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Milliarden von Maschen für den guten Zweck

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Fingerspitzengefühl gebraucht: Marianne Henrich (von rechts), Christel Guth, Brigitte Müller, Gretel Perner, Doris Müller, Iris Schmitt, Franziska Weber und Ilse Lempp stricken Mützchen und Strümpfchen für Frühgeborene. © Red

Schmitten-Hunoldstal (evk). Handarbeiten erlebt gerade eine Renaissance. Aber für die Strickgruppe Hunoldstal zählt nicht der Trend, für sie sind die Geselligkeit und der gute Zweck wichtiger. Die Teilnehmerinnen stricken Mützchen und Strümpfchen für frühgeborene und kranke Kinder. Die Frauen im Alter zwischen 71 und 89 Jahren haben den Umgang mit Nadeln und Wolle schon als junge Mädchen geübt.

Die gebürtigen Hunoldstalerinnen unter ihnen erinnern sich: »Früher waren wir nach der Schule im Winter nachmittags bei ›Homersch Anna‹ in der Strickschule.« Später haben sie sich abends bei der Verwandtschaft zum Stricken, Häkeln und Sticken getroffen. »Zusammen macht es einfach mehr Spaß«, wissen sie. Nicht zuletzt, weil man dabei auch ein bisschen schwätzen kann.

2000 gegründet

Die Strickgruppe besteht bereits so lange wie die im Jahr 2000 gegründete Heimat- und Brauchtumsgruppe Hunoldstal. Doris Müller kann sich noch daran erinnern, dass die Mitglieder vom Frauensingkreis »Rotkehlchen« schon in den 1990er Jahren zu Ostern und Weihnachten zusammen gebastelt haben. Als feste Abteilung der Brauchtumsgruppe haben die Frauen anfangs auch andere Handarbeiten angefertigt.

Dann wurde Müller auf die Anzeige in einer Strickzeitschrift aufmerksam. Eine Kinderklinik im Schwarzwald suchte Mützen für krebskranke Kinder, die nach einer Chemotherapie die Haare verloren hatten. Die Frauen fertigten kleine Mützen in verschiedenen Größen und Farben an, und die wurden in den Schwarzwald geschickt. Zwischenzeitlich strickten sie noch für eine andere Kinderklinik und dehnten ihr Hobby auf Strümpfchen aus. Darauf hat sich die Brombacherin Brigitte Müller spezialisiert.

Die Wolle kaufen die Frauen übrigens selbst. Sie bekommen aber auch immer mal eine Zuwendung vom Brauchtumsverein. »Obwohl wir nur die dünne, besonders strapazierfähige mercerisierte Baumwolle verarbeiten, dürfen beide Kliniken aus Hygienegründen nur noch Stoffmützen und -socken verwenden«, bedauert Marianne Henrich. Stattdessen hat Gretel Perner zwei neue Kontakte aufgetan zu Kliniken in Darmstadt und Bad Soden, wo die Frühchen-Stationen sich über die Handarbeitsspenden der Strickgruppe freuen.

So haben die Frauen weiterhin viel Spaß am Kreieren ihrer Unikate. Jedes Teil ist anders - je nach Farbe und Muster. »Eine Anleitung brauchen wir nicht, wir haben genug Erfahrung«, meint Ilse Lempp, die Älteste in der Runde. Und wenn mal was nicht gefällt oder tatsächlich eine Masche gefallen ist, wird es einfach aufgezogen und wieder neu angefangen. In drei Wochen kommen inzwischen locker 100 Mützchen zusammen, im Winter auch schon mal mehr. »Gezählt haben wir das nicht, aber es müssen Milliarden von Maschen gewesen sein«, schätzen die Frauen.

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