräch mit dem UA erläuterten.

Nach den Protesten aus den Kirchorten selbst zum ersten Streichungs-Plan habe man ausgiebig und sehr sachlich über die einzelnen Standort und Gebäude diskutiert. Vorgabe dabei war, dass die Kirchengemeinde das ihr zugeteilte Budget nicht überschreiten durfte. Und hier war dann schnell die Grenze zwischen dem Machbaren und dem Unvermeidbaren gezogen. Denn der Investitionsstau bei Gebäuden sowie Unterhaltungskosten und Personal würde die Gemeinde innerhalb von sechs Jahren mit 1,4 Millionen Euro ins Minus katapultieren. »Der jetzige Plan bringt uns eine schwarze Null«, so Blechschmidt.

Analyse von Kosten und Nutzen

Sehr detailliert haben die Planer in den Diskussionen alle Zahlen und Fakten herangezogen. Das beginnt mit der tatsächlichen Zahl von Nutzern von Kirchen oder Gemeindehäuser sowie Pfarrhäusern, über notwendige Investitionen, monatlicher Unterhalt oder Personalkosten. Dem gegenüber steht immer der tatsächliche Nutzen - also »lebt« die Gemeinde und nutzt die Gebäude auch. »In den ganzen Debatten wurde immer fair über jeden Standort gesprochen, wir haben Alternativen gefunden und neue Möglichkeiten. Natürlich ist es immer ein schwerer Prozess, wenn die Kirche Gebäude aufgibt - etwa wenn man dort getraut wurde -, aber Kirche muss hier im lokalen Bereich zukunftssicher sein«, sagte Blechschmidt. Und er sowie seine Kollegen stünden auch weiterhin für Gespräche bereit. »Und ich werde in allen kommenden Gottesdiensten am Ende auf das Thema eingehen.«

Der Beschluss des Pfarrgemeinderats von St. Franziskus und Klara zur sogenannten »Kirchlichen Immobilien Strategie«, kurz KIS, steht also. Kirchliches Leben vor Ort bleibt demnach in der gesamten Fläche der Großpfarrei St. Franziskus und Klara Usinger Land möglich«, sagte Pfarrer Blechschmidt.

Diskussion seit 2018

Seit 2018 wird nun über die Immobilien diskutiert. Die bisherigen Planungen wurden kritisch hinterfragt und auf Basis der gegebenen Notwendigkeit zum Handeln Entscheidungen getroffen. »Alle Kirchorte haben sich im aktuellen Prozess aktiv in die Diskussion eingebracht und zu einem schlüssigen und nah an den Menschen ausgerichteten Konzept für die Zukunft beigetragen«, so Blechschmidt. Zwei Gremien waren dabei beteiligt: Zum einen eine Gruppe Engagierter der einzelnen Kirchorte, Gruppe zwei bestand aus Mandatsträgern der Gremien und Mitgliedern des Pastoralteams. »In beiden Gremien herrschte eine extrem gute und offene Gesprächsatmosphäre, in der alle Denkmodelle erlaubt waren. »Das hat Mut gemacht und begeistert«, berichtet Verwaltungsleiter Michael Herden.

Nach den Beratungen wurden die Ergebnisse dem Pfarrgemeinderat und dem Verwaltungsrat zur Abstimmung vorgelegt. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dr. Manfred Koch bezeichnet das entsprechende Dokument passend als einen Koalitionsvertrag. Denn schlussendlich handelt es sich um eine Willenserklärung, da alle anstehenden Maßnahmen formal einzeln beschlossen und umgesetzt werden müssen. »Wir haben jetzt noch die Chance, mit finanzieller Unterstützung des Bistums kirchliches Leben vor Ort zu gestalten. Diese wollen wir aktiv nutzen«, bestärkt der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende Ingo Ley und weist damit auf die Offensive hin, in die die Pfarrei bei diesen Maßnahmen mit Pfarrer Blechschmidt geht.

Schmerzhafte Einschnitte

Klar sei aber auch: »Ohne schmerzhafte Entscheidungen wird ein Weg der Veränderung nicht funktionieren. Deshalb möchte der Vorstand des Pfarrgemeinderates auch Trauerarbeit leisten und die Menschen vor Ort begleiten, wo Umbrüche sichtbar werden. Der Perspektivwechsel vom reinen Blick auf die Immobilien hin zu den Menschen, um dabei Gestaltungsräume zu ermöglichen, soll in dieser Umbruchszeit helfen.« Immobilien seien nicht der Fokus kirchlichen Lebens, sondern ermöglichten ein Zuhause von Kirchengemeinde und einen räumlichen Bezug. Am Ende spielt aber nicht nur ein Verkauf hier eine Rolle. Auch andere Modelle, wie Erbpacht oder kooperative Gebäudenutzungen werden mitgedacht. An verschiedenen Orten hätten Gemeindemitglieder bereits innovative Ansätze, wie die Zukunft vor Ort gestaltet werden könne.

Kransberg wird aufgegeben

Ein Beispiel soll deutlich machen, wie die Debatten zu einem Ergebnis führten. In Kransberg etwa wird die Kirche aufgegeben, da die große Kirche von nur wenigen Gläubigen genutzt wird. Dafür bleibt die Pfarrscheune erhalten, in der auch künftig Gottesdienste gehalten werden und die weiter als Treffpunkt dient. Denn bei der Kirche müssten 200 000 Euro investiert werden. Und von 198 Gemeindemitgliedern kamen im Schnitt nur 43 in die Messen. Da hier auch Denkmalschutz greift, ist ein Verkauf genau zu prüfen. Allerdings ist der Denkmalschutz weitgehend auf »beweglichen« Elementen; die könnten auch in einem Museum erhalten werden.

Alle Maßnahmen stellt die Kirchengemeinde bis Ende der Woche auf ihre Homepage.

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