Kommentar zu politischen Ambitionen

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Es ist bekannt, dass der (nun ehemalige) Vorsitzende des Gewerbevereins, Ralf Müller, deutliche politische Ambitionen hat. Als Usinger FDP-Chef soll er, so munkeln gewisse Usinger Kreise, sogar mit dem Bürgermeisteramt liebäugeln. Ebenso ist es mehr oder minder ein offenes Geheimnis, dass Müller, trotz seines vielfachen Engagements für das Usinger Gewerbe, als Person nicht unumstritten gewesen ist.

Dass mit Simone Mächold weitere Mitglieder der Usinger FDP-Fraktion im Vorstand des Vereins gesessen haben, macht die Sache nicht unbedingt besser. Dennoch ist ein Gewerbeverein ein unpolitischer Verein, dem es um das Gewerbe und dessen Förderung gehen sollte. Somit war es bemerkenswert, dass dem anwesenden Bürgermeister Steffen Wernard, wie es sonst bei Jahreshauptversammlungen Usus ist, nicht zu Beginn ein paar Minuten für ein paar Begrüßungsworte eingeräumt wurden. Sollte es also so sein, dass man (so zumindest lautet der Vorwurf von Wernard) ihn als ordentliches Mitglied des Vereins - womöglich aus politischen Gründen - von der Mailingliste des Gewerbevereins gestrichen hat, so scheint es richtig, dass man dem alten Vorstand durchaus den Vorwurf der Parteilichkeit und der Vermischung zwischen Interessen des Vereins und politischen Themen machen könnte, wie Wernard es an diesem Abend tat. Es ist aber auch richtig, dass das Amt des Bürgermeisters eigentlich unpolitisch sein soll. Wernard, der ja bekanntlich CDU-Mitglied ist und um seine Wiederwahl als Usinger Bürgermeister im Februar kämpft, hat eine ganz klare Wahlempfehlung gegen die Wiederwahl des alten Vorstandschefs abgegeben. Aus obengenannten Gründen. Eine solche Empfehlung hat ebenfalls zumindest den Anklang einer Form von Vermischung zwischen sachlichen und politischen Themen. Allerdings ist sie verständlich. Zumindest wenn man betrachtet, dass es eine schlechte Idee zu sein scheint, wenn jemand, wie in dem Fall Müller, ein Amt als Gewerbevereinsvorsitzenden zusammen mit dem eines potenziellen Bürgermeisterkandidaten auszufüllen versucht. Und um ihn herum im Gewerbevereinsvorstand auch noch Parteigenossen zu finden sind. Natürlich wird es da politisch. Und das muss Bürgermeister Steffen Wernard auch zugestanden werden, dass er sich dagegen wehrt. Vielleicht hätte es der ganzen Veranstaltung besser getan, wenn sie als solche gehandhabt worden wäre, die sie auch war: eine ganz normale Jahreshauptversammlung. Ohne den politischen Unterton. Nicht, dass die Wahl dann anders ausgegangen wäre, da sich bereits innerhalb des Vereins ein gewisser Widerstand gegen den ehemaligen Vorsitzenden gebildet hatte. Doch so bekam die Arbeit des Vereins eine Note, die dort eigentlich so nicht hingehört. von Inka Friedrich

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