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Sehnsucht nach Lichterglanz

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2017 war die Welt noch coronafrei: Heinz Weidner eröffnete als Vorsitzender des ausrichtenden Gewerbeverein mit viel politischer Prominenz und himmlischem Beistand den Nikolausmarkt. © Red

Neu-Anspach (fms). Wieder ein Jahr ohne Weihnachtsmärkte. Im zweiten Jahr in Folge fallen die Neu-Anspacher Weihnachtsmärkte coronabedingt aus, und vielen fehlt damit etwas, was sie seit Jahren liebgewonnen haben. Weihnachtsmärkte mit Mandelduft und Lichterglanz verbreiten Atmosphäre, manch einer stöbert noch ein Weihnachtsgeschenk auf oder deckt sich auf den größeren Märkten mit allem ein, was zum Fest gehört.

Es geht auch ums Geschäft, wer wollte das bestreiten, dennoch sind sie Treffpunkte mit mehr oder weniger Party-Zonen.

In Städten haben sie seit dem Mittelalter Tradition, man denke an den Nürnberger Christkindelmarkt. Auf dem Land sind sie erst seit einigen Jahrzehnten auf dem Vormarsch. Hier ein kleiner Rückblick für die Kleeblattstadt.

Rudi Jäger macht 1986 den Anfang

Der Neu-Anspacher Nikolausmarkt fand erstmals 1986 statt und war eine Initiative des Gewerbevereins unter dem Vorsitzenden Rudi Jäger, der in Fred Maruhn und Herbert Jäger engagierte Mitstreiter hatte. Ilse Trenczek übernahm das Amt von Jäger und damit auch für viele Jahre die Organisation des Marktes, der im alten Ortskern einen ersten idealen Standort fand.

Das Zentrum war der Platz zwischen Kirche und dem Gasthaus Zur Linde. Am Anfang war nur die Usastraße von Buden gesäumt, später breiteten sie sich nach beide Seiten in die Langgasse aus, den Eingang von allen Seiten bildeten geschmückte Tore.

An der Neuen Pforte stand ein Karussell, eine weitere Attraktion war die Lok »Emma«, die Kinder auf kleinen Wagen viele Jahre durch die Gassen zog. Ralf Jaeger hatte sie gebaut und spielte auch den Lokführer.

Viele Helfer des Vereins schafften stets den Rahmen, der von Privatpersonen, Vereinen und anderen Organisationen sowie Gewerbetreibenden gefüllt wurde. Zentraler Schauplatz war die Bühne an der Kirche, wo Kinderchöre, Tanzgruppen und Musikgruppen auftraten.

Der Anspacher Nikolausmarkt zog immer mehr Besucher an, und die kamen auch aus dem Umland, was allerdings auch Schattenseiten hatte. Junge Erwachsene hatten den Markt als Treffpunkt entdeckt, und statt sich vor Ort ein oder zwei Glühwein zu gönnen, brachten sie alkoholische Getränke mit. Die Feiern liefen mitunter aus dem Ruder. Die Veranstalter steuerten gegen und drängten das Partygeschehen wieder zurück.

Vereins-Zelte Orte der Geselligkeit

Die Vereinszelte aber blieben Orte der Geselligkeit. Vielen waren die mit Lichterketten geschmückten Gassen ans Herz gewachsen, und viele konnten sich deshalb mit dem Plan, den Nikolausmarkt an des Feldbergcenter zu verlegen, nicht anfreunden. Nicht zuletzt Sicherheitsbedenken der Feuerwehr gaben den Ausschlag, aber inzwischen hat sich der neue Standort bewährt, jetzt unter der Regie des Vorsitzenden Heinz Weidner. Das Programm wurde größtenteils übernommen, Pate wurde jetzt die katholische Kirche, aber ohne Vereine geht es auch in der neuen Mitte nicht.

Ein Zelt, das immer gerne angesteuert wird, ist das der Thalgauer, Die Freundschaft mit dem österreichischen Thalgau entwickelt sich allerdings in Westerfeld, wo sie einst ihre Spezialitäten anboten. Der Westerfelder Weihnachtsmarkt ist 1995 im Zuge des laufenden Dorfentwicklungsprogramm ins Leben gerufen worden, entscheidende Impulsgeber waren Anna Sindermann und Gerhard Haas. Die Erlöse kamen seinerzeit der Dorfentwicklung zugute.

Nach dem Tod Sindermanns 2013 führten die noch als Gruppe organisierten Udos (Unser Dorf) um die engagierte Gudula Bohusch den Weihnachtsmarkt am Fuße der Kirche fort, weiterhin in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde.

Auch in Hausen und Westerfeld

Die Westerfelder ließen stets nur private und Vereinsstände zu. Der Versuch, den Markt 2013 in die Usinger Straße zu verlegen, kam nicht gut an, so- dass er ein Jahr später wieder in die Mühlstraße zurückverlegt wurde. Einmal musste er wegen Unwetter abgesagt werden, fand dann mit einer Woche Verspätung doch noch statt.

Der jüngste der Neu-Anspacher Märkte ist der Hausener Weihnachtszauber, eine Idee des Jugendfördervereins Neu-Anspach, der in Hausen-Arnsbach angesiedelt ist. 2009 fand er zum ersten Mal statt, bei frostigen Temperaturen: minus 20 Grad ließen damals die Fußspitzen blau werden. Noch ungemütlicher wurde es 2014, als sich Sturmtief »Engel« über den Hausener Dorfplatz ergoss.

Trotz aller Unbilden wurde der idyllische Markt, stets vor dem vierten Advent, zu einer Erfolgsgeschichte. Auch er lebt vom Engagement der Vereine und der Kirche. Eine Feuerschale in der Platzmitte und Krautpfannkuchen sind die Markenzeichen des Weihnachtszaubers. Bleibt zu hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder Krautpfannkuchen und Waffeln in Hausen, Bratwurst, Glühwein und was sonst dazu gehört auf wiedererstarkten Neu-Anspacher Weihnachtsmärkten gibt. Vielleicht bringt die Auszeit ja auch neue Impulse mit sich.

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