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Bei Tageslicht werden die Folgen des Feuers in der Silvesternacht sichtbar: Ob das Gebäude in der Siemenstraße stehen bleiben kann, ist derzeit noch unklar.

Nach dem Großbrand beginnt die Aufarbeitung

Bad Homburg. Auch drei Tage nach dem Großbrand in einem Reifenlager im Bad Homburger Gewerbegebiet in der Silvesternacht ist die Brandursache unklar. Das Technische Hilfswerk hat das Gebäude inzwischen notdürftig verbrettert, die Kriminalpolizei hat es versiegelt. Brandursachenermittler des Landeskriminalamtes haben am Montag ihre Arbeit aufgenommen.

Es wird davon ausgegangen, dass der Brand in der Werkstatt neben dem Lager seinen Ursprung hatte.

Bei dem Feuer waren Tausende in dem Industriebau in der Siemensstraße eingelagerte Autoreifen in Flammen aufgegangen. In den oberen Etagen des dreistöckigen Gebäudes waren zudem Wohnungen untergebracht. Hier befand sich auch eine Flüchtlingsunterkunft, betrieben vom DRK Kreisverband.

Zunächst hatte es geheißen, dass bei dem Großbrand niemand verletzt wurde. Am Sonntagabend wurde dann aber bekannt, dass drei Feuerwehrleute wegen Kreislaufbeschwerden und leichter Rauchgasintoxikation ins Krankenhaus gebracht werden mussten, zwei konnten nach ambulanter Versorgung die Klinik aber rasch wieder verlassen. 25 durch das Feuer obdachlos gewordenen Geflüchteten wurden noch in der Nacht in eine vom DRK-Kreisverband betriebene Gemeinschaftsunterkunft verlegt.

150 Feuerwehrleute im Einsatz

Nach der Erstmeldung gegen 17.40 Uhr waren bis in den Neujahrsmorgen hinein 150 Feuerwehrleute aus Bad Homburg, Frankfurt, Oberursel, Kronberg und Bad Nauheim, aber auch aus Wehrheim und Pfaffenwiesbach im Einsatz. Um den Brandschutz in und um die Kurstadt währenddessen sicherzustellen, wurden Wehren aus dem Usinger Land in Alarmbereitschaft versetzt.

Im Einsatz waren auch mehr als 50 Kräfte des Technischen Hilfswerkes, aller Bereitschaften des DRK Hochtaunus, darunter auch der Ortsverband Neu-Anspach, fünf multifunktionalen Einheiten sowie Kräfte des Malteser Hilfsdienstes. Aufgabe der ehrenamtlichen Helfer war es unter anderem, Betroffene zu betreuen, die Einsatzkräfte zu verpflegen und eine Sanitätsstelle aufzubauen. Die Nachlöscharbeiten dauerten bis in den Nachmittag des Neujahrstages an.

Über Warn-Apps, Soziale Medien und Sirenenalarm war die Bevölkerung im Großraum Bad Homburg aufgefordert worden, wegen der Geruchsbelästigung und möglicher Gesundheitsgefährdung durch Dämpfe Türen und Fenster geschlossen zu halten sowie Klimaanlagen abzuschalten. Doch in der Kommunikation gab es Verwirrung, die jetzt aufgearbeitet werden muss. Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes, Norbert Fischer, räumte ein, dass Warnungen in zwei Fällen zu spät zurückgenommen worden seien: »Das stimmt, ist aber auch der besonderen Situation in der Silvesternacht geschuldet und wird im Nachhinein mit allen Beteiligten, auch dem Polizeipräsidium Westhessen, aufgearbeitet«.

Löscherwasser wird knapp

Wie Fischer glaubt Bad Homburgs Bürgermeister und Brandschutzdezernent Dr. Oliver Jedynak (CDU) allerdings auch, dass bei diesen Themen noch Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung und Feinschliff geleistet werden müsse. Viele Anrufe von Bürgern, die nicht gewusst hätten, was sie tun sollen, zeigten dies deutlich.

Jedynak und Brandoberinspektor Tobias Klotz nannten als Hauptproblem bei dem mehr als zwölfstündigen Einsatz die Löschwasserversorgung. »Zeitweise brauchten wir 10 000 Liter in der Minute, das gaben die Hydranten nicht her«, erklärte Einsatzleiter Klotz. Deshalb seien Großtanklöschfahrzeuge aus der ganzen Region angefordert worden.

Der stellvertretende Bereitschaftsleiter des DRK Hoch-taunus, Stefan Osthoff, und der stellvertretende DRK-Kreisgeschäftsführer, Sebastian Fischer, sprachen vom größten und kompliziertesten Einsatz des DRK der letzten Jahre.

Der entstandene Sachschaden ist weiter unklar. War man in der Brandnacht noch von einer »hohen sechsstelligen« Summe ausgegangen, ist inzwischen auch ein Totalschaden nicht mehr ausgeschlossen. Alexander Schneider

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