Ärger um geplantes Bauprojekt in Neu-Anspacher Feldbergstraße

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NEU-ANSPACH - (inf). Dass es in Neu-Anspach bereits hinsichtlich des Bauvorhabens an der Bahnhofstraße Ärger bezüglich der Höhe der dort geplanten Gebäude gegeben hat, darüber hat der Usinger Anzeiger bereits in der Vergangenheit berichtet. Nun bahnt sich der nächste Streit um ein Bauvorhaben in Neu-Anspach an - dieses Mal im Bereich der Feldbergstraße 1.

Und auch dieses Mal geht es darum, dass der Wohnkomplex, der möglicherweise dort entstehen könnte, nach Ansicht der Anwohner nicht ins Bild der umgebenden Bebauung aus vornehmlich Bungalows und Einfamilienhäusern passen würde. Den Stein ins Rollen gebracht hat eine Anzeige, die im letzten November auf einmal im Immobilienportal Immoscout aufgetaucht ist. In dieser Anzeige wurden Wohnungen in zwei mehrgeschossigen Mehrparteienhäusern an der Feldbergstraße zum Kauf angeboten, dort wo bislang lediglich ein Bungalow stand. Kaufpreis laut Internetexposé 219 000 Euro für 44,82 Quadratmeter Wohnfläche. Seitdem wehren sich die Anwohner gegen das geplante Bauvorhaben, das am 19. April durch das Bauamt des Hochtaunuskreises genehmigt worden ist. Und zwar entgegen der Empfehlung durch den Neu-Anspacher Magistrat, der das geplante Bauvorhaben, nach Angaben der Anwohner, mehrmals abgelehnt hat.

An diesem Montag haben die Bewohner beim Kreisbauamt des Hochtaunuskreises offiziell Widerspruch gegen das Bauvorhaben eingelegt und 35 Unterschriften dagegen gesammelt. Ihrer Meinung nach fügen sich die Gebäude nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, nicht in die Eigenart der näheren Umgebung ein. Der Knackpunkt: Sei eigentlich eine Bebauung von zweieinhalb Geschossen vorgesehen, so zeigen Internetbilder, die das künftige Gebäude als Architektenentwurf zeigen, dass noch ein drittes Geschoss eingefügt wurde, da sich die Gebäude in Hanglage befinden. Im Widerspruch wird ergänzend angeführt, dass die Häuser in der Umgebung typische Häuser der 50er, 60er und 70er Jahre und meistens Ein- und Zwei-Familienhäuser mit Garten, Hof und Garage seien. Nach Meinung der Anwohner sei die geplante Bebauung ein negativer, "optischer Ausreißer". Sie befürchten, dass - sollte das Gebäude tatsächlich so gebaut werden - ein Dominoeffekt auftritt und weitere, höher geschossige Gebäude in der Gegend errichtet werden könnten. Zudem kritisieren sie, dass eine etwa 30 Meter lange, zwischen zwei bis sechs Meter hohe Stützmauer sowie eine ebenso tiefe Abgrabung des Grundstücks in den Bauplänen nicht ausreichend dokumentiert wurde und zudem genehmigungspflichtig seien. Zudem sei in den Bebauungsplänen, soweit eine Einsicht möglich gewesen sei, keine Zisterne ausgewiesen, obwohl in Neu-Anspach eine Pflicht dazu herrscht. Weiter wird angeführt, dass das Bauvorhaben keinen Spielplatz für Kleinkinder vorsieht, wie es die Hessische Bauordnung vorsieht, obwohl mehr als drei Wohnungen geschaffen werden sollen. Auch die Parksituation sehen die Anwohner kritisch: "Die geplanten Parkplätze direkt an der Feldbergstraße sind eine Gefährdung für Fußgänger", so die Interessengemeinschaft. Zudem seien bei den vorgesehenen 12 Wohneinheiten nicht genug Parkplätze eingeplant, geschweige denn für Besucher.

Der wohl gravierendste Punkt jedoch sei, dass es in diesem Fall kein Bürgerinformationsverfahren gegeben habe, wie es die Stadt Neu-Anspach auf einer am 19. Dezember 2017 stattgefundenen Stadtverordnetensitzung beschlossen hatte. Günter Bohne, der sich für die Belange der Anwohner in dem Bereich einsetzt, dazu: "Es hätte nicht einmal eine Bürgerversammlung geben müssen. Uns hätte genügt, wenn die Anwohner über einen Flyer oder aber über einen Internetauftritt über das geplante Vorhaben informiert worden wären. Aber nichts dergleichen ist erfolgt."

Neben besagtem Widerspruch haben sich die Anwohner mit einem Brief an den Neu-Anspacher Magistrat gewandet und um Hilfe gebeten. Doch ob die Stadt Neu-Anspach in dieser Angelegenheit helfen kann, ist fraglich. "Wir haben vom Hessischen Städte- und Gemeindebund das Bauvorhaben prüfen lassen, da wir ja bei uns in der Gemeinde mit der Bahnhofstraße einen ähnlichen Fall vorliegen haben", so Bürgermeister Pauli zu der ganzen Sache. Doch der habe von einer Klage vor dem Verwaltungsgericht abgeraten. Die Begründung: Zusammenfassend hätte die Klage nach ausreichender rechtlicher Prüfung keine Aussicht auf einen Erfolg. Zudem betont Pauli, das nach dem Gesetz eine Bürgerbeteiligung bei einem privaten Bauvorhaben für Einzelareale nicht zwingend notwendig sei. "Etwas anderes ist es, wenn es um Bebauungspläne für größere Areale geht. Da ist eine Bürgerbeteiligung vorgesehen. Außerdem war in diesem Fall eine Bürgerbeteiligung vom Bauherren nicht gewünscht." Zudem könne dieser nach Paragraf 34 der hessischen Baugesetzordnung auch ohne bauen, das sei sein Recht.

Diese Ansicht teilt auch der Hochtaunuskreis, der sich auf eine Anfrage des UA zu diesem Thema geäußert hat. Eine Bürgerinformation sei zwar vonseiten der Stadt Neu-Anspach mehrfach gewünscht worden, dennoch bestehe dafür kein baurechtlich relevanter Belang und vor allem sei eine solche Veranstaltung auch keine Baugenehmigungsvoraussetzung. Insofern hat die Bauaufsichtsbehörde das "rechtswidrig versagte Einvernehmen der Stadt nach vorheriger Anhörung ordnungsgemäß ersetzt und die Baugenehmigung erteilt", so der Kreis. Zudem habe es für das Vorhaben eine positive Bauvoranfrage gegeben, der die Stadt Neu-Anspach damals zugestimmt habe. Diese sei bindend und die Basis der jetzigen Baugenehmigung.

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