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Lila gestrichelte Linie

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Jarne, Ralf Lubjuhn-Hops, Mika und Jennifer Hops wohnen gerne in Cratzenbach, auch wenn die Busverbindungen nicht ideal sind. © Sabine Neugebauer

Weilrod-Cratzenbach. Auf dem Netzplan des Verkehrsverbandes Hochtaunus führt eine lila gestrichelte Linie mit der Bezeichnung »82« nach Cratzenbach. Die Strichelung weist auf »AST-Fahrten« hin, eine weitgehende Abdeckung des öffentlichen Linienverkehrs durch Anruf-Sammel-Taxis.

Zu Schulzeiten geht morgens um 6.39 Uhr auch ein regulärer Bus in Richtung Usingen. Fahrplangemäß kommt dieser um 7.33 Uhr am Schlossplatz in Usingen an der Christian-Wirth-Schule (CWS) an. Nachdem er unter anderem Treisberg, Rod am Berg und Neu-Anspach Bahnhof abgeklappert hat. Aber meist habe der Bus Verspätung gehabt, berichtet Jarne Hops (14) aus Cratzenbach, der die CWS besucht. Und seit anderthalb Jahren auch sein Bruder Mika (11). »Aber jetzt können wir ein bisschen länger schlafen«, freut sich Jarne, dass sein Vater Ralf Lubjuhn-Hops sich bereit erklärt hat, die beiden Jungs morgens nach Rod an der Weil zur Bushaltestelle der Linie 62 zu fahren.

Diese nimmt einen direkteren Weg nach Usingen und ist eine gute halbe Stunde nach der Abfahrt in Rod an der Weil in Usingen. Zurück sieht es ähnlich aus, aber nach der 5. Stunde und der 7. Stunde geht kein Bus bis nach Cratzenbach. Da müssen die beiden sich entweder die Zeit in Usingen vertreiben oder einen Bus bis nach Rod an der Weil nehmen. Und sich dann wieder von den Eltern dort abholen lassen.

»Ich fühle mich wie ein Taxi-Unternehmen«, bestätigt Mutter Jennifer Hops. Glücklicherweise sind die Eltern dank Corona zurzeit im Homeoffice, was zwischendurch eine schnelle Fahrt erlaube. »Eigentlich dürfen Busse Cratzenbach gar nicht anfahren, weil Busse nicht rückwärts setzen dürfen«, stellt Jennifer Hops fest, die auch im Ortsbeirat tätig ist. Eine Wendeschleife fehlt hier seit Jahren. Und die beiden Busse, die morgens zu den Schulzeiten hier warten und abfahren, stehen »so komisch« auf der Straße, dass sich Pkw-Fahrer ohne Sicht langsam daran vorbeitasten müssen.

Nur Schulbusse fahren regulär

Im Winter bei Schneefall sei die Strecke zwar immer gut geräumt, trotzdem bleibe es den Busfahrern überlassen, ob sie die Strecke von der Weilstraße herauf nach Cratzenbach wagen. »Die Jungs freuen sich, wenn die Schule deswegen für sie ausfällt«, schmunzelt der Vater. »Außer Schulbussen fährt sonst nichts«, ist sich Jennifer Hops sicher.

Dabei wird auf dem Fahrplan eine Reihe von Fahrmöglichkeiten aufgelistet, allerdings sind fast alle ASTs. Da muss man eine Stunde vorher bei der Zentrale anrufen und kann dann mit dem Taxi zu gleichen Konditionen wie mit dem Bus fahren. Für nicht so mobile Personen ist andererseits der Lieferservice von Rewe und Apotheke in Rod an der Weil »eine gute Sache« ergänzt die Familienmutter. Und die Mitfahrbänke findet sie ebenfalls gut, hat aber aus Angst ihren Kindern verboten, diese zu nutzen. »Ich habe schon mal jemanden mitgenommen«, berichtet Ralf Lubjuhn-Hops. Aber gerade jetzt in Corona-Zeiten will niemand zu Fremden ins Auto steigen.

Wenn das mit der Erreichbarkeit der Schulen einigermaßen funktioniert, ist es aber nachmittags, abends und am Wochenende schwierig. zu Freunden oder zu Freizeitaktivitäten wie Schwimmbad oder Jugendzentrum zu kommen. »Da fahren wir natürlich, aber das ist manchmal wie eine Jonglage«, sagen die Eltern.

Freizeit: Logistische Herausforderung

Und man habe sich auch schon mit anderen Eltern zusammengetan und einen Fahrdienst beispielsweise zum Fußballtraining organisiert. »Man wird kreativ«, so Ralf Lubjuhn-Hops. So bringe er sich mittlerweile als Betreuer bei Jarnes American-Football-Training in Bad Homburg ein. Er will ja zwischendurch nicht nach Hause fahren und auch nicht »dumm rumstehen«.

Rod an der Weil sei auch mit den Fahrrad zu erreichen. Aber Jennifer Hops hat auch da ihre Bedenken, seitdem sie von einem schlimmen Fahrradunfall auf der Schotterstrecke nach Rod gehört hat. Aus ihrer Heimat im Münsterland kenne sie es eigentlich, dass junge Leute mit dem Fahrrad zu Veranstaltungen und Freunden fahren. Aber dort seien die Radwege besser ausgebaut und die Steigungen nicht so groß. Jarne träumt schon von einem motorisierten Zweirad. »Ich schlafe dann bestimmt nicht mehr«, gibt Jennifer Hops zu. Aber Vater Ralf ist nicht ganz abgeneigt, sichere den Jugendlichen solch ein Roller oder Mofa doch eine gewisse Unabhängigkeit.

Die Verbindung mit dem ÖPNV in die größeren Städte wie Bad Homburg oder Limburg sei noch schwieriger. Als seine große Tochter hier im Hause gewohnt habe und diese nach Limburg wollte, habe er sie regelmäßig nach Bad Camberg gefahren, um dort den Zug zu nehmen. Nach Bad Homburg gehe es ab der Ziegelhütte noch ganz gut. Diese sei zu Fuß von Cratzenbach aus in einer Viertelstunde zu erreichen, was aber in der Winterzeit morgens und abends im Dunklen nicht zumutbar sei.

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