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Von Mai bis Oktober sollen bestimmte Zufahrten zum Feldberg an einem Wochenende pro Monat für Motorradfahrer gesperrt werden. Von den Motorradfahrern hagelt es nun Kritik an den Plänen.

Motorradfreier Feldberg?

Plan vorgestellt: Feldberg jedes zweite Wochenende im Monat für Biker gesperrt

Die Auswertung eines Testversuchs im Jahr 2019 empfiehlt eine Teilsperrung des Feldberggebietes für Motorradfahrer - und so wird es wohl auch kommen. Von den Bikern hagelt es bereits Kritik.

Schmitten . Der Erste Kreisbeigeordnete Thorsten Schorr, die Bürgermeister von Schmitten und Glashütten, Julia Krügers und Thomas Ciesielski (alle CDU), sowie Oberursels Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne) haben am Montag gemeinsam den Plan, das Feldberggebiet an jeweils einem Wochenende der Monate April bis Oktober für Biker zu sperren, in einer Pressekonferenz vorgestellt.

Politik spricht von bestmöglichem Kompromiss

Schorr sagte, man habe sich für das zweite Wochenende der betreffenden Monate entschieden, was aber keine tiefere Bedeutung habe, sondern eher willkürlich sei. Es komme aber darauf an, dass Motorradfahrer eine Regelmäßigkeit erkennen, die auch entsprechend kommuniziert werde. Laut Schorr sind sich alle Beteiligten einig, dass diese Lösung ein guter Kompromiss für alle involvierten Interessengruppen sei: »Die Region wird nicht grundsätzlich für Motorradfahrer gesperrt, gleichzeitig wird jedoch dem Ruhebedürfnis der Anwohner sowie aller Erholungssuchenden Rechnung getragen.«

Erste Hinweise auf die Sperrungen sollen bereits frühzeitig gegeben werden, um den aus der Region anreisenden Motorradfahrern die Möglichkeit zu geben, sich für Alternativstrecken zu entscheiden. Dabei soll versucht werden, auch elektronische Hinweistafeln an den Autobahnen zu nutzen. Die Sperrungen werden nicht alle Streckenabschnitte betreffen, die Teil der beiden Feldversuche im Mai und September 2019 waren.

Peter Riegel, stellvertretender Fachbereichsleiter für Straßenangelegenheiten beim Hochtaunuskreis, nannte die Abschnitte der L 3004 zwischen Hohemark und Sandplacken, beziehungsweise Arnoldshain und Abzweig Hegewiese sowie die L 3024 zwischen Sandplacken und der Abzweigung zum Feldbergplateau. Die Strecke zwischen Oberreifenberg und Sandplacken soll offen bleiben.

Darüber hinaus wird es an einigen Stellen, die aber erst noch definiert werden müssen, Geschwindigkeitsbegrenzungen geben - wo genau, werde noch festgelegt, erklärte Thomas Dietrich. Der Erste Polizeihauptkommissar kündigte Tempo-Kontrollen sowie Kontrollen an den jeweiligen Sperren an. Einige Tempolimits außerorts sind bereits angeordnet und umgesetzt. Sollte ein Sperrungswochenende mit einem Brückentag zusammenfallen, gelte die Sperrung für den gesamten Zeitraum des »langen Wochenendes«.

Maßnahmen zur Verkehrslenkung in umliegenden Kommunen geplant

Vizelandrat Schorr betonte, es habe bereits zahlreiche Gespräche mit den Anrainerkommunen beziehungsweise deren Verwaltungsspitzen gegeben. Schließlich sei davon auszugehen, dass es während der Sperrungen zu mehr Verkehr auf den Ausweichrouten kommen werde. Man stehe mit den Kommunen in engem Kontakt und werde ihnen bei der Umsetzung verkehrslenkender Maßnahmen in ihren Ortschaften behilflich sein. Das betreffe die besonders tangierte Gemeinde Schmitten, aber auch Königstein und Glashütten im Verlauf der B 8.

