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Wer hilft, wenn Omikron die Retter außer Gefecht setzt?

Coronavirus-Pandemie

Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte - So rüstet sich der Hochtaunuskreis für die Omikron-Variante

Omikron ist auf dem Vormarsch, die Inzidenzen steigen, und damit wächst auch die Angst, dass es zu Ausfällen in der sogenannten kritischen Infrastruktur kommt. Doch im Hintergrund gibt es längst Notfallpläne - auch im Hochtaunuskreis.

Hochtaunuskreis. Omikron ist auf dem Vormarsch, die Inzidenzen steigen, und damit wächst auch die Angst, dass viele Menschen gleichzeitig an dem Coronavirus erkranken und es zu Ausfällen in der sogenannten kritischen Infrastruktur kommt. Hinter den Kulissen wird eifrig an Plänen zur Sicherstellung der wichtigen Bereiche des staatlichen Gemeinwesens gefeilt - auch im Hochtaunus. Katastrophenschutz, Kliniken, Rettungsdienste und Polizei sind noch gelassen, »Grund zur Sorge« gebe es zwar, für Panik aber nicht.

Der Landkreis sieht sich für Omikron gut gerüstet. Auf Anfrage wird erklärt: Der zu Beginn der Pandemie eingesetzte Verwaltungsstab tagt regelmäßig. Unter Vorsitz von Landrat Ulrich Krebs oder des Ersten Kreisbeigeordneten Thorsten Schorr (beide CDU) beraten Gesundheitsamt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Rechtsamt sowie nicht polizeiliche Gefahrenabwehr mit Kreisbrandinspektor Carsten Lauer die Lage. Externe Experten, Mitarbeiter der Kliniken und der Polizei werden hinzugezogen. Zudem arbeitet der Kreis direkt mit dem Hessischen Sozial- und dem Innenministerium zusammen.

Landrat Krebs sieht Hochtaunuskreis gut aufgestellt

Landrat Krebs mahnt zur Vorsicht, sieht den Landkreis aber gut aufgestellt. »Wir haben ein standardisiertes, mehrstufiges Verfahren. Sollten im Kreis viele Menschen erkranken, sind wir auch darauf eingerichtet«, erklärt Krebs. Der Erhalt der Einsatzbereitschaft der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes habe Priorität. Notfalls könne zum Beispiel bei der Kontaktnachverfolgung auch wieder auf die Bundeswehr zurückgegriffen werden.

»Wir sind vorbereitet, wir können alle Dienste besetzen - kein Grund zur Panik«, sagt auch Axel Bangert, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Hochtaunus. Derzeit hält er die Lage noch für beherrschbar. Der DRK-Landesverband habe die örtlichen Ehrenamtsstrukturen vorsorglich in Alarmbereitschaft versetzt. »Unsere Bereitschaften mit ihren rund ein Dutzend Rettungs- und Krankentransportwagen stehen auch jetzt schon im Hintergrund bereit, jederzeit auszurücken, wenn der hauptamtliche Rettungsdienst überlastet ist«, so Bangert. Sollte sich die Lage durch Omikron verschärfen, dürfte dies häufiger der Fall sein. Schon jetzt müssten ehrenamtliche Bereitschaften in den Krankentransport eingebunden werden: »Die Bettenknappheit in den Kliniken führt zu Verlegungsfahrten in zum Teil weit entfernte Klinken, bis nach Korbach. Währenddessen fallen die Rettungsmittel, die etliche Stunden unterwegs sind, daheim aus«, berichtet der DRK-Geschäftsführer.

Extreme Dauerbelastung sorgt für Ausfälle bei Rettern, Helfern und Pflegern

Felix Seegert, Leiter Rettungsdienst, steht täglich im Austausch mit Prof. Volker Lischke, dem ärztlichen Leiter Rettungsdienst als Schnittstelle zwischen DRK und Krisenstab. Hohe Krankenstände meldet er nicht: »Natürlich gibt es Kranke, aber nicht wegen Corona - einige sind nach der extremen Dauerbelastung einfach nur durch und brauchen eine Verschnaufpause. Zwölf Stunden mit Mundschutz, das geht an die Substanz«, so Seegert.

