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Oberurseler Verein so offen wie das Meer

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Von: Katja Schuricht

Vorsitzender Andreas Heid
Vorsitzender Andreas Heid © priv

Die Wassersportvereinigung Hochtaunus stellt ihr Jahresprogramm vor. Der 1992 gegründete, für den Taunus eher ungewöhnliche Oberurseler Verein hat inzwischen wieder 70 Mitglieder. Beim Infoabend am Donnerstag sind alle Interessierten willkommen.

Oberursel -Ein kleiner Bootstrip am Meer ist im Urlaub schnell gebucht und sorgt meistens für Begeisterung. Zu Hause rückt der Spaß wieder in weite Ferne, schließlich sitzt man im Taunus eher auf dem Trockenen. Doch das stimmt nicht ganz, sagt Andreas Heid. „Wer auf den Geschmack gekommen ist und seine Affinität zum Wassersport weiter pflegen und selbst aktiv werden möchte, ist bei uns bei der Wassersportvereinigung Oberursel Hochtaunus (WSVH) genau richtig“, erklärt Heid.

„Viele wissen gar nicht, dass es ein solches Angebot bei uns im Hochtaunuskreis gibt“, sagt der Vorsitzende des Vereins, der am Donnerstag, 26. Januar, alle Interessierten zum Auftakt des Jahresprogramms einlädt (siehe Box). Dabei sei es für Fans wassersportlicher Aktivitäten wichtig, sich beispielsweise auf den nächsten Urlaub am Wasser vorzubereiten. „Denn Binnenseen, Flüsse, die Küste und letztlich die offene See heißt, sich mit der Natur auseinander zu setzen. Und zwar ganz unmittelbar“, betont der Vorsitzende.

Das zu vermitteln, sei ein Anliegen des Vereins, der 1992 auf Initiative von Hermann Frey gegründet worden war. Frey, der im vergangenen Jahr verstorben ist, war seit seiner Jugend zur See gefahren und hatte sich schon immer für den Wassersport begeistert, berichtet Heid. „Mit vier Gleichgesinnten nahm der Verein damals schnell Fahrt auf“, führt Heid, der selbst seit 40 Jahren begeistert segelt, aus. Ziel sei gewesen, die Seefahrt und auch Interessierte in der Ausbildung wie beim Bootsführerschein zu fördern.

Schon in den ersten Jahren erlebte die WSVH großen Zulauf, auch wenn es im Taunus weit und breit keinen Hafen gibt. „Das lag sicher auch daran, dass es nach der Wiedervereinigung überall einen Aufschwung an Freizeitaktivitäten gab“, meint Heid. „Bald hatten wir 50 Mitglieder.“ Vor allem die Ausbildungsaktivitäten des Vereins kamen gut an und waren über Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Ende 1990er Jahre, so der Vorsitzende, schliefen die Aktivitäten langsam ein. „Die Mitgliederzahl sank auf standhafte ,glorreiche Sieben’, die den Verein am Leben erhielten“, erzählt er. Gemeinsam mit Hermann Frey gelang es ihm 2014, der WSVH wieder Leben einzuhauchen. „Wir haben uns ein Ausbildungsboot angeschafft, das am Main in Frankfurt-Griesheim liegt“, berichtet Heid. 2015 startete das Ausbildungs- und Törnprogramm, mit dem die Wassersportfans wieder an die Öffentlichkeit gegangen sind.

Das Engagement hat sich gelohnt: „Mittlerweile haben wir wieder 70 Mitglieder sowie ein strammes und inzwischen bewährtes Programm“, sagt Heid und betont: „Wir verstehen uns als lebendige Plattform für alle Segel- und Motorsport begeisterte Freizeitsportler jeder Generation. Wir wollen so offen wie das Meer sein.“ Die Oberurseler Wassersportler stehen „in der Tradition von Seemannschaft, Schifffahrt, kosmopolitischer Offenheit und dem Schutz der Meere, Gewässer und der Umwelt“.

Aber ist angesichts von Klimawandel und Umweltschutz der Wassersport überhaupt noch zeitgemäß? „Es gibt nichts umweltfreundlicheres, als mit einem Segelschiff und der Sonnenenergie unterwegs zu sein“, sagt Andreas Heid. „Den Motor brauchen wir nur dazu, um in den Hafen hinein und wieder hinaus zu fahren. Umwelttechnisch sind wir also auf der feinen Seite“, findet er.

