»Sportplatz-Beschluss war einstimmig«

Neu-Anspach (bur/hs). »Wie geht es weiter mit dem Sportplatz an der ARS?«, fragt sich die SPD - und hat sich mit den Vorgängen rund um den Verkauf genau befasst. »Seit drei Wochen diskutieren die Neu-Anspacher Bürger, die Schule und die Sportvereine über einen möglichen Verkauf der Sportfläche an der Adolf-Reichwein-Schule«, sagt Fraktionsvorsitzender Kevin Kulp.

Die Stadtverordnetenversammlung habe bereits im Februar aufgrund rechtlicher Vorgaben einen sogenannten Abbaupfad beschlossen, um die Kreditlast der Stadt abzubauen. Teil dieses Abbaupfades seien unter anderem 2,3 Millionen Euro, die für den Verkauf des Sportplatzes an der ARS vorzugsweise an den Kreis eingestellt wurden. »Dieser Beschluss fiel einstimmig auf Initiative der Stadtverordnetenversammlung. Es ist also ein äußerst fragwürdiger Angriff gegen Bürgermeister Thomas Pauli, wenn der CDU-Fraktionsvorsitzende Birger Strutz nun behauptet, der Bürgermeister habe den Sportplatz als unrealistische Summe in den Haushalt eingestellt.«

Verkauf noch nicht geklärt

Wolle sich die CDU, die das Thema 2017 erstmals aufgebracht habe, hier aus der Verantwortung ziehen und von den selbst mit getroffenen Beschlüssen nichts mehr wissen?, fragt Kulp. »Wichtig ist jedoch auch, dass der Verkauf des Sportplatzes hinsichtlich der Frage, ob überhaupt die ganze Fläche verkauft werden und wer der Käufer sein soll, noch nicht geklärt ist«, stellt auch die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Sandra Zunke, fest.

»Hier ist gerade der Hochtaunuskreis in der Pflicht«, ergänzt die Vizefraktionsvorsitzende Judith Rahner. Diesem sei das Grundstück, das insgesamt gut fünf Millionen Euro wert sei, bereits im März zum Kauf angeboten worden. Der Kreis wolle jedoch bloß drei Euro pro Quadratmeter zahlen, was insgesamt nur zu einem fünfstelligen Betrag geführt hätte: »Weit jenseits des Wertes.«

Es könne nicht sein, dass sich der Kreis hier einen schlanken Fuß mache, versuche, die Verantwortung auf die Stadt zu schieben, und es im März auch unterlassen habe, die Schulgemeinden zu informieren, macht Rahner deutlich.

»Weil der städtische Haushalt schon seit Jahren ausgequetscht ist, ist der Verkauf der Fläche mangels realistischer Möglichkeiten unabwendbar. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Alternative wäre, die 2,3 Millionen Euro kurzfristig über die Grundsteuer einzutreiben, was gegenüber allen Bürgern schlicht unverantwortlich wäre«, betont Zunke.

»Wer nun also suggeriert, andere Alternativen seien möglich, soll diese entweder vorschlagen oder aufhören, den Betroffenen unrealistische Szenarien zu skizzieren.« Wichtig sei es nun, dass gemeinsam mit allen Betroffenen, das heißt ARS, Grundschule an der Wiesenau, Schülern, Eltern sowie der SG Anspach Gespräche geführt würden. »

Auch bei der b-now hat die CDU-Mitteilung zum Sportplatz und der Vorwurf, der Bürgermeister schöne den Haushalt, Kritik ausgelöst. Der b-now-Fraktionsvorsitzende Bernd Töpperwien ist empört über die Aussage der Christdemokraten.

»Es scheint, dass die CDU ein sehr kurzes Gedächtnis hat, denn in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Juli dieses Jahres wurde zum Verkauf des Sportplatzes ein eindeutiger Auftrag an die Verwaltung definiert: »Sollte der Kreis nicht von seiner Verhandlungsposition abrücken, muss über Alternativen nachgedacht werden. Beispiele: Umwidmung zu Wohnbebauung, Senioren- oder Pflegeheim, eventuell in Verbindung mit kleineren Sportflächen auch unter Einbezug von Vereins- und Schulsport. Abstimmungsergebnis: neun Jastimmen, keine Gegenstimmen, keine Stimmenthaltungen.«

»Genau an diesem Auftrag arbeitet die Verwaltung doch aktuell - was also soll dieser aus der Luft gegriffene, erneute Angriff auf Bürgermeister und Verwaltung?«, fragt Töpperwien und vermutet, dass es der CDU ausschließlich darum geht, den Verwaltungschef zu diskreditieren, um frühzeitig einen eigenen Kandidaten für die 2023 anstehende Bürgermeisterwahl zu positionieren.

CDU kritisiert Kommunikation

Grund für den Ärger bei SPD und b-now ist die Äußerung der CDU, dass Bürgermeister Pauli den Verkauf des Sportplatzes zwar als »wesentlichen Baustein« zur Konsolidierung des Haushalts betrachte, aber wohl vergessen habe, »mit den Beteiligten im Vorfeld zu sprechen und Alternativen zu entwickeln. Denn Schule ohne Sportmöglichkeit und Freizeitraum ist nicht denkbar«, so Fraktionschef Birger Strutz. Auch der Landkreis dürfe sich nicht ganz aus der Verantwortung ziehen. »Mit einer solchen intransparenten Informations- und Kommunikationspolitik ist unsere Stadt nicht in die Zukunft zu führen. Es fehlt die Perspektive, auch für unsere Sportvereine bezüglich der Finanzierung neuer Sportstätten«, kritisierte die CDU.

»Die Zukunftsaufgabe ISEK wird durch die ehrenamtlichen Mitglieder in den Arbeitskreisen geleistet, wo aber ist die nachhaltige Unterstützung der Stadt?«, fragt der CDU-Chef. Die Fraktion sei der Meinung, mit dem Zuschuss des Landes sei jetzt die Chance gegeben, die Neue Mitte zu gestalten. Ein weiteres Arbeitsfeld ist der »bezahlbare Wohnraum«, der in Neu-Anspach Mangelware ist. »Wir brauchen uns nicht zu wundern«, so Strutz, »wenn die Einwohnerzahl in unserer Stadt zurückgeht, während Usingen und Wehrheim steigende Zahlen haben.« Es sei falsch, die Finanzprobleme der Stadt der Pandemie zuzuschieben.

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