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Ines von Stephanidz zeigt im Hessenpark als Vorführhandwerkerin im Backhaus aus Probbach, wie einst Weihnachtsspezialitäten gebacken wurden.

Richtig eingeheizt

Vom 1. bis 24. Dezember bieten wir den Lesern des Usinger Anzeigers jeden Tag eine kleine oder große Geschichte - informativ, spannend oder zum Schmunzeln - und begleiten so journalistisch die Tage bis Heiligabend.

Neu-Anspach . Das metallische Quietschen der schmiedeeisernen Ofentür klingt genauso wie man es sich vorstellt. Kaum sind der schwere Riegel und die Tür geöffnet, sieht man drinnen bereits die Flammen lodern und das glühende Holz knistern. Iris von Stephanidz schiebt noch einen der bereitstehenden Buchenholz-scheite in den Ofen des Backhauses aus Probbach. Erstmals wurde darin Ende des 18. Jahrhunderts von der Dorfgemeinschaft des heutigen Ortsteils von Mengerskirchen Brot gebacken.

1976 wurde das »Backes« dort abgebaut und aus dem Landkreis Limburg-Weilburg in den Taunus transportiert. Zwei Jahre später im Freilichtmuseum Hessenpark wiederaufgebaut, wird der Ofen dort immer wieder angeheizt. Vor jedem dieser Adventswochenenden facht die Museums- und Theaterpädagogin darin die Flammen an.

Mit »Schmackes« vom Schieber lösen

Alleine schon an ihrer historischen Hausfrauen-Arbeitskleidung unterscheidet sich Iris von Stephanidz von den anderen Besucherinnen. Als Vorführhandwerkerin des Freilichtmuseums lässt sie sich an jedem Adventswochenende im Backhaus aus Probbach bei der Arbeit über die Schulter schauen. »Für gewöhnlich wird hier an der offenen Herdstelle anlässlich des Museumstheaters von historisch gekleideten Hausfrauen das gebacken, was in den jeweiligen Epochen üblich und möglich war.«

Als studierte Kunsthistorikerin und Archäologin war für sie bereits die Recherche nach alten, traditionellen Rezepten ein Genuss. Stets wurde ihr bei der Suche nach leckerer heimischer Kost klar, warum, wo, wann und was gerade auf den Tisch kam.

Persönlich ist für sie die Arbeit, gerade auch die Vorführungen als Frieda Sommer - eine Frau die tatsächlich einst im benachbarten Haus aus Eisemroth gelebt hatte - eine schöne Reise in die Vergangenheit und die eigene Biografie. »Ich habe selbst noch von meiner Mutter das Brotbacken gelernt«, berichtet die 50-Jährige. »Auch bei meiner Oma durfte ich als Kind den Brotteig kneten. Als Jugendliche habe ich deren Bollerwagen mit Broten drauf vom Backhaus zu ihr nach Hause gezogen.«

So erlebte sie das Brotbacken in mehrfacher Hinsicht als Genuss: Mit den Händen durfte sie den Teig kneten, naschte natürlich auch vor dem eigentlichen Backen den Teig aus der Schüssel. Sie weiß ebenso noch von früher, wie es sich anfühlt, wenn der Teig in den mit Mehl ausgepuderten Gärkorb gelegt wird, wo er in Form kommt.

»Auch bei den Vorführungen wird der so geformte Brotteig dann mit dem Brotschieber in den Ofen eingeschossen«, berichtet von Stephanidz von ihrer Arbeit. »Das muss schnell passieren mit Schmackes, damit sich der Brotteig schnell vom Schieber löst. Und zuletzt erfüllt natürlich der herrliche Duft die Backstube.«

An den nächsten drei Adventswochenenden lädt das Freilichtmuseum Hessenpark in der Vorweihnachtszeit zu sogenannten Adventsspaziergängen ein. Dabei können die Besucher nicht nur die historischen Gebäude des Museums besichtigen:

An ausgewählten Standorten - so auch im Backes aus Probbach - bieten Vorführhandwerker und Aussteller die Möglichkeit, bei der Arbeit in historischer Umgebung zuzuschauen oder schöne Geschenkartikel zu kaufen.

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