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Emily aus Oberreifenberg hat mit ihren Klassenkameraden Ali, Jinpil, Noel und Sozette (von links) Spenden in der ganzen Schule gesammelt und Päckchen für die Bewohner des Eltern-Kind-Hauses »Weitblick« in Hunoldstal gepackt.

»Einfach schön, Geschenke zu machen«

Schmitten. »Wenn an Heiligabend Bescherung im Eltern-Kind-Haus ›Weitblick‹ in Hunoldstal ist, ist die Freude hoffentlich groß«, wünscht sich Emily Griegal. Die 16-jährige Oberreifenbergerin ist Schülerin der elften Klasse der Frankfurt International School (FIS) in Oberursel und hat ihre Mitschüler der neunten bis zwölften Klassen in ihr lokales Wohltätigkeitsprojekt »Weihnachten im Schuhkarton« miteinbezogen.

Eigentlich wollte sie im »Weitblick« einen Nähkurs für junge Mütter anbieten. Aber wegen Corona war das nicht umzusetzen. Ihre Mutter habe sie dann auf die Idee mit den Schuhkartons gebracht. Im Haus »Weitblick« sollen Mütter und Väter in Notlagen zusammen mit ihren Kindern den Weg zurück in ein selbstständiges Leben finden. Emily kennt die Bewohner nicht, weiß aber aus Gesprächen mit Einrichtungsleiterin Tamara Scheidt, dass es vor allem an Dingen fehlt, die für viele andere selbstverständlich sind.

Mit ihrer Idee stieß sie bei ihren Lehrern auf Unterstützung. »Alle 30 Oberstufenklassen mit jeweils 15 bis 20 Schülern haben vier Wochen lang gesammelt«, erzählt die Oberreifenbergerin. Mit Postern in den Klassen und Aufrufen in der Online-Schulzeitung hat sie für ihre Sache geworben. Als Anhaltspunkte hatte sie zuvor Ideen zusammengestellt, worüber sich junge Frauen und Männer sowie Kinder vom Säuglingsalter bis zu fünf Jahren freuen könnten.

»Zum Schluss hatten wir für jedes Kind ein Milchfläschchen und sehr viel mehr Kosmetikartikel, befüllbare Getränkeflaschen, Notizblöcke mit Stiften, Schokolade, Schals, Kinderkleidung und Spielsachen, als wir für die 30, schon groß bemessenen Schuhkartons brauchten«, erzählt Emily strahlend. Die Spender sollten übrigens nicht selbst ein Päckchen packen. Auch das übernahm die junge Reifenbergerin mit Klassenkameraden.

Ali, Jinpil, Noel und Sozette sortierten erst vor, was in die Päckchen für die Mütter, Väter und Kinder unterschiedlichen Alters hinein soll und verteilten die Sachen dann auf die Kartons. »Am Anfang war es nicht leicht zu sehen, was vielleicht einem Einjährigen oder einem Dreijährigen passen könnte, aber dann bekam man einen Blick dafür«, meinte Sozette.

Angesichts der vielen Spenden, die noch übrigen waren, stellte Emily fest: »Wir könnten noch einmal so viele Päckchen packen.« Aber keine Spende sollte umsonst gewesen sein. Als sie merkte, dass die Gaben ihrer Mitschüler den Bedarf sprengen würden, sprach sie einen der Lehrer darauf an. Der leitete die restlichen Sachen an andere Institutionen für Kinder und bedürftige Menschen weiter.

Ihre Päckchen für die »Weitblick«-Bewohner, dazu Spiele, die alle nutzen können, gaben die Jugendlichen vor dem Fest bei der Einrichtungsleiterin ab. »Die Anonymität der Klienten sollte ja gewahrt bleiben, wir haben sie also nicht kennengelernt«, erklärt Emily.

Aber sie ist überzeugt, dass die Überraschung gelungen ist und die Geschenke gerne angenommen wurden. »Eigentlich ist Weihnachten im Schuhkarton nichts Neues, aber diejenigen, die im ›Weitblick‹ wohnen, rechnen bestimmt nicht damit«, ist sich Emily sicher. »Für uns selbst ist es auch ein tolles Gefühl, persönliche Geschenke machen zu dürfen.« EVELYN KREUTZ

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