Schmittens Bürgermeisterin Julia Krügers sagte, dass wohl vor allem Niederreifenberg mit mehr Motorradverkehr zu rechnen habe. Sie sei aber froh, dass letztlich eine Kompromisslösung auf der Grundlage von Sachverstand gefunden worden sei, mit der man auch in Schmitten leben könne - zumal die Feldberginitiative mit einbezogen worden sei. Auch Krügers Glashüttener Kollege Ciesielski sprach von einem gelungenen Kompromiss und einem guten Konzept. Glashütten habe dabei die B 8 im Auge, wo flankierende Maßnahmen wie Tempo 30 nicht nur nachts, wie bereits jetzt, zu einer gewissen Entschleunigung des Durchgangsverkehrs führen werden. Motorradverkehr sei dabei nur ein Teilaspekt. Das Ordnungsamt werde personell aufgestockt und künftig häufiger kontrollieren.

Heike Mühlhans, Geschäftsführerin der ivm-GmbH, die die Auswertung des Testversuchs erarbeitet hatte, betonte, dass die Verkehrsbelastung durch Motorradfahrer im Feldberggebiet von der Lärmentwicklung, aber auch dem Umfang her eine komplette, dauerhafte Sperrung des Gebietes nicht gerichtsfest rechtfertige.

Konzept sieht sieben bis acht Lärmpausen pro Jahr vor

Das Konzept der sieben bis acht »Lärmpausen« im Jahr (von 2022 an) sei jedoch ein guter Kompromiss, der auch die regionale Bedeutung des Feldberggebietes für den Tourismus, die Wirtschaft und die Gastronomie sowie die lokale Infrastruktur abbilde. Denkbar seien auch begleitende Events wie zum Beispiel ein »Autofreies Feldberg-Wochenende«. Als Nächstes beschäftigen sich die Kreisgremien mit den Sperrungsplänen. Am Donnerstag - so die Planung - wird das Konzept dem Bau- und Verkehrsausschuss vorliegen.

Heftige Reaktion der Motorradfahrer

Die Reaktion hat nicht lange auf sich warten lassen. Der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) hat gestern die Pläne, Routen zum Feldberg an bestimmten Wochenenden für Biker zu sperren, heftig kritisiert und als Affront bezeichnet. Mit »Entsetzen, Enttäuschung und Verärgerung« habe man die vom kommenden Jahr an geplanten temporären Streckensperrungen für Motorräder zur Kenntnis genommen, heißt es in einer Erklärung des Verbands. Wie berichtet, sollen beliebte Zufahrten zum Feldberggebiet in der Zeit von April bis Oktober jeweils am zweiten Wochenende im Monat für Motorradfahrer tabu sein, um vor allem Anrainer vor Lärm zu schützen.

»Der BVDM wird die temporäre Streckensperrung, sollte sie wie angekündigt realisiert werden, juristisch prüfen und nach einer Prüfung gegen diese Maßnahme vor Gericht gehen«, kündigt der Verband an. Gleichzeitig sei man nach wie vor an einem »kons-truktiven Dialog und alternativen, wirksameren Maßnahmen zur Problemlösung« interessiert. Schon im März 2021 habe man den Landrat, die Bürgermeister von Schmitten und Oberursel sowie alle Parteien des Kreistages angeschrieben und solche Maßnahmen vorgeschlagen. Der Bitte um ein Gespräch sei die Politik aber nicht nachgekommen, auch sei der Brief nie beantwortet worden.

»Deshalb interpretiert der BVDM die Ankündigung des Kreisbeigeordneten Thorsten Schorr auch nicht als ›Kompromiss‹ (wie dieser behauptet), sondern als einen obrigkeitsstaatlichen Affront. Ohne jegliches Bemühen um Einbindung der Bürger in eine Problemlösung«, so der Verband.

Dass die temporäre Streckensperrung als »Lärmpause« bezeichnet wird, hält der BVDM für nicht glaubwürdig: »Die Analyse der präsentierten Testergebnisse hat ausdrücklich gezeigt, dass der Lärm nicht ›pausiert‹, sondern in andere Gemeinden, zum Beispiel Königstein, verlagert wird.« An den Wochenenden, an denen die Strecken nicht gesperrt sind, werde der Lärm weiterhin und vermutlich dann sogar verstärkt präsent sein, so der BDVM. Schließlich würden die Motorradfahrer dann voraussichtlich auf genau diese Wochenenden ausweichen. (Matthias Kliem)

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