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Pfarrerin Iris Berg-Ebert geht in Pension

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Pfarrin Iris Berg-Ebert (im Vordergrund) geht nach 35 Jahren in Grävenwiesbach Ende Januar in den Ruhestand. ARCHIVFOTO: ROMAHN © Andreas Romahn

Grävenwiesbach (evk). Wie es mit der evangelischen Kirchengemeinde Grävenwiesbach weitergeht, ist derzeit noch offen. Fest steht: Pfarrerin Iris Berg-Ebert geht nach 35 Jahren Dienstzeit in den Ruhestand. Der Kirchenvorstand hat die Ausschreibungen zur Neubesetzung auf den Weg gebracht. Pfarrer Peter Lehwalder, der in Rod an der Weil, Emmershausen und Gemünden tätig ist, wird vorübergehend die Kasualvertretung übernehmen und bei Bedarf von Pfarrer Matthias Laux aus Wehrheim unterstützt.

Iris Berg-Ebert hatte ihre erste und einzige Pfarrstelle in Grävenwiesbach nach Theologiestudium und Vikariat angetreten. Nach dem Abitur im altsprachlichen Zweig auf der Augustinerschule in Friedberg habe sie schon einen Studienplatz für Kunst in Kassel gehabt, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wissenschaftliche Orientierung

»Aber um mich endgültig zu orientieren, entschied ich mich, vorher den nicht kirchlichen, jedoch wissenschaftlichen Studiengang der Theologie an der Universität in Frankfurt einzuschlagen, in dem auch die Grundlagen der Psychologie und Philosophie enthalten waren.«

Der frühe und plötzliche Tod ihres Vaters im Jahr 1981 sei für sie einschneidend gewesen. »Ich war protestantisch erzogen worden und mein Glaube war für mich so selbstverständlich wie für die meisten jungen Leute meiner Generation damals, die zwar der Kirche angehörten, aber eher selten dort anzutreffen waren«, stellt sie fest und sagt: »Von da an aber suchte ich nach Antworten, die tiefer lagen. Die Themen meines Studiums öffneten mir Wege des Verstehens, die ich nur im Glauben finden konnte.« Bald wechselte sie in den kirchlichen Studiengang der Theologie, lernte wie alle Pfarrer und Pfarrerinnen Altgriechisch und Hebräisch.

Sie machte eine praktische Seelsorgeausbildung an der Uniklinik Frankfurt und studierte weiter an der Uni Mainz, wo sie 1985 das erste Examen ablegte. Nach einem halben Jahr Spezialvikariat in einer Klinik in Wiesbaden begann die Theologin ihr zweijähriges Vikariat in Gustavsburg bei Mainz. »Nach dem zweiten Examen 1988 wünschte ich mir, in einem Dorf Pfarrerin zu sein«, bekennt sie.

So kam sie als junge Pfarrerin Ende 1988 nach Grävenwiesbach. »Ich war glücklich über einen interessierten und aktiven Kirchenvorstand, einen zweiten Pfarrer vor Ort und den Grävenwiesbacher Dialekt, der dem meines Heimatortes Ober-Florstadt in der Wetterau verblüffend ähnlich ist«, erinnert sie sich und auch daran: »In Grävenwiesbach bin ich herzlich aufgenommen worden. Ich habe mich daheim gefühlt.« In ihrem Elternhaus sei sie sozusagen »zweisprachig« aufgewachsen »Meine Eltern sprachen mit uns Kindern hochdeutsch und meine Großeltern tiefsten Wetterauer Dialekt«, teilt sie mit und stellt fest: »Das sofortige Wechseln von der einen in die andere »Sprache« war mir in Fleisch und Blut übergegangen und hat sich später so oft in meinem Pfarrdienst bewährt.«

Auch wenn es heute selbstverständlich sei, dass eine Frau das Pfarramt innehat, habe es zu Beginn ihres Dienstes manchmal seltsame Situationen gegeben. Nicht vergessen hat sie: »Einmal beschwerte sich ein Herr bei mir, weil ich die Pfarrstelle 1 in Grävenwiesbach betreute und mein Amtsbruder Klaus Rüb die Pfarrstelle 2. Das müsse unbedingt geändert werden, weil ich doch als Frau keinesfalls die erste Pfarrstelle haben könne.«

Selten Vorbehalte gegen Frau Pfarrer

»Anfangs bekam ich auch zu hören, dass man von einem Mann getraut werden möchte oder den nahen Angehörigen lieber von einem Mann beerdigt haben wollte. Das hat sich aber alles bald gelegt«, ergänzt die Pfarrerin. Einen Stich habe es ihr aber vor Jahren versetzt, als bei einem festlichen Anlass alle männlichen Amtsträger namentlich begrüßt wurden und sie, obgleich dem Redner gegenüber sitzend, übergangen wurde. Das habe eine tapfere Kirchenvorsteherin so nicht stehen lassen und sich später bei dem Redner beschwert. Entschuldigt habe dieser sich trotzdem nicht.

Viele gute Begegnungen

»Viele, viele gute Begegnungen, Gespräche und Gebete lassen für mich die unerfreulichen Situationen verblassen«, sagt Iris Berg-Ebert im Rückblick und weiter: »Mein Amtsbruder Klaus Rüb und ich sind sehr verschieden und gerade das haben wir aneinander schätzen und achten gelernt.«

Nach der Reduzierung der Grävenwiesbacher Pfarrstellen von zwei auf eineinhalb Stellen im Jahr 2008 erklärte sich Iris Berg-Ebert bereit, eine weitere überregionale halbe Pfarrstelle anzunehmen.

Berufsbegleitend hatte die Pfarrerin 2007 und 2008 eine spezielle klinische Seelsorgeausbildung absolviert und war danach neben der halben Grävenwiesbacher Gemeindepfarrstelle in einer weiteren halben Spezialpfarrstelle in Oberursel tätig.

Ihr Resümee: »Ich bin dankbar für die Gemeinde Grävenwiesbach mit all ihren Menschen und schönen Ortsteilen, für meinen Amtsbruder, für die starke Unterstützung unzähliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über drei Jahrzehnten.«

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