Schmittener BI "Kein Haus im Wald" wettert gegen "Betongold"

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SCHMITTEN - (kh). "Auch erteilte Baugenehmigungen einer Bauaufsichtsbehörde können rechtswidrig sein, genauso wie erteilte Bebauungspläne von einer Gemeindevertretung. Und dies gilt es im Fall der Else Kröner-Fresenius-Stiftung rechtlich klären zu lassen." Mit dieser Stellungnahme reagierte die Bürgerinitiative "Kein Haus im Wald" auf die Nachricht, dass die Kreisbauaufsicht den Antrag der EKFS genehmigt hat (der UA berichtete).

Die BI begrüßt die Ankündigung des BUND, gegen das Vorhaben der Stiftung, anstelle eines alten Jagdhauses im Wald eine Seminarhaus für Wissenschaftlicher zu errichten, Klage einreichen zu wollen. Die Argumente, die die BI gegen das Projekt anführt, sind dieselben wie die des BUND.

So äußerte Astrid Gelzleichter für die BI die Überzeugung, das Bauvorhaben sei rechtswidrig, allein weil die Stiftung kein privilegierter Bauherr sei, dem es laut Baugesetz gestattet wäre, im Außenbereich zu bauen. Auch fehle die Erforderlichkeit für den Bau eines Seminarzentrums der EKFS völlig: Rückzugsmöglichkeiten für wissenschaftliches Arbeiten gebe es reichlich. "Jede Universitätsbibliothek bietet sich da an. Und wenn es unbedingt im Taunus oder in Schmitten sein soll: Es gibt Ferienwohnungen oder Hotelzimmer zu mieten. Dafür muss kein neues Haus errichtet werden und schon gar nicht mitten im Wald", so die Sprecherin, die meint, es handele sich um eine "Verschwendung von Stiftungsvermögen, das besser in konkrete Forschung und Projekte am Menschen investiert wäre, statt es in Betongold zu stecken".

Die BI lässt auch die Ankündigung der Stiftung, Biotope aufzuwerten oder neu anzulegen, nicht gelten: "Den größten Dienst würde die Stiftung der Natur und der Umwelt erweisen, wenn sie auf den Bau verzichtet." Davon abgesehen, werde die Natur bereits beim Bau geschädigt: Schweres Gerät sei bereits zum bedauerlichen Abriss des alten Wochenendhauses der Stiftungsgründerin Else Kröner auf dem Grundstück angerückt. Anders als versprochen sei ein Compact-Recycler mit über 25 Tonnen angerückt, der alle Wege nochmals kräftig verdichtet habe. Kritik übt die BI auch daran, dass der Schutt des Abrisses als Wegmaterial für die über 200 Meter lange Baustraße genutzt worden sei. Fazit der BI: "Es muss gesichert sein, dass geltendes Recht gewahrt bleibt, und es keine Ausnahme für eine potente Stiftung und einen ambitionierten Professor gibt."

Recyclingmaterial

Vom UA auf die Vorwürfe von BUND und BI befragt, sagte Stiftungsvorsitzender Prof. Dr. Michael Madeja, der Unterschied zwischen Baugenehmigung und Bebauungsplan sei ihm wohl bekannt; dass der BUND tatsächlich rechtliche Schritte ergreift, glaube er erst dann, wenn die Klage tatsächlich eingegangen sei. Die Aussagen zu den Waldwegen entsprächen nicht den beschlossenen Vorgaben des Bebauungsplans, zu denen die Stiftung voll und ganz stehe. Die Waldwege würden nicht stärker verdichtet als durch die schon bislang darauf fahrenden Fahrzeuge. Und die vorübergehende Anlage einer Baustraße mit mineralischem unbelasteten Material des Abbruchs erfülle nicht nur eine Forderung der Abbruchgenehmigung, sondern sei eine Maßnahme im Sinne des Umweltschutzes, weil sie natürliche mineralische Ressourcen der Umwelt schone und den Transport von etwa 500 Tonnen mineralische Stoffe mit den entsprechenden negativen Konsequenzen durch Abgasemission, Kohlendioxidproduktion und Verkehrslärm vermeide. In dem Recyclingmaterial seien nur vereinzelt nicht mineralische Stoffe gelangt, die mittlerweile abgesammelt worden seien. "Zu den persönlichen Unterstellungen mir gegenüber möchte ich nicht Stellung nehmen", so Madeja abschließend.

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