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»Charmantes, aber ungeordnetes Sammelsurium«: das Feldberg-Plateau.

Feldberg-Plateau

Schlafender Riese: Kreistagsfraktionen wollen Feldberg touristisch attraktiver gestalten

Die Fraktionen im Kreistag des Hochtaunuskreises sind sich einig: Der Feldberg soll touristisch attraktiver werden. Über das Konzept und das Tempo gibt es allerdings noch Diskussionen.

Schmitten. Dass der Feldberg als wegweisende Landmarke des Hochtaunus großes kulturhistorisch-touristisches Potenzial birgt, daran zweifelt im Kreistag offenbar niemand. Und auch die Überlegungen, dieses Potenzial mittels eines Gesamtkonzeptes unter Einbeziehung aller »Stakeholder«, zu denen nicht nur die umliegenden Kommunen, der Tourismus, Naturpark, Taunusklub und zuvorderst auch die Umwelt gehören, behutsam zu heben, werden von den meisten Fraktionen irgendwo zwischen nötig, sinnvoll und wünschenswert eingeordnet.

Allein beim Tempo des konzeptionellen Gipfelsturms scheiden sich die Geister ein wenig. Der Kreistag hat am Montag auf Antrag der CDU/SPD/FW-Koalition mit den Stimmen aller Fraktionen, außer denen der Linken, beschlossen, in den Ausschüssen ein Gesamtkonzept für die Nutzung des Feldbergplateaus zu erarbeiten. Dabei soll es auch darum gehen, ob eine »touristische Seilbahn« realistisch ist. Grundlage soll dabei die von der Kreisverwaltung vorgenommene Fortschreibung des Gutachtens zur touristischen Weiterentwicklung der Feldbergregion von 2008 sein.

FDP drückt aufs Tempo

FDP-Fraktionschef Dr. Stefan Naas war zwar an einer rascheren Erledigung gelegen, einer zielführenden Überweisung des Antrags in die Fachausschüsse wollte er sich aber auch nicht entgegenstellen. Zustimmung der Liberalen dafür gebe es aber nur, wenn die Ausschüsse auch abschließend entscheiden.

Ein Zurückspielen an den Kreistag dürfe es dann nicht geben. Die Fraktion der Linken war zwar nicht gegen ein solches Konzept, aber gegen die finale Beschlussfassung im Ausschuss. Dort dürften sie zwar mitreden, mangels Fraktionsstatus aber nicht mitstimmen, sagte Linken-Sprecher Werner Frey.

Viele Menschen im Kreis hätten eine sehr emotionale Bindung zum Feldberg, der auf der Grundlage eines Gesamtkonzepts unter Federführung des Hochtaunuskreises unter Einbindung von Schmitten, Königstein und Glashütten weit mehr sein könne als das vielleicht charmante, irgendwo aber auch ungeordnete Sammelsurium, das derzeit da oben anzutreffen sei, sagte FDP-Sprecher Holger Grupe. Der neue Feldberghof sei ein, wenn auch kostspieliges, so doch gelungenes und begeisterungsfähiges Beispiel dafür, wie sich der Kreis auf dem Gipfel engagiere. Der Feldberg sei ganzjährig ein Anziehungspunkt für hunderttausende Besucher. Das derzeitige Angebot, abgesehen vom Gipfelgasthaus, werde dem aber nicht gerecht.

Zur umweltverträglichen Aufwertung des Gipfels sei vieles möglich, vom Baumwipfelpfad über einen Kletterpfad, eine Sommerrodelbahn über eine touristische Seilbahn zwischen Gipfel und Hohemark bis hin Ski-. Langlauf- und Rodelpisten und Naturpädagogik, schwärmte Grupe.

Neben den ökologischen Aspekten sollten vor allem die touristische Nutzung sowie der Heilklimapark aufgewertet werden, wobei auch an eine Teilnutzung der Liegenschaften der Gesellschaft Deutsche Funkturm möglich sei. Die FDP denkt hier an eine Dependance des Taunus Informationszentrums (TIZ) im Rundbau unterhalb des »dicken Turms«.

Von den Grünen eingebrachte, noch mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Überlegungen wurden von der FDP in ihren Antrag übernommen. Frauke Thiel wollte für die Grünen in dem Konzept Naturschutz, Besucherlenkung, die Verzahnung gastronomischer Angebote sowie Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung in der Gipfelregion verankert wissen. Um eine Beteiligung aller Akteure sowie einen konstruktiven Austausch zu ermöglichen, soll, so die Grünen, eine Kommission gebildet werden, der unter anderem auch die Naturschutzverbände, der Naturpark, die Verkehrswacht sowie die Touristikakteure DEHOGA und Taunus-Touristic-Service angehören.

Wie die FDP, sind auch die Grünen davon überzeugt, dass die Qualität der Feldbergregion auf der Landschaft und dem Naturraum Feldberg beruht. Ziel müsse es sein, und auch darin sind sich die beiden Fraktionen einig, diese Qualitäten langfristig zu erhalten und den Schutz der Naturräume immer im Blick zu haben, ohne »Over-Tourism« zu riskieren. Sanfter und naturnaher Tourismus müsse die Maxime sein.

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