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Mit Elektroschrott auf den Arbeitsmarkt vorbereiten

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Gruppenleiter Uwe Nelz (Zweiter von rechts) begleitet die Mitarbeiter der Oberurseler Werkstätten in der Elektroschrott-Zerlegung im Deponiepark auf Brandholz. © Red

Vom 1. bis 24. Dezember bieten wir den TZ-Lesern jeden Tag eine kleine oder große Geschichte - informativ, spannend oder zum Schmunzeln - und begleiten so journalistisch die Tage bis Heiligabend. Heute öffnen wir eine Tür in der Deponie Brandholz.

Usinger Land. Ein gutes Arbeitsklima ist in diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten keine Selbstverständlichkeit. Der 24-jährige David Maier (der Name ist von der Redaktion geändert) hat da ein gutes Los gezogen. Er freut sich morgens wenn er seine Wohnung in Frankfurt verlässt, dass er mit der S-Bahn und der Taunusbahn nach Neu-Anspach zur Arbeit fahren darf.

Am Bahnhof wird er zusammen mit anderen unterwegs zugestiegenen Kollegen von Uwe Nelz abgeholt und zu ihrem Arbeitsplatz in der Elektroschrott-Zerlegung im Deponiepark Brandholz gefahren. »Ich freue mich hierher zur Arbeit zu kommen. Das mache ich gerne, unser Chef ist nett und meine Kollegen sind auch nett«, sagt David Maier.

Hinter dem Hauptgebäude der Rhein-Main-Deponie RMD GmbH am Fuße der einstigen Hausmülldeponie steigen die Männer im Alter zwischen 23 und 58 Jahren aus und machen sich an ihre Arbeit. Im Trakt auf der hinteren Gebäudeseite haben die Mitarbeitenden der Oberurseler Werkstätten ihren Arbeitsplatz in einer der Garagenhallen, die einst für die Elektroschrottzerlegung umgebaut wurde.

Heute öffnen wir am TZ-Adventskalender eine der großen Garagentore und schauen den dort arbeitenden Menschen mit einer geistigen, körperlichen oder seelischen Behinderung bei der Arbeit zu. Zahlreiche Werkbänke mit Stanze, Werkzeugkiste und Schraubstock bilden das Herz der Werkstatt für Elektroschrott-Zerlegung.

In Gitterboxen sind vor allem PCs, Stereoanlagen und andere Elektrogeräte gelagert, die allesamt im Wertstoffhof des RMD-Deponieparks angeliefert wurden. Andere Gitterboxen sind am gestrigen Arbeitstag mit nach Material sortierten Komponenten (Alu, Plastik und Kupfer) und anderem Elektrobauteilen bereits halb gefüllt.

»Seit Inkrafttreten des Elektro- und Elektronikaltgerätegesetzes im Jahre 2005 verantwortet die RMD die Sammel- und Übergabestellen für den Hochtaunus- und den Main-Taunus-Kreis«, erläutert RMD-Standortleiter Thomas Klinkig. Der sogenannte Elektroschott wird vor Ort weiter zerlegt und an weiterverarbeitende Recyclingbetriebe verkauft.

Im Deponiepark Brandholz begann die RMD zuerst mit Beschäftigten aus dem Bereich der sogenannten »Ein-Euro-Jobber« und seit 2012 dann in Zusammenarbeit mit den Oberurseler Werkstätten für Behinderte die Zerlegung. Gruppenleiter Uwe Nelz ist als Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung für Menschen mit einer Behinderung von Anfang an für das Projekt verantwortlich.

»Ich habe zuvor im Handwerk gearbeitet, da duzt jeder jeden - auch den Chef«, benennt Nelz eine Grundüberzeugung, die er seit 2012 auch mit den bis zu 12 Mitarbeitenden der Oberurseler Werkstätten in der Elektroschrott-Zerlegung pflegt und lebt, was sofort beim Arbeitsklima spürbar ist. »Natürlich bin ich der Vorgesetzte, verantworte die Arbeitsleistung und da muss ich manchmal auch ein klares Wort sprechen.«

Das sei vor allem deshalb so bedeutsam, weil die von den Werkstätten am Stammsitz ausgelagerten Arbeitsplätze eine weitere Stufe hin zu einer möglichen Integration im ersten Arbeitsmarkt darstellen. Neben der Ausdauer für eine berufliche Tätigkeit hat der ausgelagerte Arbeitsplatz auch das Ziel, Teamfähigkeit zu erlernen und gute Arbeitsleistungen zu erbringen.

»Ich bin jeden Tag aufs Neue von der Herzlichkeit und Offenheit der Mitarbeitenden überrascht, wie auch von dem großen und ehrlichen Interesse, welches meine Männer ihren Aufgaben und Arbeiten entgegenbringen«, sagt der 57-Jährige. Als er vor zehn Jahren aus dem erlernten Handwerksberuf zu den Oberurseler Werkstätten gewechselt war, erhielt er bald nach einer Einarbeitung das Angebot, die Leitung der Elektroschrott-Zerlegung in Kooperation mit der RMD zu übernehmen.

»Nach der Arbeit am Stammsitz ist das hier der nächste Schritt«, erläutert Nelz. »Im Idealfall, bietet sich auf dem regulären Arbeitsmarkt die Chance einer geeigneten Beschäftigung.« Es wäre ein Übergang, der aber nicht vielen betroffenen Menschen gelingt - obwohl dies eigentlich eines der Ziele der Werkstätten für Behinderte ist.

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