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Und wieder verändert sich das Gesicht der Stadt Usingen: Das Areal zwischen Pestalozzistraße und Hattsteiner Allee im Jahr 1959, Blickrichtung Eschbach. Nun sollen auf dem ehemaligen Schulgelände neue Wohnungen gebaut werden. Das städtebauliche Konzept im Bebauungsplan für das 1,84 Hektar große Areal sieht die Errichtung von 124 Wohneinheiten vor. FOTO EINGEREICHT VON FRIEDEBERT VOLK

Vor 100 Jahren

Revolverkugel in der Zimmerdecke

Usingen, 2. Januar. Die Sylvesternacht verlief auch diesmal in der gewohnten Weise. Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern erreichte beim Ertönen des Glockenschlages 12 Uhr seinen Höhepunkt. Wenn auch den Feuerwerkskörpern keine große Bedeutung beigelegt werden kann, so ist es als eine große Rohheit zu betrachten, wenn junge Leute mit Waffen vor den Wohnhäusern schießen.

So wurde einem Einwohner in der Kreuzgasse von einer Revolverkugel ein Fenster durchschlagen. Die Kugel drang in die Zimmerdecke ein. Glücklicherweise befand sich niemand im Zimmer. Neu dürfte sein, daß sich diesmal junge Mädchen am Werfen von Feuerwerkskörpern beteiligten. Usingen, 11. Januar. »Lichtbilder-Vortrag über Deutsch-Ostafrika im Frieden«. Wir weisen noch einmal nachdrücklich auf den Vortrag des Pflanzers Karl Vieweg hin, der heute Abend im Adlersaale stattfindet. Niemand sollte diese günstige Gelegenheit versäumen, an der Hand eines Fachmannes dieses Stück unvergeßlichen Deutschen Koloniallandes kennenzulernen.

Usingen, 12. Januar. Unter den Klauenviehbeständen des Bürgermeisters Mai zu Hausen und des Landwirts Aug. Wilh. Becker 2ter zu Eschbach ist der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt. Die Gehöfte sind gesperrt worden.

Bad Homburg, 12. Januar. Gestern wurde hinter der Station Köppern ein Insasse der Anstalt Hüttenmühle vom Zuge überfahren und getötet. Ob Selbstmord oder Unglücksfall vorliegt, ist schwer festzustellen. Der Ueberfahrene war allerdings schwerhörig, und es ist anzunehmen, daß er von dem Herannahen des Zuges nichts gehört hat.

Usingen, 13. Januar. Der am vergangenen Mittwoch von der Kriegerkameradschaft veranstaltete Vortragsabend über Deutsch-Ostafrika erfreute sich eines guten Zuspruchs. Die Besucher kamen durchaus auf ihre Kosten. In reicher Auswahl wurden Bilder vorgeführt, begleitet von den warmen Worten des Redners, die einen Einblick gewährten in das wohl schöne, aber auch an Schwierigkeiten so reiche Leben unserer Vorkämpfer in den Kolonien. Man erhielt einen klaren Begriff von der Entstehung einer landwirtschaftlichen Siedlung in unserer ehemaligen Kolonie, lernte die Pflanzen- und Tierwelt kennen und gewann eine gute Vorstellung von dem Leben und Treiben der Eingeborenen im Dienste der Deutschen und in der eigenen Wirtschaft.

Usingen, 14. Januar. Der in den letzten Tagen eingetretene Schneefall, der heute stärker einsetzte, hat überall herrliche Rodelbahnen geschaffen. Jung und Alt widmen sich in den freien Stunden dem gesunden Rodelsport, der uns im Winter 1920/21 gänzlich versagt geblieben war. Jeder Sport aber, so auch der Rodelsport, ist gefahrlos, wenn man die nötige Vorsicht bewahrt und die dazu ergangenen Vorschriften beachtet. So ist z. B. durch eine Regierungs-Polizeiverordnung vom 29.10.1909 verboten, auf den Rodelbahnen sowie auf den öffentlichen und privaten Straßen und Wegen, auf denen das Rodeln zugelassen ist, sogenannte »Bobsleighs« zu benutzen. Aber auch polizeilich verboten ist das Aneinanderkoppeln mehrerer Rodelschlitten. Gerade durch den Unfug des Aneinanderbindens der Schlitten ereignen sich Unfälle, die von weittragender Bedeutung sein können. Ferner dürfen auf einem Schlitten höchsten zwei Erwachsene oder drei Kinder unter 15 Jahren Platz nehmen. Es empfiehlt sich, daß die Eltern ihre Kinder auf diese Bestimmungen eindringlich aufmerksam machen, um Unfälle beim Rodeln zu vermeiden. Kreisblatt 1922

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