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Hoffnung auf Erhalt der Kirche in Niederreifenberg

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Die Niederreifenberger haben Hoffnung, dass ihre Kirche doch nicht verkauft wird und daraus ein familienpastorales Zentrum werden kann. © Red

Entgegen dem Sparprogramm der katholischen Kirche bietet sich in Niederreifenberg die Chance auf den Erhalt des Gotteshauses: mit einer Ausweitung der Kinderbetreuung.

Schmitten-Niederreifenberg. Das Bistum Limburg und auch die Kirchengemeinde St. Franziskus und Klara Usinger Land müssen sparen. Der Verkauf mehrerer Immobilien steht zur Diskussion. Ende vergangenen Jahres schlugen in Niederreifenberg die Wellen hoch, weil die Kirchliche Immobilienstrategie (KIS) des Bistums vorsah, Gemeindezentrum und Pfarrhaus Niederreifenberg zügig zu veräußern.

»Die Situation für Niederreifenberg hat sich etwas gewandelt«, stellt Theo Usinger, Vorsitzender des Ortsausschusses, fest. In der früheren Zusammensetzung der KIS-Kommission sei es in erster Linie darum gegangen, welche Gebäude sich schnell zu Geld machen lassen. Unter diesem Aspekt habe die Kirche St. Johannes der Täufer schlechte Karten gehabt. Denn das Gotteshaus wurde erst 1979 gebaut, während die Kirchen der Nachbarorte alle unter Denkmalschutz stehen.

»Die neue Kommission bewertet auch, wo es genug Parkplätze, einen behindertengerechten Zugang und Engagement innerhalb der Gemeinde gibt«, berichtet Usinger. Aus seiner Sicht schwebt das Damoklesschwert nicht mehr ganz so nah über dem Kirchort mit seinen immerhin 709 Mitgliedern. »Wir haben Hoffnung«, meint Usinger.

Hintergrund ist, dass Kirche, Pfarrhaus und die Kita Taunuswichtel mit ihren aktuell zwei Gruppen für Kinder von zwei bis fünf Jahren und eine altershomogene Gruppe für bis zu 25 Vorschul- und »Kann-Kinder« zusammen betrachtet werden.

In der pastoralen Einschätzung der KIS heißt es zwar in Bezug auf die Kirche: »Von der Auslastung her für den aktuellen Bedarf nicht notwendig, die Kontaktstelle ist ebenfalls nicht zwingend nötig.« Und die Zahl der Kirchenbesucher war bei der letzten Zählung im Jahr 2020 nicht zuletzt durch Corona bedingt auf durchschnittlich 30 zurückgegangen. Aber es ist eine weitere Überprüfung vorgesehen. Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie erstellt für ein Zentrum mit dem Schwerpunkt »familienpastoraler Nutzung«.

Fünf Kita-Räume wären möglich

Denkbar wäre es, in den Gemeinderäumen insgesamt fünf Kita-Gruppen unterzubringen und einen multifunktionalen Raum einzurichten, der auch als Kirche und Versammlungsraum der Gemeinde dienen könnte. Unter dieser Voraussetzung könnte der gesamte Komplex als Gemeindezentrum erhalten bleiben.

Wenn dies nicht möglich ist beziehungsweise nicht genehmigt wird, wäre ein Verkauf nicht abzuwenden. Allein die Kirche hat einen hohen Sanierungsbedarf, der für die nächsten zehn Jahre auf knapp 400 000 Euro beziffert ist. Der Eigenanteil der Gemeinde liegt bei etwas über 61 000 Euro bei Rücklagen von 16 569 Euro. Die jährlichen Betriebskosten betragen 7577 Euro.

Hoher Sanierungsbedarf

Auch die Kita hat langfristig einen hohen Sanierungsbedarf von über 270 000 Euro bei einem Eigenanteil von rund 50 000 Euro und Rücklagen von 3542 Euro. »Im Moment braucht die Kommune die Kita-Plätze, jedoch steht eine Erweiterung aktuell nicht zur Diskussion«, so die KIS-Bewertung. Der Kita-Neubau der Kommune in Oberreifenberg sei abzuwarten.

Daraus könnten sich neue Entwicklungen ergeben. Bis dahin werde der Status quo beibehalten und für die Kita vorerst keine Klassifizierung im Rahmen des KIS-Projekts vorgenommen. Usinger sagt: »Wir sind nach wie vor offen für Gespräche mit der Kommune, sollte es für den Kita-Neubau der accadis International School keine Förderung geben, könnte das Gemeindezentrum als Kindergarten genutzt werden.«

Dann gebe es vielleicht auch die Chance, das Pfarrhaus gemeinsam mit dem Gemeindezentrum zu betrachten. Das ist als pastoral nicht notwendig eingestuft und wird auch zukünftig nicht für pastorale Mitarbeiter benötigt. Das Gebäude erzielt aktuell keine Gewinne, da die drei Wohnungen für Sozialfälle fremdvermietet sind. Ein finanzielles Engagement der Gemeindemitglieder zum Erhalt der Niederreifenberger Kirche hat der Ortsausschuss laut Usinger bisher noch nicht in Erwägung gezogen. »Die Mitglieder, die vor über 40 Jahren in den Bau der Kirche im Zassenrainweg investiert haben, sterben langsam weg«, stellt er fest.

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