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Wenigstens die L 3337 von Hasselbach hinauf nach Haintchen soll in absehbarer Zeit saniert werden. Foto. Schneider

Land vertröstet Bürgermeister

Weilrod (as). Warum das Land Hessen von Hessen Mobil zwischen Rod und Emmershausen Schilder mit der Aufschrift »Schlechte Wegstrecke« aufstellen lässt, wenn man in Wiesbaden an zuständiger Stelle keine Sanierungsdringlichkeit sieht, erschließt sich Bürgermeister Götz Esser (FWG) nicht so richtig, wie er am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss räsonierte.

Er befürchtet, dass sich die »Holper-Schilder« mit den Jahren als so geduldig erweisen werden, wie das zwischen dem Weilroder Rathaus und dem Hessischen Verkehrsministerium hin und her geschickte, bedruckte Papier.

So ernst ihm die Sache mit dem Zustand der Landesstraßen in seinem Beritt auch ist, an seinem Ego kratzt es nicht, wenn Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) ihn nicht in seiner Amtsstube zur Entgegennahme bohrender Fragen empfangen will. Wurmen tut es ihn aber doch. In dem Schreiben von Staatssekretär Jens Deutschendorf klingt das zwar etwas vornehmer, der bittet seines Chefs dafür um Verständnis, dass »derzeit aufgrund des dargestellten Sachverhaltes von einem Termin abgesehen wird«. Esser hingegen gebricht es an diesem Verständnis, die Dinge würden »runtergespielt«, obwohl sie doch nur eins seien: »eindeutig erschreckend«.

Was Esser dem Minister außer Verständnis gerne zeigen würde, hat im wahrsten Sinne Tiefgang. Im Zuge der Befahrung der heimischen Straßen zum Zwecke der Zustandsermittlung gibt es nämlich eindrucksvolles Bildmaterial von Schlaglöchern, Bankettabbrüchen, notdürftig geflickten Löchern und Rissen, teils in Großaufnahme. Esser hat die Fotos auf einer CD gespeichert, die er Minister Al-Wazir bei einem Treffen gerne in die Hand gedrückt hätte.

Nicht allein die Schlaglöcher zählen

Doch der ließ durch Staatssekretär Deutschendorf abwinken. Ob er die Löcher schon kennt, oder nur nicht sehen will - Esser weiß es nicht und will deshalb auf »Nummer sicher« gehen: »Ich fahre trotzdem hin, irgendwer wird die CD schon in Empfang nehmen«, sagte er fast ein wenig trotzig im HFA, möchte es aber dabei auch nicht belassen, schließlich will er ja etwas vom Minister: »Mal schauen, vielleicht nehme ich ihm ja auch noch ein Tütchen Plätzchen von meiner Mama mit.« Die sind legendär und dafür bekannt, dass sie ganze Bäuche füllen können, vielleicht ja auch Schlaglöcher.

Staatssekretär Jens Deutschendorf hat bereits am 18. August namens von Minister Al-Wazir wissen lassen, dass bei Landesstraßen Sanierung vor Neubau gehe, je nach Dringlichkeit freilich. In der Sanierung der Landesstraße L 3337 zwischen Hasselbach und der Kreisgrenze Richtung Haintchen werde die auch in Wiesbaden durchaus gesehen. Ihr werde nach derzeitigem Stand 2023 im Rahmen der inzwischen bis 2025 fortgeschriebenen Sanierungsoffensive Rechnung getragen. Die Dringlichkeit, das wollte der Staatssekretär dann doch noch loswerden, richte sich aber nicht allein nach der Zahl der Schlaglöcher. Verkehrssicherheit und Verkehrsbedeutung spielten dabei auch eine Rolle. Dessen eingedenk, werde nunmehr auch der Sanierung der L 3025 zwischen Emmershausen und der Utenhof-Kreuzung eine gewisse Eilbedürftigkeit zugemessen, wobei man die Zustandsveränderungen regelmäßig überprüfe. Das ist für Esser erst mal eine gute Nachricht, ist doch nicht zu befürchten, dass sich der Straßenzustand von alleine bessert, sondern sich mit jedem Laster, der drüberdonnert, nur weiter verschlechtert.

Gewisse »Eilbedürftigkeit«

Eile bei der Bedürftigkeit heißt in diesem Fall aber auch Weile, bis 2025 werde es wohl noch dauern, teilt der Staatssekretär weiter mit. Bei allen anderen Abschnitten der Landesstraße L 3025 innerhalb Weilrod könne derzeit allerdings keine Dringlichkeit festgestellt werden, also auch nicht zwischen Rod und Emmershausen.

Zur Erinnerung: Das ist das Stück, an dem die Schilder »Schlechte Wegstrecke« stehen.

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