Wald in Neu-Anspach und Wehrheim: "Das Käferholz ist erst mal raus"

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NEU-ANSPACH/WEHRHEIM - (inf). Noch vor drei Jahren hat sich kaum jemand vorstellen können, was Wanderer, die sich heutzutage in Richtung Sandplacken oder Polnische Köpfe aufmachen, erwartet:

War dieser Bereich noch vor drei Jahren dicht mit Fichten bewaldet, so stehen Besucher heutzutage in einer Mondlandschaft, in der sich kaum noch Schatten finden lässt. In diesem Bereich hat der Borkenkäfer ganz besonders schlimm gewütet - was zur Folge hatte, dass die meisten Bäume in diesem Areal in den letzten drei Jahren gefällt werden mussten. Wer diese Stellen kennt, dem wird bei diesem Anblick schwer ums Herz.

Erstes Grün

Zwar gibt es in diesem Bereich mittlerweile wieder grüne Abschnitte: Aufgrund groß angelegter Pflanzaktionen, die die Forstämter Wehrheim, Neu-Anspach, HessenForst und der Nassauischen Zentralstudienfonds, in deren Zuständigkeiten das mehrere Fußballfelder großen Areal fällt, vorgenommen haben, wachsen dort wieder junge Baumtriebe aus. Zudem bahnt sich die Natur über selbst ausgesäte Samen ihren Weg. Doch bis dort wieder ein ansehnlicher Wald steht, wird viel Zeit vergehen.

Um den Wald wieder aufzuforsten, braucht es zudem Wasser - viel Wasser. Die Forstämter hatten deswegen auf Regen für Winter und Frühjahr gehofft. Ihre Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Es regnete und stürmte wochenlang, im Mai fielen laut dem Deutschen Wetterdienst in Hessen rund 80 Litern pro Quadratmeter Niederschlag (38 Liter pro qm im letzten Jahr).

Ob dies ausreicht, wird sich zeigen und sorgt auch bei den Förstern für geteilte Meinungen. Der Regen in den letzten Wochen habe zwar geholfen, allerdings sei es für den Wald trotzdem immer noch zu trocken, meint Forstwirtschaftsmeister Uwe Paul aus Neu-Anspach. Wehrheims Förster, Björn Neugebauer, ist da ein wenig optimistischer: "Die große Katastrophe ist überstanden. Es findet sich reichlich Wasser in den oberen Bodenschichten. Die Bewölkung führte auch dazu, dass die Verdunstung nicht so hoch gewesen ist. Da Fichten eher Flachwurzler sind, haben diese in diesem Jahr endlich wieder die Möglichkeit, genug Harz zu entwickeln, wenn die Borkenkäfer eindringen." Trotzdem aber gibt auch er keine Entwarnung. "Viele Bäume in unseren Wäldern zeigen Anzeichen von Wasserstress. Das zeigt sich besonders bei den Lärchen, den Kiefern, den Buchen oder auch den Eichen." Bei den Lärchen bedrohe ebenfalls ein Borkenkäfer den Bestand, und auch die Buchen und Eichen zeigten Anzeichen von Wassermangel, indem zahlreiche Kronenäste absterben. Bei Kiefern käme zusätzlich zur allgemeinen Trockenheit noch der Diploida-Pilz dazu, der vor allem für braune Nadeln in den Trieben und letztendlich für das Sterben der Bäume sorgt. Und tote Bäume werden abgeholzt, wie eben im Bereich des Sandplacken.

Die Zahl der Fichten, die beispielsweise in Neu-Anspach und auch im Bereich um die Polnischen Köpfe weichen mussten, ist immens. "Wir hatten in Neu-Anspach etwa 380 Hektar Fichtenwälder. Davon sind 300 Hektar mittlerweile weg", sagt Paul. Die restlichen 80 Hektar, so hofft man in Neu-Anspach, irgendwie "durchzubekommen". Knapp 13 Hektar habe man in Neu-Anspach mittlerweile wieder aufgeforstet und etwa fünf Hektar der Naturverjüngung überlassen. Doch angesichts der immensen Flächen, die auf dem Taunuskamm gerodet wurden, ist das ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Ein Traum für Jungbäume

Paul und Neugebauer hoffen nun, dass mit den neugepflanzten Jungbäumen die Tage der Monokulturen in den heimischen Wäldern gezählt sind und eine gewisse Vielfalt eingebracht werde, die den künftigen Wald vor den vermutlich immer häufiger eintretenden Trockenereignissen schützt. Da kam der Regen in den vergangenen Tagen gerade recht. "Der Regen der vergangenen Wochen war für die jungen Pflanzen quasi ein Traum, die sich dadurch sehr gut gemacht haben", so Neugebauer. Dennoch sei es für eine Prognose, wie viele Bäume den letzten Trockensommer überlebt haben, noch zu früh. "Wir müssen zunächst einmal diesen Sommer abwarten und schauen, ob es mehr regnet, als in den vergangenen Jahren." Ein anderer Schadfaktor ist auch das Wild. "Wir hatten eine Versuchsfläche, wo wir nur Verbissschutz und Hilfsstöcke aufgebracht haben, da hat das Wild ganz schön gewütet. Wir haben etwa 15 Prozent der Jungbäume verloren", ergänzt Paul die Aussagen seines Kollegen. Mittlerweile habe man die Fläche wieder eingezäunt.

Nun setze man sowohl in Neu-Anspach als auch in Wehrheim immer mehr auf Wälder, die naturbelassen bleiben sollen und aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden. "Natürlich ist der Wald für uns auch ein Wirtschaftsfaktor. Dennoch müssen wir künftig schauen, wie wir mit den naturverjüngten Wäldern umgehen und ob wir beispielsweise natürlich entstandene Flächen überhaupt so pflegen können, wie bewusst bewirtschaftete Flächen", so Paul. In Neu-Anspach habe man zudem ganz bewusst zwei Prozent des Waldes aus der Bewirtschaftung herausgenommen.

Doch die Gefahr weiterer Abholzungen ist noch nicht gebannt. Ob und wie viele Bäume künftig noch weichen müssen, wird der kommende Sommer zeigen. Ist auf dem besonders betroffenen Taunuskamm das Schlimmste nun überstanden? "Es gibt auf dem Taunuskamm keine Fichten mehr, die vom Borkenkäfer befallen werden können", sagt Neugebauer. Ebenso sei man in Wehrheim mit den Abholzungen erst mal durch. Zudem habe man es sowohl im Wehrheimer Forst als auch in Neu-Anspach aufgrund der trockenkalten Witterung geschafft, das Käferholz aus dem Wald herauszuholen. "Alles was jetzt noch steht, sind Flächen, die wir bewusst haben stehen lassen, damit der Wald darunter Zeit hat, in Ruhe zu wachsen. Und da ist der Käfer nicht mehr drin", so Neugebauer gegenüber dem Usinger Anzeiger. Allerdings habe aufgrund der feuchtkalten Witterung auch noch nicht der Flug der ersten Borkenkäfergeneration eingesetzt, die dann wie ein Schwarm über die verbliebenen Fichten herfallen könnten. "Es wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen, wie viele Tiere die kühlen Tage überlebt haben", so der Wehrheimer Förster.

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