Pendelnde Lehrer statt WLAN

Usinger Land (inf/khu). Es mag in puncto Präsenzunterricht alles beim Alten sein. Doch dazu muss er überhaupt stattfinden, kritisiert der Vorsitzende des Elternbeirats der ARS, Jens Petroci, gegenüber dieser Zeitung. Denn viele Unterrichtsstunden seien gerade im letzten Jahr ausgefallen oder von Vertretungslehrern bestritten worden, die Versäumnisse der Schüler deswegen immens.

Diesen Lehrermangel befinde er auch an der ARS als ein großes Problem. Bezüglich der ersten Schulwoche sieht Petroci die ARS zwar im Rahmen der Möglichkeiten gut aufgestellt. Sicherlich - an der ARS habe man ein durchaus sinnvolles Schul- und Hygienekonzept erarbeitet. Doch das helfe alles nicht, wenn der Unterricht nicht stattfinden könne, weil sich Lehrer krankmelden müssten. Oder wenn Lüfter zwar angeschafft, diese aber nicht eingeschaltet und stattdessen die Fenster aufgerissen würden. »Jeder kennt Filme, in denen die Leute frieren, selbst wenn sie in Decken eingehüllt sind. Und dann sollen unsere Kinder dabei auch noch dem Lehrer zuhören?

Angesichts der neuen Omikronwelle hat der Vorsitzende des Schulelternbeirats eine ganz eigene Meinung: »Ich halte es für sinnvoll, wenn die Kinder wenn schon nicht im Distanzunterricht, dann wenigstens im Wechselunterricht beschult werden, um die Klassengröße zu verringern«, sagt Petroci.

Klare Richtlinien, besserer Austausch

Er fordert eine klare und vor allem einheitliche Richtlinie sowie bessere Kommunikation von den politisch Verantwortlichen anstelle der Information über Schulcloud, Ranzenpost oder Schulportal.

Zudem sieht er die Schulen bezüglich der anrollenden neuen Corona-Welle noch nicht optimal digital aufgestellt. Es fehle den Lehrern an Ressourcen und Unterstützung von außen. In vielen Klassenräumen fehle nach wie vor W-Lan. »Und selbst, wenn man als Elternteil aus der eigenen Tasche die Geräte stellen möchte, so geht das nicht, weil bei einer Behörde andere Wege vorgeschrieben sind.«

Dies bemängelt auch sein Kollege Patrick Bach, der Elternbeirat in der CWS ist. Petroci betont: »Es wäre gut, wenn wir die digitalen Fachkompetenzen, die wir uns im letzten Jahr erarbeitet haben, jetzt im Präsenzunterricht nicht einfach wieder aufgeben. Denn noch nicht alle Lehrer können auch tatsächlich mit digitalen Medien umgehen. Viele Lehrer machen das in ihrer Freizeit noch mal eben so nebenbei. Da müssten eigentlich Fachkräfte her.« Auch auf Schülerseite laufe beileibe nicht alles rund. Nicht alle Schüler hätten die finanziellen Mittel, auf digitale Medien oder hochwertige Endgeräte zurückzugreifen. Dies Problem sieht auch Kreisschülersprecher Ajay Brar. »Nicht alle haben einen eigenen Schreibtisch, sondern müssen zum Teil Hausaufgaben am Esstisch machen«, sagt der Elftklässler. Ebenso habe nicht jedes Kind auf ein eigenes Laptop zurückgreifen können. In diesen Fällen gab es jedoch Unterstützung vom Kreis in Form von Leihgeräten. Weiteren Nachbesserungsbedarf sieht der Schüler im Bereich der Luftfilter. »Wir haben in unserer Schule - der Feldbergschule Oberursel - genau drei Luftfilter, die an genau zwei Orten stehen. Zwei im Physikraum und einer in der Aula, in Räumen, in denen wenig unterrichtet wird. Der Rest muss ohne auskommen«, erklärt er.

Obwohl die Schüler sich mittlerweile auf den Distanzunterricht eingestellt hätten, findet er ihn generell schwierig. »Da ist Wechselunterricht für die Schüler vielleicht eine bessere Lösung.« Doch der Distanzunterricht habe auch etwas Gutes gehabt: »Sowohl Schüler als auch Lehrer haben sich mit der Zeit extrem entwickelt. Dinge, die sie zu Anfang der Distanzbeschulung noch nicht kannten, wie beispielsweise die PDF-Erstellung, sind heute kein Thema mehr«, sagt Brar.

An seiner Schule hätten die Lehrer beispielsweise Arbeitsgruppen gebildet und sich gegenseitig beim Erlernen der Technik geholfen. Was negativ auffalle sei, dass noch nicht jeder Klassenraum mit W-Lan ausgestattet sei. »Einige Lehrer mussten täglich mehrmals pendeln, da die Abschlussklassen ja vor Ort sein mussten, alle anderen aber Zuhause beschult wurden, was aus dem Klassenraum nicht ging. Einige Lehrer mussten aus dem Grund mehrmals pro Tag zwischen Schule und Wohnort hin- und herpendeln.

Bedient, ja extrem genervt zeigt sich der Vorsitzende des Kreiselternbeirats im Hochtaunuskreis, Gereon Stegmann, angesichts der Corona-Lage und deren Folgen in den Schulen im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Krisenmanagement vermisst er eine verlässliche und vor allem pragmatische Linie seitens des Kultusministeriums: »Statt Hü und Hott müsste da mal einer die Zügel fest in die Hand nehmen«, meint er, und lobt auf der anderen Seite das außerordentliche Engagement von Lehrkräften und Eltern an vielen, nicht aber allen Schulen; da hänge viel vom persönlichen Engagement einzelner ab.

Gereon Stegmann mag nicht mehr

Bitter: Die Lehrerschaft werde mit »administrativer Mistarbeit« überhäuft, statt sie durch eine Beschränkung auf die wesentlichen Unterrichtsinhalte zu entlasten. Er sei frustriert, werde sein Ehrenamt bei der nächsten Wahl des Kreiselternbeirats abgeben.

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