Bei den Hochtaunus-Kliniken gibt es nach Auskunft von Geschäftsführerin Dr. Julia Hefty seit 2020 einen Krisenstab, in dessen Fokus neben der Versorgung der Krankenhäuser mit Fachpersonal auch die Belegung der Betten, insbesondere der Intensivbetten, liegt. Zur Bettenreserve bei einer Verschärfung der Omikron-Lage kann Hefty keine konkrete Aussage treffen, »das kommt darauf an, wie viele Nicht-Covid-Patienten dann noch behandelt werden«, sagt die Klinikchefin. Einzelzimmer zu Mehrbettzimmern machen - das sei keine Alternative. Das scheitere schon an den Anschlüssen.

Für den Fall überbordender Omikron-Fälle gibt es Notfallpläne. Dann werden, häufiger als bereits jetzt, Patienten mit Rettungswagen oder auch Helikoptern verlegt. »Zunächst innerhalb des Versorgungsgebietes, dann in Hessen, dann innerhalb Hessens und Rheinland-Pfalz, dann bundesweit«, so Hefty. Die Klinikchefin glaubt, auch bei einer sich verschärfenden Lage personell über die Runden kommen zu können. Urlaubssperren hält sie für »kein gutes Instrument«, zumal Ende Januar/Anfang Februar ohnehin keine bevorzugte Urlaubszeit sei. Zur Verstärkung Personal aus dem Ruhestand zu holen, sei nur in absoluten Einzelfällen möglich.

Die OP-Pläne in den Hochtaunus-Kliniken seien noch stabil: »Wir führen zurzeit ohnehin nur dringende und notwendige OPs durch«, so Hefty.

Schichtmodell seit Pandemiebeginn steht Einsatzfähigkeit der Polizei sicher

Gewährleistet sei auch die Funktionsfähigkeit der Polizei - »an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt in Hessen und damit auch im Hochtaunus. Wir sind zu weit über 80 Prozent durchgeimpft«, sagt Hauptkommissar Ingo Paul, Pressechef des Polizeipräsidiums Westhessen, zu dem die Polizeidirektion Bad Homburg gehört.

Ein landesweit einheitliches, auf Kontakt- und Überschneidungsvermeidung angelegtes Schichtmodell stelle seit Beginn der Pandemie die Einsatzbereitschaft jederzeit sicher. Ermittelt und verwaltet werde so weit möglich im Homeoffice. Temporäre Ausfälle durch Infektionen oder Verdachtsfälle könnten durch Personalverschiebung im Polizeipräsidium oder durch Zuweisung von Kräften der Bereitschaftspolizei kompensiert werden, sagte Paul.

So wenige Kontakte wie möglich

Bei den Feuerwehren im Hochtaunuskreis gibt es derzeit weder Lehrgänge noch Präsenzveranstaltungen oder Übungen. Ziel ist die Kontaktvermeidung. Infektionsschutzkleidung bei Einsätzen mit Patienten ist vorgeschrieben, ausrücken dürfen nur Geimpfte, Genesene oder täglich Getestete mit FFP 2-Masken.

Uwe Riehl, Rotkreuzbeauftragter im DRK-Kreisverband Hochtaunus, »bleibt erst einmal optimistisch«. Ein Einsatzstab sei eingerichtet, er halte sich für den Ernstfall bereit. Zur Gesunderhaltung der Truppe verzichte man weitestgehend auf persönliche Kontakte. Schutzmaterialien seien genügend vorhanden, ebenso Selbsttests für Ehrenamtliche.

Kontaktvermeidung und die Vorhaltung von Schutzmaterial für die Mitarbeiter gilt auch auf der DRK-Rettungswache in Bad Homburg: »Auf der Wache dürfen sich nur die Diensthabenden aufhalten«, sagt Felix Seegert, Leiter Rettungsdienst.

Auch bei der Polizei wurden Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten und der Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes getroffen, lässt das Polizeipräsidium Westhessen erklären. Dazu gehören die Steigerung der Hygieneressourcen (Einweghandschuhe, Mundschutz, Desinfektionsmittel, Plexiglasscheiben und Schutzvorhänge in Streifenwagen), die Reduzierung von Besprechungen und Fortbildungen, Dienst-Laptops und -Smartphones für die Arbeit im Homeoffice. Ferner wurde ein polizeieigenes Covid-19-Abstrichzentrum beim Polizeiärztlichen Dienst eingerichtet.

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