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Im Manuskript seines neuen Buches zeigt Professor Eugen Ernst ein Bild der alten Schule Westerfeld.

Eine Herzensangelegenheit

Neu-Anspach. Wie lange das denkmalgeschützte Gebäude der Alten Schule in Westerfeld in der bestehenden Form noch zu sehen sein wird, weiß nach dem Verkauf der Immobilie durch die evangelische Kirchengemeinde niemand. Die Geschichte schreitet voran, und auch das Usinger Land verändert sein Antlitz.

Kleine Bauerndörfer wie Westerfeld entwickeln sich über Jahrhunderte zu stolzen Ortschaften. Diese fusionierten mit anderen Dörfern zu Gesamtgemeinden wie Neu-Anspach, das wiederum vor bald 15 Jahren die Stadtrechte verliehen bekommen hat. Der Gang der Geschichte veränderte im Laufe der Zeit auch die Bedeutung der einstigen Dorfschulen - wie in Westerfeld.

Wie die einstige Dorfschule des heutigen Neu-Anspacher Stadtteils früher einmal aussah, ist auf einem der historischen Fotos zu sehen, die Professor Dr. Eugen Ernst anlässlich seiner Recherchen für sein neues Buch über das Schulwesen im Usinger Land zusammengetragen hat.

Noch ist sein neuestes Werk - selbst er kann im Gespräch nicht sagen, wie viele es mittlerweile überhaupt sind - gar nicht gedruckt. Doch der 90-Jährige steht in den allerletzten Zügen der Vorarbeit. »Soeben habe ich das Schlusskapitel des Buches über den deutschen Pädagogen und Kulturpolitiker Adolf Reichwein geschrieben. Vor allem darüber, woher er kam und warum er Namensgeber für die ARS wurde«, sagt Ernst.

Keine Frage, Neu-Anspach liegt ihm am Herzen. Aber in dem Werk, welches er nun der Grafikerin Nadine Avemann zum Layout übergeben hat, beschreibt er keinesfalls nur die Schulgeschichte der Kleeblattstadt, sondern der Region. Wenn der »Professor«, wie ihn die meisten Menschen würde-, aber auch liebevoll nennen, sich einem Thema widmet, dann natürlich umfassend und profund.

Zeit der Pandemie genutzt

»Ich habe die Zeit der Corona-Pandemie zum Verfassen des Buches genutzt. Der Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins hat mich darum gebeten«, sagt er. »Eigentlich sollte ich darüber schreiben, wie sich das heimische Gewerbe und die Wirtschaft in Neu-Anspach über die Jahrzehnte hinweg entwickelt haben. Ich habe ihnen aber gesagt, dass sie das nun mal endlich auch selber machen könnten. Doch die Geschichte des Schulwesens im Usinger Land lag mir wirklich am Herzen.«

Also: Auf ein Neues. Jetzt wird das Buch ins Lektorat gehen, und Ende Januar soll es gedruckt vorliegen. So tiefgründig, umfassend und fundiert seine unzähligen Bücher und Schriften auch sind - die Entstehung seiner Werke ist vor dem Hintergrund der heutigen Möglichkeiten der Digitaltechnik kurios.

Ganz die alte Schule schreibt der studierte Geograph, Geologe, Theologe und Germanist nach eingehender Recherche, intensivem Quellenstudium und Lektüre zahlreicher Primärliteratur erste Inhalte als Notiz auf.

Ergebnisse und Erkenntnisse werden anschließend für einen ersten Entwurf handschriftlich aufgeschrieben. Den nochmals überarbeiteten und korrigierten Text spricht er abschließend auf Band seines Diktiergerätes und lässt diesen von einer Honorarkraft in digitaler Fassung schreiben.

Dem Träger des Bundesverdienstkreuzes, der 1957 an der Frankfurter Goethe-Universität promoviert, selber an Gymnasien unterrichtet und als Professor an der Gießener Justus-Liebig-Universität gewirkt hat, sind aus eigenem Erleben die Außen- und Innenansichten aller Bildungseinrichtungen in all ihren Facetten bestens bekannt.

Gepaart mit den Ergebnissen seiner tiefen heimatgeschichtlichen Forschungen aus dem Taunus war es dem Mitbegründer des Hessenparks ein Leichtes, die Entwicklung des Schulwesens der Region zu ergründen und zu Papier zu bringen.

»Es war mir wichtig, auch nach dem Tod meiner Frau so weiter zu leben wie bisher und mit dem weiterzumachen, was mir seit jeher lieb und wichtig ist«, verschweigt Ernst seine persönliche Lebenssituation nicht und spricht offen darüber, wie wichtig ihm diese Aufgabe in den zurückliegenden eineinhalb Jahren war. »Das Phänomen Langeweile kenne ich nicht.«

Matthias Pieren

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