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Martinszüge wurden in diesem Jahr vielerorts in kleinerem Rahmen oder nur auf dem Kindergartengelände durchgeführt, nicht wie hier vor wenigen Jahren noch mit großer Menschenmenge.

Mit zweierlei Maß gemessen?

Weilrod . Ausgefallene oder abgespeckte Martinsumzüge auf der einen Seite, Weilroder Rathaussturm auf der anderen Seite, diese Diskrepanz ärgerte die stellvertretende Vorsitzende der Weilroder SPD und Mutter Nicole Engelmann-Erwe. »Wieso hat unser Bürgermeister das eigentlich gemacht, zugelassen und im Laufe einer Woche komplett unterschiedliche Entscheidungen getroffen?

«, fragte sie. Viele Bürger, gerade Eltern, hätten diese Entscheidung nicht nachvollziehen können. Zumal sich die Kinder auf die Martinsumzüge gefreut hätten. Der Usinger Anzeiger hat dies zum Anlass genommen, bei Bürgermeister Götz Esser (FWG) nachzufragen.

Dieser teilte mit, dass »die Gemeindeverwaltung der Gemeinde Weilrod die Entscheidung und Organisation, ob und wie die Martinsumzüge in diesem Jahr abgehalten werden, in die Hände der Kindergartenleitungen vor Ort übergeben hatte und zu keinem Zeitpunkt Martinsumzüge in Gänze untersagt hat. Umzüge und Veranstaltungen, die sich im gesetzlichen Rahmen der Corona-Vorgaben bewegten, konnten zu diesem Zeitpunkt stattfinden. Selbstverständlich haben wir sowohl bei den Umzügen, als auch beim Rathaussturm auf die geltenden Regeln der Corona-Vorgaben hingewiesen. Kurz vor dem Rathaussturm wurde zudem mit dem Kreisgesundheitsamt nochmals Kontakt aufgenommen, um deren Einschätzung bezüglich der Veranstaltung zu erfragen. Vonseiten des Gesundheitsamtes bestanden hierzu keine Bedenken. Ich bedaure sehr, dass es jetzt hier so dargestellt wird, als hätte die Verwaltung mit zweierlei Maß gemessen, da wir, wie gesagt, zu keinem Zeitpunkt die Martinsumzüge der Kindergärten in Weilrod untersagt hatten.«

Cordelia Hänisch, Erzieherin im Kindergarten in Hasselbach, bestätigte, dass der Martinsumzug in Hasselbach nicht ausgefallen sei, sondern nur in engstem Rahmen begangen wurde. Nur die Erzieherinnen seien mit den Eltern und den Kindern singend und mit Laternen durch Hasselbach gezogen. Großeltern und Freunde wurden diesmal nicht zugelassen.

Ziel sei der Seniorenpark »carpe diem« gewesen. Dort sei wie immer draußen und mit Abstand gesungen worden. Und die Kinder hatten auch den Senioren Laternen gebastelt. Andreas Schorr, Gemeindereferent im Pastoralen Raum Bad Camberg, hielt eine kleine Andacht. Diese Vorgehensweise sei mit der Gemeinde abgesprochen worden. »Wir haben den Bewohnern des ›carpe diem‹ ein nettes Martinsfest bereitet«, betonte Hänisch. Der Kindergarten habe sich auf diese Vorgehensweise festgelegt, damit man nicht auf alles verzichten müsse, so die Erzieherin weiter. Bei den Senioren handele es sich schließlich um eine Risikogruppe, deswegen habe man die Veranstaltung »abgespeckt«. Persönlich fand Hänisch diese kleine Veranstaltung viel stimmungsvoller.

Genauso ging es der Leiterin des Kindergartens »EigenSinn« in Rod an der Weil, Claudia Schwirkosch. Dort wurde schon im Spätsommer beschlossen, das Martinsfest in kleinem Rahmen zu begehen, um nicht dann doch wieder alles absagen zu müssen. »Wir wussten ja nicht, was passieren wird«, so Schwirkosch.

Und so wurde von Anfang an ein Martinsfest in kleinem Rahmen geplant. Der ganze Garten der Kindertagesstätte wurde mit Windlichtern und Laternen geschmückt. Die Kinder zogen mit ihren Laternen durch Haus und Garten, wo zum Schluss alle Laternen zusammen leuchteten. Und natürlich gab es Punsch und Brezeln. »Das kam unheimlich gut an, das war viel intensiver«, freute sich die Kindergartenleiterin über das gelungene Fest. Und bedauert gar nicht, dass es keinen großen Umzug gab.

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