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Musical-Requisiten und eine alte Nähmaschine

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Schulleiterin Monika Arens ist immer wieder begeistert über die Requisiten, die Kinder, Eltern und Lehrer für die Musical-Aufführungen der Schule hergestellt haben, wie hier eine Teekanne mit Tasse. Die sind definitiv zu schade für den Müll.
Schulleiterin Monika Arens ist immer wieder begeistert über die Requisiten, die Kinder, Eltern und Lehrer für die Musical-Aufführungen der Schule hergestellt haben, wie hier eine Teekanne mit Tasse. Die sind definitiv zu schade für den Müll. © kob

Gäste bekommen selten Dachböden zu sehen. Sie sind Lager, Rückzugsort oder Raum für technische Installationen. In einer neuen TZ-Serie widmen wir uns den verborgenen Etagen in Bad Homburger Gebäuden und schauen, welche Relikte und Geheimnisse sich unter den Dächern verbergen. Den Auftakt bildet die Grundschule Dornholzhausen.

Bad Homburg -Als die Grund- und Volksschule Dornholzhausen nach rund vierzehnmonatiger Bauzeit im Oktober 1954 eingeweiht wurde, bekam der damals noch selbstständige Ort ein modernes Gebäude, das Platz für vier Klassen bot. Seither sind fast 70 Jahre vergangen und die Schule musste immer wieder an wachsende Schülerzahlen oder modernere Unterrichts-Anforderungen angepasst werden. Neue Gebäudeteile entstanden, alte mussten umgebaut und saniert werden. Heute erinnert der Komplex, der nun Platz für zwölf Klassen bietet, kaum noch an die kleine Ortsschule. Nur wenn man im ehemaligen Altbau die Treppen in den ersten Stock hinaufläuft, nach rechts in die Schülerbibliothek geht, trifft man dort auf eine alte Holztreppe, die nicht nur zum Dach führt, sondern wohl auch das letzte sichtbare Originalelement des alten Schulgebäudes ist.

18 Stufen führt die Treppe nach oben, dann öffnet sich der Blick in den Dachboden der Grundschule - ein riesiger Raum, rund 30 Meter lang, 10 Meter breit. Das Steildach ist an seiner höchsten Stelle etwa vier Meter hoch. Getragen wird das Dach von braunen Stahlträgern. Zwischen ihnen liegen quer Holzbalken, die dem blau umspannten Dämm-Material Halt geben. Zusammen mit dem Sonnenlicht, das durch die Lichtöffnungen beim Dachfirst kommt, erhält der Raum eine helle, angenehme Atmosphäre.

"Hier ist es etwas chaotisch", meint Schulleiterin Monika Arens. Und tatsächlich, auf den ersten Blick stehen an einigen Stellen Stühle und Tische ungeordnet in dem Raum herum, Kisten mit Spielsachen stapeln sich hier und dort, im hinteren Teil des Dachses liegen verschieden große bunte Gebilde aus Pappmaché auf Boden und Bänken.

Tiger als Abschiedgeschenk der 4 c von 2010

Beim genaueren Hinsehen erkennt man jedoch, dass an den Querbalken Zettel hängen, auf denen steht, zu welchem Bereich der Schule die jeweiligen Sachen gehören und die dem Ganzen eine gewisse Ordnung geben. Die kleine bunte Plastikküche und der Spielzeugladen aus Holz beispielsweise gehören zur "Betreuung". Rechts davon steht ein selbst gebastelter Adventskalender, der hier auf das Wiederbefüllen der handgenähten Säckchen in vier Monaten wartet.

Im hinteren Bereich werden kleine und große Requisiten aufbewahrt. Kinder, Eltern und Pädagogen haben sie für die vielen Musicals, die in den vergangenen Jahren aufgeführt worden sind, hergestellt und bemalt. Riesige bunte Lollis und gelbe Käsestücke, rote Paprikaschoten und eine Teekanne mit Tasse stehen und liegen nebeneinander. Alle Sachen kommen immer wieder bei neuen Aufführungen zum Einsatz. Neben dem "Gemüse" liegt ein Tiger, ebenfalls aus Pappmaché. Er ist - so steht es auf seinen beiden Vorderpfoten - ein Abschiedsgeschenk der Mädchen und Jungen der Klasse 4c, die im Sommer 2010 in die weiterführenden Schulen wechselten. Falls einmal ein Musical mit wilden Tieren aufgeführt werden sollte, müsste der Tiger allerdings vorher noch einmal zum "Tierarzt" - sein Schwanz ist gebrochen und droht über kurz oder lang abzufallen.

Bilder schmückten 2004 den Laternenfestwagen

Auf einem Tisch neben der übergroßen Teekanne liegen zwei Gemälde auf dünnen Holzplatten. Sie sind fast quadratisch, etwa drei Meter mal drei Meter groß. Das eine Bild zeigt die Grundschule mit ihrem Eingang zum Altbau, das andere ist wie eine Schultafel gestaltet. "Diese Bilder stammen aus dem Jahr 2004", erzählt Arens. Damals wurde die Grundschule 50 Jahre alt und einige Eltern haben mit ihren Kindern aus diesem Anlass einen Wagen für das Laternenfest gestaltet.

Und so steht entsprechend auf dem Bild mit der Tafel: "Hausaufgabe: Viel Spaß beim Laternenfest!" Richtig historische Dinge, wie die Schulbänke aus der ersten Zeit, gibt es nicht mehr. Die meisten dieser Sachen wurden bei der großen Sanierung der Grundschule im Jahr 2004 entsorgt, weil sie entweder zu viel Platz brauchten und größtenteils auch nicht mehr zu gebrauchen waren. Nur eine alte Nähmaschine aus den 1930er Jahren mit Fußbetrieb steht unbeachtet in einer Ecke neben dem Schornstein und erinnert an die Zeit, als in der Volksschule die älteren Mädchen noch Handarbeitsunterricht hatten.

Schräg gegenüber steht ein altes Musik-Board, das links eine Klaviatur zum Anschlagen der Töne hat, die dann nach Gehör auf die Notenlinie der daneben stehenden Tafel geschrieben werden konnten.

"Leider gibt es auch den großen Globus nicht mehr", bedauert die Schulleiterin. Ende der 1950er Jahre hatten einige Schüler unter Anleitung ihres Lehrers einen mannshohen Globus aus Pappmaché hergestellt, auf dem Länder und Gebirge reliefartig hervorgehoben waren. Rund 20 Jahre stand er in einer Ecke des hintersten Klassenzimmers im ersten Stock, das auch als Musikraum und Aula bei Einschulungen benutzt wurde. Der Globus begleitete ganze Schülergenerationen und für viele war er so etwas wie ein Symbol für diese Zeit. "Tatsächlich kommen bis heute immer wieder mal Leute in die Schule, die fragen, ob es denn den großen Globus noch gebe", sagt Arens.

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