Insolvenz des Hochtaunusstiftbetreibers: Rückzahlung für Bewohner futsch?

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NEU-ANSPACH - (inf). Seit über einem Monat ist das Neu-Anspacher Hochtaunusstift, das von der Alten-, Wohn- und Pflegeheim GmbH betrieben wurde, nun geschlossen. Die 55 Bewohner sind in anderen Einrichtungen untergekommen. Manche hatten das Glück, recht frühzeitig schon einen Platz in einem Pflegeheim im Usinger Land zu ergattern, andere jedoch mussten die Heimat verlassen.

Was bleibt, ist nun eine Menge Frust der Angehörigen - finanzieller Frust. Denn viele von ihnen hatten die Kosten für die Betreuung und Wohnung des Hochtaunusstifts, das zu den kostengünstigsten Pflegeheimen im Umkreis gehörte, mindestens einen Monat im Voraus bezahlt.

So war es bislang auch in der Vergangenheit: Verstarb ein Bewohner in dieser Zeit, so hat die Alten-, Wohn- und Pflegeheim GmbH diese Vorauszahlung anteilig zurückerstattet. Davon gingen die Angehörigen der Bewohner auch in diesem Fall aus und so hatten sie, als klar wurde, dass das Pflegeheim Ende März geschlossen wird, so schnell wie möglich ihre Lieben in andere Pflegeheime in der Umgebung untergebracht - und somit nicht die volle Betreuung und Miete für den Monat März in Anspruch genommen.

Doch ob nun auch in diesem Fall eine Rückzahlung von überzahlten Beträgen erfolgen wird, steht in den Sternen. Denn die betreibende GmbH musste Insolvenz anmelden, als ihnen das "Dach über dem Kopf" und damit die Geschäftsgrundlage entzogen wurde, damit behördlich alles seinen geregelten Gang gehen konnte.

Mit einer Insolvenz sind allerdings die Konten einer jeden Firma oder GmbH eingefroren. Sprich: Eine Rückzahlung könnte nur der Insolvenzverwalter veranlassen. Denn Vermögen einer Firma, in diesem Fall von Angehörigen eingezahlte Summen, ist Teil der Insolvenzmasse, sprich der Summe, die an Gläubiger ausgezahlt werden muss. "Und Gläubiger gibt es viele, wie beispielsweise die Lieferanten oder aber die Mitarbeiter, die alle aus dem Geld bedient werden sollen", so Axel Bangert, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes Hochtaunus, der an der Gründung der Alten-, Wohn- und Pflegeheim GmbH beteiligt gewesen ist.

Zudem hätten auch diverse Verträge mit Zuliefern bestanden, die nun alle als Gläubiger gegenüber der GmbH auftreten. Und auch die Mitarbeiter des Hochtaunusstifts haben sich mittlerweile anwaltlichen Beistand gesucht, der wiederum ihre finanziellen Interessen gegenüber der GmbH in dieser Sache vertritt.

Im Pflegebereich sei es üblich, dass schon im Vorfeld Zahlungen geleistet werden, die dann tagesgenau abgerechnet würden. "Nur in diesem Fall haben wir die Situation, dass wir zum Ende des Monats Insolvenz angemeldet haben, aber die Bewohner sich schon eher einen Platz in einem anderen Pflegeheim gesucht haben", so Bangert weiter. In dem Moment, in dem die Insolvenz beantragt wurde, hatte das DRK keinerlei Zugriff mehr auf die Konten.

Bangert betont, dass die Betreiber-GmbH die Insolvenz nicht wegen einer finanziellen Schieflage beantragt habe, sondern deswegen, weil sie nach dem 31. März kein Haus mehr über dem Kopf gehabt hätten. "Trotzdem aber gibt es Leute, die das nicht verstehen, oder uns sogar als unseriös beschimpfen. Manche Leute haben uns sogar Insolvenzverschleppung vorgeworfen, was allerdings nicht der Fall gewesen ist." Wie in einer Insolvenz üblich sei auch in diesem Fall das Geld durch den Insolvenzverwalter, Fabio Algari aus einer Anwaltskanzlei in Frankfurt, eingefroren worden. Dies sei ein üblicher Vorgang im Insolvenzrecht. "Seitdem sind uns die Hände gebunden, da alle Zahlungsaktivitäten über den Insolvenzverwalter geregelt werden. Und der hat eine Liste und arbeitet die ganzen Forderungen nun Stück für Stück ab."

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