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Virtuose Spielfreude: Jean Muller.

Mozart vom Feinsten

Oberreifenberg (red). Ein reines Mozart-Programm spielte der Luxemburger Pianist Jean Muller in der Kammermusik am Feldberg. Gehör kamen die Klaviersonaten KV 330, 331, 333 und die Fantasie KV 475. Dem aufgrund von Corona-Verordnungen und Corona-Sorgen großzügig im Raum verteilten Publikum bot sich ein vielseitiges Klangerlebnis des launig kreativ moderierenden und überragend spielenden Klaviervirtuosen.

Von Mozart gibt es reihenweise schelmische, freche und manchmal derb respektlose Überlieferungen aus seinen Briefen. Mit dem gleichen kreativen interpretatorischen Selbstbewusstsein wendet sich Jean Muller seinem Werk zu. Für seine aktuelle Gesamtaufnahme hat er sich gründlich mit Mozarts Werk und den äußeren Einflüssen der Entstehung befasst. Seine Faszination springt schon mit der ersten Moderation auf die Gäste über. Wirklich erfassen kann man sie aber nur in seinem Spiel: von filigran leise bis auftrumpfend heroisch, von tänzerisch leicht bis kräftig marschierend, fast immer transparent gestaltend und dabei in höchstem Maße differenziert. Dem Bösendorfer in der Wohnhalle dürfte diese so gar nicht brave »Salonmusik« eine helle Freude gewesen sein, dem Publikum allemal. Hierbei findet Jean Muller stets neue, ungewohnte Klangperspektiven. Er gestaltet die Tempi, setzt kraftvolle Akzente und nutzt durchgängig alle dynamischen Möglichkeiten des Instruments. So entstehen unablässig neue Eindrücke im vielfach gut Bekannten. Gerade die nur im kleinen Konzertsaal so intensive Nähe des Erlebnisses erschließt auch stilistische Unterschiede zwischen den einzelnen Werken. So kleben Augen und Ohren der Zuschauer an Mimik, Fingern und am von Anfang bis Ende intensiv durchgestalteten Klang. Das anspruchsvolle Programm gerät kurzweilig, spannend und kräftig gewürzt mit mozartschem Witz. Und natürlich verfehlen die bekannten Schlusssätze, z.B. »Alla turca« aus KV 331 in Jean Mullers Vortrag nicht ihre mitreißende Wirkung: begeisterter Applaus zwischen den einzelnen Werken und erst recht zum Ende des Programms. Nach gut zwei Stunden Entdeckungsreise durchs Mozart-Klanguniversum quittiert der Künstler den anhaltenden Beifall dann lapidar: »Ich möchte jetzt noch etwas anderes spielen als Mozart.« - und hat alle Lacher auf seiner Seite. Zwei großzügige Zugaben von Frédéric Chopin, das Nocturne op. 27 No. 2 in Des-Dur und die Polonaise op. 53 in As-Dur, schlossen den musikalischen Teil des Abends glänzend ab und machten Lust auf weitere Konzert-Begegnungen mit diesem Künstler, dessen Wirkungskreis sich auf Konzertorte wie die Elbphilharmonie oder den Wiener Musikverein erstreckt. Beim obligatorischen »Nachhall« mit vegetarischem Buffet und Wein war Jean Muller dann viel umschwärmter Gesprächspartner und stand interessierten Konzertgästen Rede und Antwort über Mozart, Klavierspiel und Musik im Allgemeinen.

Die Gastgeber der Kammermusik am Feldberg, Esther und Ralf Groh, hoffen zuversichtlich, auch 2022 regelmäßig Konzerte in der Wohnhalle präsentieren zu können. Informationen und Buchung auf www.hauskonzert-feldberg.de.

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