Genau verfolgen die Vereinsaktiven, was sich derzeit bei der Weiterentwicklung in der Schiffsindustrie im Bereich Umrüstung und Nutzung von Solar- und Windenergie zur Steuerung und zum Antrieb tut. „Wobei man realistisch bleiben muss: Beim Boot wird die Entwicklung nicht so schnell voranschreiten wie beim Auto“, räumt er ein. Immer mehr rücke auch die Verschmutzung der Meere in den Fokus. „Damit müssen wir alle uns befassen, das ist ein immer drängenderes, globales Thema“, betont Heid.

„Ich selbst bin seit 40 Jahren auf dem Wasser unterwegs und erlebe die Veränderungen. Im Mittelmeer schwimmt leider heute jede Art von Müll“, sagt der 65-Jährige.

Auch auf dem Wasser Umwelt, Nachhaltigkeit und Schutz der Meere im Blick

Die Wassersportvereinigung Oberursel Hochtaunus (WSVH) hat in diesem Jahr eine gut gefüllte Agenda. Was alles ansteht, wohin die Segeltörns gehen und wie es um die Ausbildung für Bootsführer steht, erfahren Interessierte beim Infoabend am Donnerstag, 26. Januar, um 19.30 Uhr in der Burgwiesenhalle Bommersheim. „Wir stellen allen interessierten Wassersportlern, egal, ob bei uns Mitglied oder nicht, unser Ausbildungs-, Sport- und Freizeitprogramm vor“, kündigt Vorsitzender Andreas Heid an. Er wird einen Überblick der Ausbildungsaktivitäten in Theorie und Praxis zum Erwerb der Sportbootführerscheine Binnen und See, des Sportküstenschifferscheins (SKS) sowie der Funkscheine UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk (UBI), das „Beschränkt gültige Funkbetriebszeugnis“ (Short Range Certificate SRC) und den Fachkundenachweis Seenotsignalmittel (FKN) geben. „Start ist im Frühjahr“, sagt Heid. Der praktische Teil findet auf dem Main statt.

Weiterer wichtiger Baustein sind die alljährlichen Segeltörns. Der Verein bietet Ausbildungstörns zur Festigung der Segelpraxis in Manöver, Gezeiten, Nachtfahrt und Skipper Trainings sowie den Prüfungstörn zum Erwerb des Sportküstenschifferscheins (SKS) an. „Alle übrigen Törns widmen sich den Themen Natur, Angeln, Geschichte und Freizeit“, erklärt Heid. Die Segelschiffe für die Törns werden zum Großteil gechartert. „Nur wenige Mitglieder haben ein eigenes Schiff“, so Heid. „Die Reisen, wie auch unser Flottillen-Törn nach Griechenland im September, stehen allen interessierten Wassersportlern beziehungsweise allen sportlich Aktiven, die das Erlebnis auf einer Segelyacht mit Freunden und einer Crew teilen möchten, offen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich“, betont Heid. Die WSVH trifft sich jeden ersten Montag im Monat zu ihrem seit Jahren etablierten „Segler und Motorsport Forum“. „In der Regel findet ein kleiner Vortrag mit anschließendem Austausch statt“, schildert der Vorsitzende. Die Themen sind vielseitig. „Das reicht von Reiseberichten über Fachbeiträge bis hin zu Unterhaltendem.“ Auch diese regelmäßige Veranstaltung ist öffentlich.

Ein Vereinsheim habe man leider nicht. „Aber die Stadt unterstützt uns und bietet uns Räume“, sagt er. Drei Mal im Jahr stehen Exkursionen zu den Themen Wassersport, Kultur, Umwelt und Nachhaltigkeit an. „Der erste Termin wird Ende Januar sein, dann besuchen wir mit einer 16-köpfigen Gruppe die Bootsmesse in Düsseldorf. Gemeinschaftliche Unternehmungen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Vereinsangebotes. Mitglied sein ist dafür nicht erforderlich, wir freuen uns immer über interessierte Besucher.“ Zu allen Veranstaltungen können Interessierte vorbeikommen oder sich per E-Mail an wsv.hochtaunus@gmail.com anmelden. Weitere Infos gibt es im Internet auf wsv-hochtaunus.de. ksp

Alljährlich können bei der Wassersportvereinigung Bootsführerscheine gemacht werden.
Alljährlich können bei der Wassersportvereinigung Bootsführerscheine gemacht werden. © privat

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