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Rettung auf dem kurzen Dienstweg

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Um im Notfall den Regel-Rettungsdienst unterstützen zu können, waren am Samstag 18 Kräfte aller DRK-Bereitschaften im Usinger Land im Einsatz, auch in Neu-Anspach, wo (von links) Melanie Messer, Stephan Junge, Oliver Orlopp, Sven Urban, Matthias Bansa aber nicht ausrücken mussten. © DRK-PRESSESTELLE

In Hessen müssen Einsatzstellen binnen zehn Minuten ab Alarmierung erreicht und erste Maßnahmen eingeleitet sein. Das gilt nicht nur für die Feuerwehr, sondern auch für den Rettungsdienst. Gerade im ländlichen Bereich ist das bei widrigen Verkehrsverhältnissen, etwa heftigem Schneefall, bisweilen aber schwierig, wie es sich gerade am vergangenen Wochenende im Usinger Land gezeigt hat.

Usinger Land . Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz: Nach dem Großbrand in der Silvesternacht in Bad Homburg, zu dessen Bekämpfung auch rund 60 ehrenamtliche Kräfte des DRK Kreisverbandes Hochtaunus und seiner örtlichen Bereitschaften beigetragen haben, mussten am Samstag morgen erneut knapp 20 Helferinnen und Helfer ihre Wochenendruhe unterbrechen, witterungsbedingt. Nach zum Teil heftigen Schneefällen in den höheren Lagen des Taunus wurde die Multifunktionale Einheit 5 (MFE 5) im Usinger Land alarmiert, um bei den mit dem plötzlichen Wintereinbruch verbundenen Verkehrsverhältnissen und dem Stromausfall in Teilen des Usinger Landes zu unterstützen. Die DRK-Helfer besetzten wie die Feuerwehren ihre Unterkünfte in Usingen, Neu-Anspach, Schmitten und Weilrod, um für die Bevölkerung im Notfall Ansprechpartner zu sein.

Auf Abruf in der DRK-Unterkunft

Ferner unterstützten sie den Regelrettungsdienst als First Responder. »Bei solchen Wetterereignissen benötigt der Regelrettungsdienst zwangsläufig länger, um die Einsatzorte zu erreichen, auch funktionieren unter Umständen bei einem Stromausfall die Kommunikationswege nicht mehr«, begründete Kreisbereitschaftsleiter Mark Henning die Notwendigkeit, die ehrenamtlichen Kräfte der Bereitschaften vom Frühstückstisch wegzuholen. Über den Digitalfunk können Hilfeersuchen direkt an die Rettungsleitstelle weitergegeben werden. Die eingesetzten Rettungswagen der Ortsvereinigungen sind so ausgestattet, dass sie jederzeit reguläre Patiententransporte übernehmen können.

Die Teams der zum Teil über Allradantrieb verfügenden Mannschaftswagen sind als Sanitäter und als Voraushelfer, im Fachjargon »First Responder«, ausgebildet. Sie verfügen über Notfallrucksäcke, Sauerstoff und Defibrillatoren und können die Erstversorgung von Notfallpatienten übernehmen bis diese von einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden können.

Unter der Führung von Sven Urban und Bea Heinz, Bereitschaftsleiter der Ortsvereinigungen Neu-Anspach und Weilrod, standen am Samstag 18 ehrenamtliche Rotkreuzler mit den beiden Rettungswagen der Bereitschaften Usingen und Wehrheim sowie vier Mannschaftswagen von 8 bis 12 Uhr in den DRK-Unterkünften in Usingen, Neu-Anspach, Weilrod, Wehrheim und Schmitten sowie der Bergwacht Großer Feldberg bereit, kamen aber zum Glück nicht zum Einsatz. Wegen des gleichzeitig schneebruchbedingten Stromausfalls in weiten Teilen des Usinger Landes standen zudem die in Neu-Anspach und Friedrichsdorf stationierten mobilen Stromerzeuger in Bereitstellung. Beide verfügen über eine Leistung von 60 KVA, genug, um 20 Einfamilienhäuser oder, im Katastrophenfall, Evakuierungsräume, etwa eine Schule, ein Bürgerhaus oder eine Rettungswache, mit Strom zu versorgen.

Hilfsfrist möglichst wahren

Nicht bei jeder Verkehrs-, und Wetterlage lässt sich die in Hessen gesetzlich vorgegebene 10-minütige Hilfeleistungsfrist einhalten. Vor allem in ländlicheren Bereichen brauchen die Rettungsdienste bisweilen mehr Zeit bei der Anfahrt. Die Frist bis zum Eintreffen wird häufig bis auf die letzte Minute ausgeschöpft - eine geschlossene Bahnschranke, ein umgestürzter Baum, eine nicht gebildete Rettungsgasse oder auch eine Schneewehe reichen da schon aus, wertvolle Zeit zu verlieren. Die Distanz zwischen Rettungswache und Einsatzort ist dabei der kritische Faktor. Von großer, oft lebensrettender Bedeutung ist es da, wenn die so genannten »First Responder« (FR) die Zeit ab dem Eingang des Notrufs bei der Zentralen Leitstelle bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder des Notarztes beim Patienten überbrücken.

»Wir haben im Hochtaunus aber nicht nur ein Netz von Rettungswachen, das dicht genug geknüpft ist, um im Normalfall Rettung innerhalb der Hilfeleistungsfrist sicherzustellen, sondern auch bestens aufgestellte Bereitschaften in unseren Ortsvereinigungen, die im Notfall mit ehrenamtlichem Personal und eigenen Rettungstransportwagen einspringen können, um die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes, bzw. der hauptamtlichen Rettungsdienstkollegen überbrücken zu können.«, erläutert der Rotkreuzbeauftragte des Kreisverbandes, Uwe Riehl.

First Responder retten Leben

Bei der meist verbreiteten Form des Herzkreislaufstillstandes - dem Herzkammerflimmern - sinken die Überlebensraten eines Patienten pro Minute um zehn Prozent. Bedingt durch den örtlichen und zeitlichen Vorteil erzielt ein First Responder-Team im Schnitt mehrere Minuten Vorsprung vor dem Rettungsdienst. Wenn wie am Wochenende die Rettungswagen der angrenzenden Rettungswachen witterungsbedingte Probleme die Einsatzfahrten verzögern, ist der lebensrettende Vorsprung der lokalen Kräfte oft noch größer. Die wichtigsten Maßnahmen der Sanitäter sind die lebenserhaltenden Basismaßnahmen wie die richtige Lagerung des Patienten, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Frühdefibrillation, Sauerstoffgabe, Wärmeerhalt, Lagemeldung bei Verkehrsunfällen.

Mit Eintreffen des Rettungsdienstes bzw. des Notarztes wird der Patient an diesen übergeben und die Kollegen in ihren Maßnahmen unterstützt. »Wir können bei diesen Einsätzen jede helfende Hand gut gebrauchen - wer unseren Rettungsdienst also unterstützen und sich entsprechend ausbilden lassen möchte, kann sich jederzeit an unsere örtlichen Bereitschaften wenden und ist herzlich willkommen«, sagt Uwe Riehl.

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