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Der Arnsbach speist den kleinen natürlichen See, der sich in Regenzeiten vor dem Damm der Heisterbachstraße bildet. Die Durchlässe sind für den Überlauf groß genug.

Wasser findet seinen Weg

Neu-Anspach (nni). Weilrod hat sie schon, Neu-Anspach wartet noch darauf: Fließpfadkarten vom Land Hessen. Mithilfe dieser Karten - die dann auch die Feuerwehren bekommen - kann die Kommune sehen, welche Straßen oder Plätze bei Starkregen besonders gefährdet sind. Sie zeigen auch, wo es starke Hangneigungen bei landwirtschaftlichen Flächen gibt, von denen das Wasser in den Ort fließt.

Fest steht jedenfalls, dass trotz des ergiebigen Dauerregens am Dienstag im Usinger Land keine Hochwassergefahr für Neu-Anspach besteht.

»Es gibt keine Warnung, der Bauhof hat aber alle Bachläufe geprüft und von Unrat befreit«, so Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) auf Anfrage dieser Zeitung. Schwerpunkt des Regens waren am Dienstag Süd- und Osthessen, gestern war dann Nordhessen an der Reihe. Im Usinger Land könnte der Schnee in Regen übergehen - Glatteisgefahr droht in jedem Fall auf den Straßen.

Und auch Stadtbrandinspektor (SBI) Thomas Schaub sieht ganz entspannt Richtung Himmel. »Es ist nur ein Landregen, die Situation ist im grünen Bereich«, sagt Schaub. Dieses Wetter gebe es jedes Jahr. »Es regnet zwei Tage, danach sind die Bäche voll, aber das ist nicht mit einer Gewitterzelle vergleichbar, wo sehr viel Regen in kurzer Zeit runterkommt.«

Konsequenzen nach starkem Unwetter

Anfang Juni vergangenen Jahres hatte so eine Gewitterzelle für Überschwemmungen gesorgt. Besonders betroffen waren die Ortsteile Hausen-Arnsbach und Westerfeld. Das Wasser aus Arnsbach und Usa kam bis in die Ortskerne. Rund 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr mit 26 Fahrzeugen waren mehr als sieben Stunden im Einsatz, um die Wassermassen in den Griff zu bekommen. Betroffen von dem Unwetter war bekanntlich auch das Neu-Anspacher Waldschwimmbad, das - kurz nach dem verspäteteten Saisonstart - nach der Überschwemmung rund zwei Wochen dichtmachen musste.

Daraus wurden Konsequenzen gezogen, und die Menge an Sandsäcken, um die Wassermassen zu bremsen, wurde aufgestockt. Gerade liegen rund 2000 gefüllte Sandsäcke beim Bauhof bereit und, sollte es nötig werden, könne man weitere 2000 Stück mit Sand füllen, sagt Schaub. »Das Problem ist, dass sie nur drei bis vier Jahre halten, weil der Sand ständig weiter reibt.« Transportieren könne man die Säcke, sollte es nötig werden, mit einem Transportfahrzeug namens GW-Logistik, eine Art Pritschenwagen mit Hebebühne, auf dem die Feuerwehr dann ganze Paletten mit Sandsäcken transportieren könne, so Schaub.

Gefahrenkarte für Starkregen

Bei der Fließpfadkarte, die das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) erstellt, handelt es sich um eine rein topografische Geländeanalyse, heißt es auf der HLNUG-Homepage. »Dadurch können keine realen Überflutungstiefen ermittelt werden. Dies ist nur mit einer hydraulischen Simulation möglich (Starkregen-Gefahrenkarten).« Und genau so eine Karte wird Neu-Anspach in diesem Jahr erstellen lassen, der entsprechende Posten steht im Haushaltsplan für das Jahr 2022. »Diese Karte brauchen wir dringender«, betont Pauli. Die Fließpfadkarte stelle Risikogebiete nur grob dar und gebe keine Infos über einzelne Punkte, wo Hochwassergefahr drohe. »Mit der Starkregen-Gefahrenkarte könnte man sogar Gehwege als Stauflächen berücksichtigen.« Gibt es in der Stadt noch genug Wiesen beziehungsweise Flächen, wo sich das Wasser zur Not ausbreiten könnte? Pauli erinnert sich an Stellen, die früher bei Starkregen mal überschwemmt wurden. Zum Beispiel gab es am Ortseingang von Anspach, fast gegenüber vom Sportplatz, eine Wiese, die im Winter eine Eisfläche war, so Pauli. Auch der Bereich Eisweiher unweit der ARS sei oft überflutet gewesen.

Durchlässe vergrößert

Dass hier kein Wasser mehr stehe, liege daran, dass Durchlässe vergrößert und Bäche renaturiert wurden. Das 1,9 Hektar große geplante Gewerbegebiet In der Usa-Aue war vor seiner Umwidmung Vorbehaltsgebiet für vorbeugenden Hochwasserschutz. »Das spielt keine Rolle, da ganz am Rande des Gebietes und weit weg vom Bach gebaut wird«, so Pauli. Um den Schutz der Aue müsse man sich keine Sorgen machen, weil mindestens 50 Meter oder weiter vom Auenbereich entfernt gebaut werde.

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