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Mit Zaunlatte geprügelt: Heftiger Streit in Usingen endet vor Gericht

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Symbolbild Gericht Justitia
Symbolbild Gericht © DPA Deutsche Presseagentur

Ein Streit ehemaliger Freunde wird erst verbal ausgetragen, dann wird es handgreiflich - und schon schlägt der eine mit einer Zaunlatte mit Nagel auf den anderen ein. Endstation ist am Amtsgericht Bad Homburg.

Usingen. Bei nachgewiesener gefährlicher Körperverletzung kennen die Gerichte für gewöhnlich kein Pardon. Wer andere mittels eines gefährlichen Werkzeugs, was bereits in einem Tritt mit einem beschuhten Fuß gesehen werden kann, oder gemeinsam mit anderen an der Gesundheit schädigt, muss nicht mehr mit einer Geldstrafe rechnen, sondern mit Haft, mindestens sechs Monate. Eigentlich, denn es geht auch anders, wie jetzt am Bad Homburger Amtsgericht geschehen. Da ging es um eine Zaunlatte.

Verbale Auseinandersetzung zweier junger Männer wird handgreiflich

Angeklagt war ein 24-jähriger Usinger. Er soll einen anderen Mann nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung geschlagen und mit einer Zaunlatte mit Nägeln darin am Oberschenkel leicht verletzt haben. Das Verfahren wurde eingestellt, der Angeklagte muss allerdings 120 Stunden gemeinnützig arbeiten. Über finanzielle Mittel zur Begleichung einer Geldauflage verfügt er nicht.

In dem Prozess musste einiges offenbleiben. Der Geschädigte konnte nicht befragt werden, denn er war gar nicht erst zum Prozess geladen worden. Der Vorfall hatte sich am 3. März vergangenen Jahres gegen 18.45 Uhr an der Bushaltestelle in Höhe des Lidl-Marktes in der Usinger Bahnhofstraße zugetragen. Die beiden Männer waren, das gab der Angeklagte auch gleich zu Beginn der Verhandlung zu, ursprünglich ziemlich eng befreundet, hatten sich aber im Laufe der Zeit auseinandergelebt, nachdem der später Geschädigte dem Angeklagten die Freundin »ausgespannt« hatte.

Latte aus nahe gelegenem Zaun abgerissen und zugeschlagen

Am Tatabend hatten sich die beiden Männer eher zufällig beim Einkaufen getroffen und waren in der Folge in Streit geraten, wobei der Angeklagte sagte, er habe »keinen Stress« gewollt und dem drohenden Streit aus dem Weg zu gehen versucht, indem er ihn und seine Rufe von hinten ignoriert habe, sei von dem Ex-Freund aber beleidigt und provoziert worden.

Den Faustschlag ins Gesicht des anderen gab der Angeklagte zu, auch, dass er sich nach dem sich daraus entwickelnden handgreiflichen Schlagabtausch von einem Zaun ganz in der Nähe eine Latte abgerissen und mit ihr auf den anderen ein- oder auch zweimal eingeschlagen habe.

Gericht zweifelt an »Notwehr«-Aussage des Angeklagten - und stellt Verfahren denn ein

Dies allerdings erst, nach er von dem anderen zu Fall gebracht worden sei und der auf seinem Bauch gehockt habe. Dort sei er aber vor nicht allzu langer Zeit operiert worden, er habe starke Schmerzen gehabt und versucht, den andern von sich herunter zu stoßen und sich mit der Latte zu verteidigen, sagte der Angeklagte.

Das Gericht ging jedoch von einer Zäsur im Geschehensablauf aus, Notwehr könne in diesem Stadium der Auseinandersetzung wohl kaum noch angenommen werden, nicht einmal eine »notwehrähnliche Situation«, es sei wohl eher Rache gewesen, zumal der Geschädigte zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Rückzug gewesen sei, wie eine Zeugin, die auf der anderen Straßenseite auf ihren Bus gewartet hatte, berichtete.

Da aber wohl beide Männer an der Sache nicht ganz unschuldig gewesen sein dürften, ging der Richter auf den Vorschlag des Verteidigers ein und stellte im Einvernehmen mit der Amtsanwältin das Verfahren mit der Auflage, 120 Stunden gemeinnützig zu arbeiten, ein.

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