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Ein Schottergarten, wie er auch in Neu-Anspach »modern« geworden ist.

Neue Initiative

Stadt Neu-Anspach eröffnet den Kampf gegen leblose Schottergärten

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Insektensterben, weniger Artenvielfalt, Umweltprobleme - Schottergärten sind in diesem Problemkomplex ein Problem. Eines, dem die Stadt Neu-Anspach nun den Kampf ansagt.

Neu-Anspach. »Es geht um die Pflanzen und nicht um die Steine«, fasst Dorothea Gutjahr den wichtigsten Unterschied zwischen einem Schottergarten und einem grünen Garten zusammen. Gutjahr ist bei der Stadt im Bereich Technische Dienste und Landschaft tätig, wo sie unter anderem für Grünplanung und Grünflächen zuständig ist. Sie hat beobachtet, dass auch in Neu-Anspach seit Jahren die Zahl der Gärten zunimmt, in denen es um Steine und nicht um Pflanzen geht.

Die Stadt will gegensteuern und hat eigene Flyer entworfen und drucken lassen. Sie sollen im Laufe dieser Woche in allen Briefkästen liegen. Es handelt sich um eine umgesetzte Masterplan-Maßnahme, betont Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) bei der Flyer-Vorstellung im Rathaus. Die Stadt will damit Bürger motivieren, ihre Gärten in diesem Frühjahr anders zu gestalten.

Maßnahme aus dem Masterplan

Für das Layout war Linda Braum vom Fachbereich Bauen, Wohnen und Umwelt zuständig; sie wurde dabei von Fachbereichsleiterin Sarah Corell unterstützt. »Das kam noch on Top auf unsere normalen Dienste«, betont Corell. Unterstützt wurde die Verwaltung von Friederike Schulze, Vorsitzende vom BUND Neu-Anspach/Usingen. »Die Entscheidungsfindung war ein längerer Prozess«, sagt Schulze. Denn die sechs Fotos auf dem fünfseitigen Flyer plus Titelseite wollten mit Bedacht gewählt sein. »Das Layout wurde nüchtern gehalten mit Balken und klaren Linien«, sagt Gutjahr. Sie erklärt, was bei der Gestaltung berücksichtigt wurde. Es gebe schon viele Flyer rund um das Thema insektenfreundlicher Garten. Doch anders als diese ihr bekannten Flyer, in denen positive Gartenbeispiele überwiegen würden, wollte die Stadt einen anderen Weg gehen.

»Zunächst geht es im Flyer um die Nachteile, auf der Seite gegenüber findet man ein Beispiel, wie man es besser machen kann. Später geht es um Arten- und Klimaschutz im Garten und um die Rechtslage«, sagt Gutjahr. Wer nach der Flyer-Lektüre noch mehr erfahren möchte, wird unter www.neu-anspach.de, Rubrik Bauen und Wirtschaft, fündig. Aber was ist ein Schottergarten überhaupt? »Unter dem Schotter liegen ein Vlies oder eine Folie, darauf der Schotter und vielleicht noch ein bis zwei Koniferen«, so Schulze, die damit das Foto auf der Flyer-Titelseite beschreibt. Der Schottergarten sei aber nicht zu verwechseln mit dem Steingarten, in dem sehr viele trockenheitsliebende Pflanzen wie Fette Henne und andere Sedum-Arten, aber auch Natterkopf und alle Arten von Kräutern wie Rosmarin, Oregano und Co. prächtig wachsen und gedeihen. Bei der Auswahl der Pflanzen sollte man heimische bevorzugen.

In jedem Stadtteil zu finden

Und, was der Flyer auch erklärt und offenbar vielen Häuslebauern nicht so klar ist: Ein Schottergarten ist schon nach wenigen Jahren pflegeaufwendiger als ein grüner Garten, da Unkraut stärker auffällt und schwer bis unmöglich zu entfernen ist. »Wind und Vögel kommen trotzdem«, so Schulze und damit auch die Samen.

Schulze, die die Gärten in der Stadt sehr genau kennt, sagt, dass es keinen Stadtteil gibt, wo die Schottergärten besonders überwiegen. »Das geht kreuz und quer, es gibt auch keinen Unterschied zwischen Neubau und Altbau.«

Start der Kampagne für mehr Grün im Garten (von links): Linda Braum, Sarah Corell, Dorothea Gutjahr, Friederike Schulze und Bürgermeister Thomas Pauli stellen den städtischen Flyer rund um das Thema Schottergärten vor.

Steine ändern auch ihr Aussehen nicht, es gibt also keine Veränderungen mit den Jahreszeiten. Wer wissen will, wie vielseitig die Gärten innerhalb städtischer Gemarkungen sind, der muss sich nur mal Luftaufnahmen anschauen. »Da ist mehr Vielfalt im Vergleich zur Feldflur, die sehr monoton wirkt - das Potenzial ist groß«, sagt Gutjahr.

Gutjahr kennt auch die Beweggründe, die einen Schottergartenbesitzer motiviert haben könnten, diesen Garten anzulegen: Ihnen gefallen klare und aufgeräumte Flächen. »Uns geht es darum, die Vorteile eines grünen Gartens aufzuzeigen, grün muss nicht gleich gut sein, aber es ist immer noch besser als grau«, so Gutjahr.

Grüne Gärten als Lebensraum

Die Vorteile eines grünen Gartens für Insekten, Vögel und andere Lebewesen sind vielfältig. Aber was ist überhaupt erlaubt bei der Garten-Gestaltung? Das wichtigste steht dazu im Paragraf 8 der Hessischen Bauordnung, die sinngemäß besagt, dass der nicht bebaute Teil des Grundstücks wasserdurchlässig bleiben beziehungsweise herzustellen ist. »Wenn sie einen Schottergarten in Hanglage anlegen und das Regenwasser von dort in die öffentlichen Kanäle läuft, wäre das gebührenpflichtig«, so Gutjahr. Die meisten Schottergärten sind aber nicht so angelegt.

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